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Das Wohl der Jugend im Blick
09.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - Halt ist ein bundesweites Präventionsprojekt, das die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs unter Jugendlichen verfolgt. Vor zehn Jahren wurde es im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden eingeführt. Der Diplom-Psychologe Wolfgang Langer leitet die Fachstelle Sucht Rastatt/Baden-Baden. Darüber hinaus ist er Leiter des Halt-Projekts. Im Gespräch erläutert er den Ursprung und die Entwicklung der Initiative.

Vorgeschichte der Halt-Initiative: "Bis zum Jahr 2000 kam es eher selten vor, dass Jugendliche mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Zu der Zeit war die Rede von jährlich circa 9 500 Heranwachsenden im Alter zwischen zehn und 20 Jahren. Dann kam es zu einem rapiden Anstieg auf rund 26 000 registrierte Jugendliche pro Jahr mit Alkoholvergiftung. Daraufhin schlugen die Krankenhausärzte bundesweit Alarm", erinnert sich Wolfgang Langer.

Mögliche Gründe für jugendlichen Alkoholmissbrauch: "Noch vor ein paar Jahren wurden unter anderem alkoholhaltige Süßgetränke, sogenannte Alcopops, für den rasanten Anstieg des Rauschtrinkens verantwortlich gemacht. Dazu kam eine gewisse Laisser-faire-Haltung in der Gesellschaft. Man nahm es nicht mehr so genau mit dem Jugendschutz. Doch das allein ist es nicht. Jugendliche sind heute mit enormen Anforderungen konfrontiert. Sie haben Leistungsdruck in der Schule, in der Freizeit und im sozialen Umfeld. Seit einigen Jahren sind die Zahlen zwar leicht rückläufig, doch es besteht kein Grund zur Entwarnung", betont Langer.

Wachsender Anteil der Mädchen beim Rauschtrinken: In der Anfangszeit von Halt waren die Jungen beim Rauschtrinken sehr dominant, ihr Anteil war dreimal so hoch wie der der Mädchen. Vor etwa fünf Jahren waren es nur noch 60 Prozent Jungs und 40 Prozent Mädchen. Derzeit ist das Verhältnis 57 Prozent Jungs, 43 Prozent Mädchen.

Entwicklung des Halt-Projekts in der Region: Wesentlicher Impulsgeber für die Einführung des Präventionsprojekts am Standort Rastatt / Baden-Baden war Landrat Jürgen Bäuerle. Er erfuhr von Halt durch seinen Lörracher Amtskollegen. Bäuerle setzte sich mit der örtlichen Suchtberatungsstelle in Verbindung und zog den damaligen Jugendamtsleiter Stefan Biehl hinzu. Parallel fanden seitens der Fachstelle Sucht, in Abstimmung mit der Stadt Baden-Baden und deren kommunaler Suchtbeauftragten, erste Vorüberlegungen zur Einführung des Projekts statt.

Lernen, mit

Alkohol umzugehen

Schließlich wurde 2007 eine Planungsgruppe gebildet, in der Vertreter der Kommunen und der Fachstelle den Projektstart im Jahr 2008 vorbereiteten. Nach einem Probelauf mit sogenannten Jugendschutzteams, bestehend aus Polizeibeamten, jungen Heranwachsenden sowie Psychologen, Sozialarbeitern oder Sozialpädagogen, beim Gernsbacher Altstadtfest 2007 und Gesprächen mit dem damaligen Chefarzt der Kinderklinik Baden-Baden, Dr. Ulrich Rappen, ging Halt im Mai im Landkreis Rastatt und im September im Stadtkreis Baden-Baden an den Start.

Arbeitsweise: In der Anfangszeit standen vor allem Festbegleitungen, Maßnahmen im Bereich Einzelhandel und in der Discoszene im Vordergrund. Dazu kamen Gespräche, bei denen Mitarbeiter der Fachstelle Sucht mit Jugendlichen noch im Krankenhaus Kontakt aufnehmen, um die Trinksituation zu reflektieren.

Bedeutung der Prävention: Risiko-Checks sind freiwillige Gruppenangebote, die der weiteren Klärung der Alkoholproblematik dienen, gleichzeitig aber auch Jugendlichen aufzeigen sollen, wie sie sich in Risikosituationen verhalten können. "Es geht nicht darum, ihnen den Alkohol zu verbieten, sondern ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu vermitteln, damit sie sich nicht in Gefahr bringen", erklärt Langer.

Damit es erst gar nicht zur Alkoholvergiftung kommt, setzt Halt auf gesellschaftliche Sensibilisierung. Der Fokus liegt in der Vernetzung der relevanten Institutionen und Verbände. Dazu zählen Ordnungsämter, Schulen, Vereine, Ärzte und Rettungsdienste. Darüber hinaus möchte Halt Eltern, Verkäufer im Einzelhandel und Veranstalter von Festen sensibilisieren.

Für Vereine gibt es ein Zertifizierungsprogramm zur Förderung suchtpräventiver Jugendarbeit. Mittlerweile sind 100 Vereine im Landkreis Rastatt und 28 Vereine im Stadtkreis Baden-Baden ausgezeichnet. Neben den kommunalen Suchtbeauftragten Karin Mark-Heister für den Stadtkreis Baden-Baden und Gudrun Pelzer für den Landkreis Rastatt, die das Projekt maßgeblich unterstützen, nennt Langer besonders die Polizei als bedeutenden Kooperationspartner. "Im bundesweiten Vergleich haben wir in unserem Gebiet ein sehr gut funktionierendes Netzwerk. Zwischen den Institutionen herrscht eine konstruktive Zusammenarbeit."

www.halt.de

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