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"Luftschnapper, Simsedricker und ondere G′stalte"
'Luftschnapper, Simsedricker und ondere G'stalte'
07.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Manchmal, wenn Petra Rheinschmidt-Bender in Scheuern unterwegs ist, vermisst sie die Gerüche ihrer Kindheit. Besonders wenn sie an ihrem ehemaligen Elternhaus vorbeikommt, sucht sie vergeblich den Waschmittelgeruch des Montags, den nach frischer Wäsche des Dienstags und den Bratenduft des Sonntags. Das war damals so, als im Elternhaus völlig selbstverständlich mehrere Generationen auf manchmal engstem Raum lebten und der heute hochgeschätzte Begriff "Mehrgenerationenhaus" noch keinen Eintrag in den Duden gefunden hatte.

Und so in Scheuern unterwegs, kommt Petra Rheinschmidt-Bender gern auch ins gemütliche Schwätzen mit ehemaligen Nachbarn. Das natürlich badisch-urig. Mit Älteren und Gleichaltrigen nur, denn den meisten Jüngeren und den Neu-Scheuernern ist dieser Dialekt nicht vertraut. "Diesen Traditionen bin ich heute noch sehr verbunden. Mit Bedauern sehe ich, dass viele Bräuche an Bedeutung verlieren", schreibt Rheinschmidt-Bender im Vorwort zu ihrem Büchlein "Luftschnapper, Simsedricker und ondere G'stalte". Dabei ist sie eine moderne Frau im besten Alter, die mittlerweile mit ihrer Familie in Staufenberg lebt und "mit beiden Beinen im Leben steht", wie man gerne so sagt.

Die Idee, den Dialekt, das Schöne, das Besondere und auch das Kuriose von damals nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, entstand vor zwei Jahren, als der Scheuerner Lenkungskreis alle Gernsbacher dazu aufrief, mit eigenen Gedanken die anstehende 800-Jahrfeier der Stadt zu bereichern. In der Verlegerin des Casimir-Katz-Verlags, Sabine Katz, fand sie schnell eine gute Verbündete. Und nun liegen die ersten druckfrischen Exemplare noch rechtzeitig vor Beginn des Gernsbacher Stadtjubiläums im Jahre 2019 vor.

"Dieses Büchlein erinnert in zwölf Mundartgeschichten und mit Bildern aus meinem privaten Fotoalbum an Kindheit und Jugend in Gernsbach", ist auf dem Buchrücktitel zu lesen. Auf 56 Seiten erzählt es von eigenen Erlebnissen und alten Traditionen und enthält zu jedem Monat passende Rezepte aus dem Kochbuch der Oma und Urgroßmutter der Autorin. "Für uns Kinder war des alle zwei Woche ä Riese-Ereignis, wenn die neue Kurgäscht o'greist sind", erinnert sich die Autorin in ihrer Juni-Geschichte. Und weiter: "So isch der kloine Tross vom Bohnhof über de Scheuerner Buckel bis nuff in d' Bergkopfstroß marschiert; do henn die Städter schu mol ä rechte Portion frische Luft schnappe könne. Under de Einheimische hat ma die deshalb au ,Luftschnapper' g'heiße".

In der Novembergeschichte ist über eine besondere Prozedur in den übernommenen Aufzeichnungen ihres Onkels zu lesen, der über damals in Scheuern übliche Schlachtfeste schrieb: "Das Haus wurde geputzt und im Wohnzimmer eine festliche Tafel aufgebaut: mit weißen Tischtüchern, dem Silberbesteck und dem Tafelgeschirr, das nur zu den allerwichtigsten Anlässen aus dem Schrank geholt wurde. In der Küche duftete es nach geschweißten Zwiebeln und Knoblauch." Nach dem Schlachten "hat's donn nach de Wurschtsupp au Fleisch, Sauerkraut und Kartoffelsalat gegebe, und hinterher - unbedingt - für die Große en Schnaps ,zum Fett verdaue'".

Natürlich erinnert sich Petra Rheinschmidt-Bender an weihnachtliche Bräuche besonders gern. "Des herrliche Duftgemisch aus Tannenzweige und Wachskerze werd ich mei Lebe long in de Nos ho, und so oft ich des irgendwo riech, sieh ich mich als kloines Mädel in meinem beschde Kleidel uffgregt und erwartungsvoll im Wohnzimmer meiner Großeltern sitze."

"Kleine Liebeserklärung an meine Heimatstadt"

Sicherlich hätte man das Büchlein "aufplustern" können: steif eingebunden, mit glänzendem Schutzumschlag, raffinierter Typographie und Fotos von all dem Gebackenen und Gekochten. Doch besser, authentischer und vor allem ehrlicher wäre es dadurch nicht geworden. Denn wer einmal hineingeblättert hat, bleibt in den Geschichtchen und Fotos hängen. Die Jugendlichen staunend, die aus der Erlebnisgeneration sich schmunzelnd erinnernd. Aber alle mit einem Lächeln.

Die Buchvorstellung ist für Ende Januar 2019 geplant. "Als kleine Liebeserklärung an meine Heimatstadt zum 800. Jubiläum", erklärt die Autorin. Und als Gabe nicht nur für Scheuerner, kommt doch der Verkaufs-Erlös der Gernsbacher Sozialstation zugute.

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