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Einträge eine Art Gedächtnis der Stadt
Einträge eine Art Gedächtnis der Stadt
23.11.2018 - 07:53 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Wahrscheinlich zählt es ähnlich dem sprichwörtlichen Tafelsilber eines guten Haushalts zum Schatz einer Gemeinde, eines Landkreises, einer Stadt: das Goldene Buch. Da wäre es schon verwunderlich, wenn in Gernsbachs Rathaus ein solches Dokument gelebter Stadtgeschichte fehlen würde. Genau wie in anderen Städten ist es schwer, großformatig, unhandlich, in Leder gebunden, mit Goldschnitt versehen. Die Papierqualität ist hochwertig, die Einträge durch Zeitzeugen aus Politik und Gesellschaft darauf bedeutsam und unwiederbringlich.

Mit dem Satz "Das Goldene Buch der Stadt Gernsbach wurde angelegt, um den Besuch bedeutender Persönlichkeiten festzuhalten" eröffnete im Jahr 1974 der damalige Bürgermeister Rolf Wehrle das Buch, in dem es sich lohnt zu blättern. Für Dieter Knittel zugleich ein wunderbarer Rückblick auf bedeutsame Höhepunkte seiner Amtszeit als Bürgermeister. Gleich der erste Eintrag galt einem Jubilar, der damals seinen 100. Geburtstag feiern konnte. Diesem folgten noch zahlreiche Bürger, und auch die aktuellste Würdigung gilt einer hundertjährigen Gernsbacherin. "Ehrfürchtig und auch stolz, sich eintragen zu dürfen" habe Knittel während seiner Amtszeit die Jubilare erlebt. Auch ein bisschen Stolz beim Umblättern, eine Seite für Willy Brandt entdecken zu können.

Beim Anblick der schwungvollen Unterschrift von Joachim Gauck gerät Knittel fast ins Schwärmen. "Von der Kraft der Freiheit in widrigen Zeiten" wählte dieser als Motto seines Eintrags im Februar 2010. Damals noch als Erster Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdiensts der ehemaligen DDR auf einer Lesereise unterwegs, begeisterte der spätere Bundespräsident mit seinem Charisma. "Besonders seine Objektivität und sein Optimismus - trotz eigener erlebter Widrigkeiten - waren es, mit denen er seine Zuhörer ansteckte", blickt Knittel zurück. Als "starke Persönlichkeit" habe Gernsbach ihn erlebt, genauso wie Ignatz Bubis, der durch seine eindringliche, aber mahnende Rede begeisterte.

Beim Aufblättern der Unterschrift des südafrikanischen Freiheitskämpfers Denis Goldberg werden Erinnerungen an einen humorvollen und engagierten Menschen und seinen leidenschaftlichen Appell wieder wach: "Man muss gegen











Rassismus kämpfen als Mensch, um Mensch zu sein". Gernsbach widmete Hans Jochen Vogel und Bernhard Vogel je eine Seite, der Stuttgarter Bürgermeister Manfred Rommel verewigte sich ebenso im Buch wie Heiner Geißler, Günther Oettinger und Klaus von Trotha. Bernhard Peters, Bundestrainer des Feldhockey-Weltmeisters 2002 und 2006, und auch Handball-Legende Heiner Brand signierten gleich anderen hier ungenannten Persönlichkeiten ihre Bucheinträge und bleiben damit in Gernsbachs Erinnerung erhalten. Der Botschafter der Republik Madagaskar, Alphonse Ralison, trug sich ins Buch ein, 2008 der israelische Botschafter in der BRD Shimon Stein ebenso. Auf der Seite, die 2015 eingerichtet wurde, sind ganz viele Unterschriften zu entdecken - und die Lösung zweisprachig: "50 ans de Jumelage" und "50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Gernsbach und Baccarat" ist zu lesen. Zeuge eines Kapitels, das für die Nähe zu Frankreich bedeutungsvoll ist. Ein besonderer Anlass war die "Verleihung der Ehrenplakette des Europarats" 1998. Ganz kommunal, doch ganz wichtig für Gernsbach war der Eintrag, der 1997 die Verkehrsfreigabe des Straßentunnels der B 462 als ein "herausragendes Ereignis, eine große Chance für eine weitere positive Stadtentwicklung (...)" würdigte.

Unterschriften mit



Blick auf die Altstadt

Gerade einmal anderthalb Jahre her und in würdevoller Form im Stadtgedächtnis in Buchform erhalten ist die Festveranstaltung "anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums im Rahmen eines Festgottesdiensts in der St. Jakobskirche" - von Gernsbachs Bürgermeister und namhaften Vertretern beider Konfessionen unterzeichnet. Die Unterschriften unter die in künstlerischer Schriftform vorbereiteten Seiten leisten die Gäste (manchmal nach einer kleinen Stadtführung) im Ratszimmer mit Gelegenheit für einen Blick auf die Altstadt. Man darf gespannt sein, wer sich darin als nächster durch seine Unterschrift in Gernsbachs Stadterinnerung festschreibt.

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