http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Ein "Sternenfeld" der Erinnerung
Ein 'Sternenfeld' der Erinnerung
23.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Es gibt Dinge im Leben, die sind objektiv gesehen richtig, und es gibt Themen, da spürt man darüber hinaus vom ersten Moment an, wie wichtig es den Menschen ist, die sich dafür einsetzen: Gestern haben die Hebamme Regina Hartmann, Gärtner Albert Kamm und Diakon Matthias Richtzenhain das neue Gräberfeld vorgestellt für ungeborene und ganz früh verstorbene Kinder.

Es sind nur wenige Quadratmeter auf dem Waldfriedhof in Gaggenau, aber sie werden gebraucht - und sie sind ein Ort, wo Trauer, Traurigkeit, Enttäuschung und liebende Erinnerung endlich einen Platz haben dürfen. "Leben ist von Anfang an", sagt Matthias Richtzenhain und deshalb "bin ich erleichtert, dass es diese Möglichkeit nun gibt."

Rein rechtlich gesehen muss es dieses Grabfeld nicht geben. Denn erst, wenn ein Kind 500 Gramm wiegt oder lebend zur Welt gekommen war, gibt es eine Bestattungspflicht, erläutert Hebamme Regina Hartmann. Und sie weiß: Der Gedanke und oft genug die Tatsache, dass ihr gemeinsames Kind wie organischer Abfall entsorgt werden könnte, ist für Eltern unerträglich - "ein zusätzlicher Schock". Auch dann, wenn es bereits im Mutterleib gestorben ist. Das bestätigt Matthias Richtzenhain: "Auch wenn oft noch kein Name da ist, so spricht man doch immer von einem Kind."

Albert Kamm ist schon seit vielen Jahren für die gärtnerische Pflege der Gaggenauer Friedhöfe zuständig. Und nahezu ebenso lange trägt er den Wunsch in sich, das, was es in anderen Städten bereits gibt, auch in Gaggenau zu haben. "Ein Sternenfeld hilft den Eltern bei der Trauerbewältigung", weiß Kamm. Auch er freut sich, dass die Fläche von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Er selbst übernimmt dessen Pflege - dauerhaft und ebenfalls kostenlos. Für jedes Kind gibt es eine separate Graböffnung. Bei dem Feld handelt es sich um die ehemalige Grabfläche einer bekannten Gaggenauer Familie, gelegen oberhalb der Einsegnungshalle.

Ein Monument mit Engelsfigur ist erhalten geblieben; die Stadt wird noch eine Stele hinzufügen. Deshalb ist die offizielle Einsegnung erst für den Januar geplant, auch wenn die erste Beisetzung bereits erfolgt ist. Ein kleines Engelchen am oberen Rand des Feldes erinnert an das Menschenkind, das hier bereits zu Grabe getragen wurde.

Namentliche Kennzeichnungen der einzelnen Grabstellen soll es nicht geben. Aber Albert Kamm will dafür Sorge tragen, dass nicht nur ansprechende und gepflegte Bepflanzung das Feld zu einem würdevollen Ort des Erinnerns werden lässt: Gemeinsam mit einer Künstlerin aus Bad Rotenfels will er auch eine "kindgerechte" Umrahmung gestalten.

Bereits in der Klinik werden Eltern auf die Möglichkeit angesprochen, ihr verstorbenes Kind bestatten zu lassen, weiß Regina Hartmann. Und Diakon Richtzenhain ergänzt, dass geistlicher Beistand, Trauerbegleitung und christliche Beisetzung selbstverständlich genau so möglich sind wie bei jeder anderen Beisetzung.

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Der Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft hat den Bahnverkehr in der Region am Montagmorgen lahmgelegt. Waren Sie davon betroffen?

Ja.
Nein.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz