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Regen mag ein Kamerunschaf überhaupt nicht
Regen mag ein Kamerunschaf überhaupt nicht
29.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Veronika Gareus-Kugel

Gernsbach - Die Böcke tragen ein üppiges, sichelförmiges Gehörn, das Fell ist rehbraun und glatt. Bauch, Beine und Kopf ziert eine charakteristische dunkelbraune bis schwarze Zeichnung. Der Schluss liegt nahe, dass an dieser Stelle eine kleine Ziegenrasse ihr Werk verrichtet. Mitnichten! Bei den Tieren handelt es sich tatsächlich um Schafe, genauer gesagt um Kamerunschafe.

Kaum taucht Kai Rieber vor dem Gatter seiner Tiere auf, sind diese kaum noch zu bremsen. Zutraulich rennen sie auf ihren Halter zu und begrüßen ihn mit lautem Blöken. "Sie lassen sich gerne streicheln", erzählt Rieber im BT-Gespräch. Ganz dicht schmiegen sie sich an ihn und Tochter Lea an, ausgiebige Streicheleinheiten einfordernd.

Die Idee der Schafhaltung hatte Vater Harald Rieber. Warum die im Besitz befindlichen rund drei Hektar großen Wiesenflächen unterhalb des Merkur immerzu mähen, wenn das die Schafe viel besser erledigen können? Was mit zwei Tieren begann, hat sich inzwischen zu einer 18-köpfigen Schafherde entwickelt. Im nächsten Frühjahr wird zusätzlich mit acht Lämmern gerechnet.

Kein wolliges Fell, das sofort Assoziationen weckt, was aus der Wolle alles hergestellt werden könnte, und kein typischer Schafsgeruch sind neben der markanten Fellzeichnung weitere Merkmale der Tiere. Insgesamt sind vier Farbschläge im Herdenbuch vermerkt. Die weiblichen Tiere bleiben ihr Leben lang ohne Horn. Die Wissenschaft geht davon aus, dass diese Schafrasse dem Ur-Schaf am nächsten kommt. Die Wolle der Schafe ist ein Ergebnis der Zucht. Beim Betrachten der mit einer Widerristhöhe zwischen 55 und 70 Zentimeter zierlichen Schafrasse kommt einem sofort "niedlich" in den Sinn. Die kleinen Ohren, der längliche Kopf, das kurze Schwänzchen und die grazile Figur verstärken den Eindruck noch.

Der Betrachter sollte sich aber nicht täuschen lassen. Kamerunschafe sind keine Kuscheltiere für den Hausgarten, sondern Nutztiere, die vor allem als Fleischlieferanten dienen. Das Fleisch schmeckt ähnlich wie Wild und ist überhaupt nicht fett, meint dazu Jasmin Schneider, die Lebensgefährtin von Kai Rieber. Hobbytierhalter lieben die Tierrasse vor allem wegen ihrer Widerstandsfähigkeit sowie Anspruchslosigkeit. Als Landschaftspfleger werden sie immer beliebter. "Pflegeleicht heißt aber nicht, dass man die Tiere sich selbst überlassen kann", betont Kai Rieber.

Da sie keine Wolle im eigentlichen Sinne entwickeln, müssen sie auch nicht geschoren werden. Das glatt am Körper anliegende Fell verstärkt im Winter eine dichte Unterwolle. Im Frühling fällt diese innerhalb von vier Wochen von selbst aus, erläutert das Mitglied des Deutschen Vereins der Kamerunschafzüchter und -halter. Auch die Geburten verlaufen problemlos. Schon nach einer Stunde sind die Lämmer recht flott an der Seite ihrer Mütter unterwegs.

Besonderheiten an der immer im Freien lebenden Schafrasse sind ihre Genügsamkeit sowie ihre Kälteunempfindlichkeit. Im Sommer reicht ihnen eine durchschnittliche Weide. Die Wasseraufnahme ist gering. Dennoch beschreibt Rieber die Wasserversorgung der Paarhufer im Winter als Herausforderung, wenn Minusgrade das Wasser gefrieren lassen. Auch mögen sie keine Baumrinde, zumindest nicht die der älteren Bäume, erklärt der Tierhalter. Was einen Einsatz in Streuobstbeständen begünstigt. Regen mag ein Kamerunschaf überhaupt nicht. Bei den ersten Tropfen flüchtet sich die gesamte Herde in die Unterstände, erzählt der Staufenberger Schafhalter. Wie die Tiere ihren Weg nach Europa oder in die Karibik fanden, unterliegt Mutmaßungen. Laut Rieber wird angenommen, dass sie als Proviantschafe in den Frachträumen der Sklaventransporte ihr afrikanisches Verbreitungsgebiet verließen.

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