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Richter: "Wie im Kino"
Richter: 'Wie im Kino'
21.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gernsbach - "So eine Schlägerei kostet bestimmt 10 000 Euro", sagte der Verteidiger des Angeklagten. Das Amtsgericht Gernsbach verurteilte gestern einen 22-Jährigen aus Baden-Baden wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe. 1 800 Euro (90 Tagessätze zu je 20 Euro) muss der Angeklagte zahlen. Hinzu kommen Gerichtskosten. Außerdem wird zum Beispiel die Krankenkasse die Begleichung von Behandlungskosten von dem Täter verlangen.

Schon das Vorkommnis ist außergewöhnlich. Der Angeklagte und ein 18-Jähriger hatten sich am 14. Juni auf dem Salmenplatz in Gernsbach zu einer Schlägerei verabredet. Der 22-Jährige kam mit der Stadtbahn, ging sofort auf den 18-Jährigen los. Es gab Schläge, Tritte, dem Geschädigten wurde die Nase gebrochen. Das Gericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch konnte die Geschehnisse am Bildschirm hautnah nachvollziehen. Der 18-Jährige hatte nämlich einen Kumpel damit beauftragt, die Schlägerei mit dem Smartphone zu filmen. Quasi wie in der ersten Reihe bei ARD oder ZDF saßen der Kumpel und weitere Bekannte auf einer Bank und verfolgten die Geschehnisse - ohne einzugreifen. Oder, wie Ekkhart Koch sagte: "Die hocken auf der Bank wie im Kino."

Laut der Vertreterin der Staatsanwaltschaft war der 22-Jährige am 14. Juni mit der Absicht nach Gernsbach gekommen, sich zu schlägern. Ohne Vorwarnung habe er seinem Kontrahenten den ersten Schlag verpasst - in der Hand ein Messer. Im Zuge der Beweisaufnahme stellte sich heraus, dass die Klinge entfernt worden war, es sich also nur um den Griff eines Messers gehandelt habe. Grund für die Streitereien war eine Frau. Eine sehr gute Freundin des Angeklagten, die aber eine Beziehung mit dem 18-Jährigen eingegangen ist. Deshalb musste der 22-Jährige etwas zurückstecken. Was ihm offenbar nicht behagte. Er habe sich gekränkt gefühlt - "das war mein eigener Stolz". Nach der Auseinandersetzung habe er sich "irgendwie befreit" gefühlt. Er habe nicht geplant, seinem Kontrahenten die Nase zu brechen.

Der 22-Jährige absolviert derzeit eine Ausbildung im Einzelhandel. Die Zeugnisse seien tadellos, so Richter Ekkhart Koch. Allerdings sei er mit seinem Leben nicht zurechtgekommen, nahm Drogen, hatte Depressionen. Das auch wegen verschiedener privater Probleme und Rückschläge, unter anderem der Tod eines Großvaters. Deshalb ließ er sich in eine Fachklinik in Baden-Baden einliefern und dort drei Monate behandeln.

Der Geschädigte erklärte, er habe sich anfangs mit dem 22-Jährigen gut verstanden. Es ging in dem Streit ausschließlich um die Frau. Noch in der gestrigen Verhandlung entschuldigte sich der 22-Jährige bei seinem Kontrahenten. Daraufhin sagte der 18-Jährige: "Ich denke, die Sache ist jetzt gegessen." Auf Anraten seines Anwalts werden sich beide zu einem Opfer-Täter-Ausgleich einfinden. Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, plädiert. Richter Koch folgte stattdessen dem Antrag der Verteidigung. Das Strafmaß sei der unterste Bereich bei einer gefährlichen Körperverletzung in einem minder schweren Fall.

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