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Schlossgeist folgt Befehl: "Fichten vernichten!"
In Bermersbach sind die freiwilligen Helfer des Bergwaldprojekts beim Vernichten von Fichten aktiv.  Foto: Haller-Reif
29.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Forbach - Die durchaus schweißtreibende Arbeit am Steilhang unterhalb des Wildgeheges in Bermersbach gestaltet sich auch witterungsbedingt nicht besonders gemütlich. Gleichwohl geht die generationenübergreifende Gruppe des Bergwaldprojekts in Forbach beherzt ans Werk. 15 Menschen aus ganz Deutschland und dem Elsass unter Anleitung von Jakob Reuter vom Verein Bergwaldprojekt leisten ihren Freiwilligeneinsatz zugunsten des Ökosystems Wald mit Engagement und Freude. Einen Einsatz, den sie alle, mag er auch körperlich ungewohnt und daher anstrengend sein, als "spannend und lehrreich" empfinden.

Unter der Regie der Revierförster Andreas Wacker, Bernhard Ott und Hans-Jörg Wiederrecht von der Bezirksleitung Gaggenau des Kreisforstamts Rastatt widmete sich die Gruppe vorrangig der Auerwild-Biotop-Pflege, dem Einzelschutz von Weißtannen zugunsten der Mischwuchsregulierung sowie der Offenlandpflege.

Am Projektstandort in Bermersbach lautete der Auftrag: "Fichten vernichten!" Da junge, aber schnellwüchsige Fichten gemeinhin nicht auf der "Speisekarte" des Wildes stehen, erobern sie relativ schnell die für den Artenschutz lebenswichtigen Offenflächen. Nach Wiederrechts Informationen über die forstlichen und ökologischen Gegebenheiten des Waldbestands, insbesondere von Bermersbach, kam die Praxis zum Zuge. "Wir führen Naturschutz- und forstliche Arbeiten durch mit dem Ziel, stabile Waldökosysteme zu fördern und Artenschutz zu betreiben", erläutert der Projektleiter Reuter.

Neben der Arbeit in der Natur solle das Bewusstsein geschaffen werden, dass der Mensch auf ein stabiles Ökosystem angewiesen sei, gerade in Zeiten des Klimawandels. Und sich etwa beim Wald über dessen Bedeutung als Wasser- und Kohlenstoffspeicher und Erosionsschutz klarwerde: "Wir profitieren von der Vielfalt des Waldes in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und vor allem ökologischer Hinsicht."

Ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Menschen, die teils seit Jahren eine Woche ihrer Freizeit dafür aufwenden, wäre das Bergwaldprojekt nicht denkbar. "Den ganzen Tag draußen bei Wind und Wetter, mal raus aus der Komfortzone", benennt die Berliner Geigenbauerin Barbara Gateau, die von ihren syrischen Freunden Abd und Maythaa begleitet wird, einen Aspekt. Auch dass bei unterschiedlichen, aber immer netten Leuten schnell ein Gruppengefühl entstehe. Und: "Es ist unglaublich interessant, was man über das Ökosystem lernt."

Jutta Pals aus dem ostfriesischen Leer, die hauptberuflich als Führerin auf Schloss Evenburg und auch als Schlossgeist unterwegs ist, tobt sich gerne körperlich aus. Auch sie schätzt die Durchmischung von Jung und Alt und erst recht Jakob Reuters "Biologiestunden in Sachen Wald".

Für den Praktikanten und Abiturienten André Derr aus dem Elsass zählen der soziale Wert und die körperliche Betätigung in der Natur. Die Verbundenheit mit der Natur ist auch bei Enya Förster, Student der Forstwirtschaft mit Schwerpunkt internationales Waldmanagement in Eberswalde, eine Triebfeder zur inzwischen achten Teilnahme am Bergwaldprojekt. "Praktische Naturschutzarbeit, verbunden mit Umweltaspekten", empfindet er als ebenso interessant wie wirkungsvoll. "Der vielfältige Austausch ist für mich wertvoll, dazu die Konstellationen aus völlig verschiedenen Menschen aus vielen Altersgruppen und unterschiedlichen Lebenssituationen - total spannend."

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