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Wo Igelchen überleben dürfen
Wo Igelchen überleben dürfen
14.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Christiane Vugrin

Gaggenau - Antonia blickt etwas skeptisch drein. Sicherheitshalber verkriecht sie sich in die Ecke ihres Kartons. Als "Zieh-Mama" Jana Mendow sie vorsichtig hochnimmt und mit ihr spricht, reckt "Toni" ihr spitzes Näschen. Ihre kleinen Knopfaugen leuchten. Alles ist gut. "Auch mit Igeln kann man schmusen", sagt die Michelbacherin überzeugt. Die kleinen stacheligen Gefährten lieben Zuneigung wie andere Tiere auch. Durch den trockenen Sommer dieses Jahr sind viele von ihnen in große Not geraten.

Das Insektensterben, der Boden war staubtrocken, "viele Igel schafften es nicht, sich ausreichend zu ernähren", erklärt die 47-Jährige. Dadurch konnten die Mütter ihre Säuglinge nicht richtig aufziehen, sie sind teilweise sogar verendet. Normalerweise säugt eine Igelmutter ihre Jungen sechs Wochen lang und begleitet diese mindestens drei Monate, um ihnen alles zu zeigen, was wichtig ist.

"Durch das mangelnde Nahrungsangebot sind die Igel ausgehungert und ausgemergelt", weiß Mendow. Anfang November sollte ein Igel um die 800 Gramm wiegen und bereits im Winterschlaf sein - wären die Temperaturen des Monats so, wie sie sein sollten. "Solange es so warm ist, laufen viele noch draußen herum und suchen Futter, diese sind besonders auf die Hilfe von uns Menschen angewiesen", erklärt die Tierfreundin. Exemplare unter 600 Gramm sollten bei Zimmertemperatur aufgepäppelt werden. Achtung: "Tagaktive Tiere sind in einer absoluten Notlage", macht Mendow aufmerksam.

Vor zehn Jahren war Jana Mendow aus der Großstadt ins idyllische Michelbach gezogen. Gemeinsam mit ihrem Mann Klaus Eisele bewohnt sie ein Haus am Ortsende. Vor sieben Jahren ist sie auf den Igel gekommen. "Mein Mann kam von der Spätschicht heim und fand einen hustenden Igel am Kellerfenster", erzählt Mendow, "er meinte, ich soll mal danach gucken." Damit hatte Jana Mendow, die sich hauptberuflich als Krankenschwester im Dialysezentrum Rastatt um Menschen kümmert, ihren ersten schwerkranken Igel in Pflege. Ab diesem Zeitpunkt war ihr Herz offen für die kleinen, stacheligen Gesellen.

"Wir stellten Futterstellen bei uns im Hof auf, und durch eine Kamera konnten wir sehen, welche Igel bedürftig waren", schildert die Igel-Freundin. Diese wurden eingesammelt, liebevoll "gepäppelt" und gegebenenfalls überwintert. Es war der Anfang ihrer Igel-Pflegestation. Durch Facebook fand Jana Mendow Kontakt zu Igelgruppen, tauschte sich aus und ließ sich in einer Liste als Pflegestelle für Igel registrieren. Seit diesem Jahr ist die "Igelretterin" auch bei www.igelnotnetzwerk.de gelistet. Hier können sich Finder von notleidenden Igeln melden, wenn sie sich selbst die Pflege nicht zutrauen. "Meistens werden die Igel zu mir gebracht, manchmal klappt auch eine telefonische Beratung", so Mendow.

Derzeit wohnen fünf Igel im Haus und Hof von Jana Mendow und Ehemann Klaus Eisele. Natürlich hat jeder vierbeinige Mitbewohner einen Namen: Timmi, Luzi, Antonia, Rosi und Jami (von James Bond). Alle fünf wurden mit einem Gewicht zwischen 150 bis 200 Gramm nach Michelbach zum Aufpäppeln gebracht. Bei dermaßen abgemagerten Gefährten kein leichtes Unterfangen.

Oft muss ums Überleben gebibbert werden. Dann schaut Jana auch nachts nach ihren Schützlingen. Ihre Tierliebe ist nicht nur zeitaufwendig, es summieren sich auch die Kosten für die Pflege, die das Paar aus privaten Mitteln finanziert.

"Der Igel ist ein reiner Fleischfresser", mahnt die Fachfrau, "da das Tier einen kurzen Magen-Darm-Trakt hat, soll kein Obst, Gemüse, Milch oder Kaffeesahne gefüttert werden." Igel in der Obhut von Menschen würden Rührei, gebratenes Hackfleisch, hauptsächlich Katzennassfutter ohne Sauce und Gelee sowie hochwertiges Katzentrockenfutter vertragen. "Wer unsicher ist, kann sich gerne an mich wenden", versichert Jana Mendow lächelnd - sie ist Krankenschwester mit einem großen Herz für Tiere .

Jana Mendow ist unter (0 72 25) 97 60 66 oder bei Facebook unter Jana Mendow zu erreichen.

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