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"Forellenlied" glückt wunderbar und lustvoll
'Forellenlied' glückt wunderbar und lustvoll
02.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gaggenau - Die Jahnhalle mit Kammermusik bis auf den letzten Platz gefüllt zu bekommen, das gelingt regelmäßig nur am 30. Dezember eines Jahres, wenn es "Schluss mit ..." heißt. Bei der zwölften Auflage des Konzerts mit Kultstatus standen Kostbarkeiten von Schubert im Mittelpunkt eines Abends, der wieder gut und Gutes tat. Mit 624 Besuchern kamen auch so viele Zuhörer wie noch nie nach Gaggenau.

Hohe musikalische Qualität mit dem heimeligen Charme eines "Hauskonzerts" zu verbinden, wie der künstlerische Leiter Dr. Christof Maisch die besondere Atmosphäre charakterisierte, ist das Erfolgsgeheimnis dieser einst von Otmar Zwiebelhofer ins Leben gerufenen Reihe. Wie immer war der Eintritt frei. Die im Gegenzug von den Veranstaltern, der Firma König Metall und dem städtischen Kulturamt, erbetenen Spenden kamen diesmal dem Verein Kindgenau zugute, der damit eine neue Kistenrollenbahn für das Spielmobil finanzieren möchte.

In der Besetzung Marie-Christine Papadopoulos (Geige), Ulf Hoelscher (Geige), Christof Maisch (Bratsche) und Alexandre Vay (Cello), die allesamt bereits im letzten Jahr mitgewirkt hatten, erklang zunächst das Andante aus Schuberts Streichquartett Nr. 14 d-Moll, "Der Tod und das Mädchen". Hoelscher rezitierte eingangs aus dem Gedicht von Matthias Claudius und setzte quasi den Ton mit der Feststellung, dass dieses "gar nicht so düster" sei. Einen ähnlichen Zugang, der dem Warmen und Sehnsuchtsvollen Raum gibt, hatte im März das Aris-Quartett in Gernsbach gewählt, nur dass die Interpretation in Gaggenau bei allen leidenschaftlichen Ausbrüchen in den Mollvariationen letztlich noch versöhnter wirkte. Wurde bereits das Eingangsmotiv wie ein tröstendes Wiegenlied gestaltet, so verrann das immer langsamer gespielte Thema in der Coda wie der Sand im Stundenglas.

Elena Kuschnerova



leichthändig-souverän

Als lichte Träumerei erschien dagegen das Impromptu op. 90 Nr. 3 von Schubert, das Elena Kuschnerova ebenso klar wie lebendig und gefühlvoll wiedergab. Das von vielen schnellen Läufen geprägte Impromptu Nr. 4 gestaltete die Pianistin, die zum "Stammpersonal" dieser Konzertreihe zählt, nicht minder leichthändig-souverän.

Begleitet von Kuschnerova ließ Marie-Christine Papadopoulos ihre Geige bei der "Melodie" aus Tschaikowskys "Souvenier d'un lieu cher" in einer Vielzahl fein abgestufter Farben singen, hauchen und seufzen. Das melodienselige Stück war vorab nur als "russisches Geheimnis" angekündigt worden, doch erinnerten sich wohl nicht wenige Besucher noch an das Konzert von 2015, als Nachum Erlich an der Violine diese Miniatur ebenfalls innig wiedergab. Einen noch größeren Wiedererkennungswert besaß die Passacaglia über ein Thema von Händel des Norwegers Johan Halvorsen, nicht nur wegen der bekannten Melodie, sondern weil sie bereits 2017 Bestandteil des Programms war, seinerzeit neben Papadopoulos mit Benedikt Klöckner am Cello. Jetzt mit Alexandre Vay lieferte sich die Geigerin einen leidenschaftlichen Dialog mit Tempo wie Temperament und dazu passend einem rasenden Accelerando zum Finale.

Cellosonate



ein Glanzlicht

Kräftige Konturen gaben Kuschnerova, Papadopoulos und Vay dem ersten und dritten Satz aus Mendelssohns Klaviertrio d-Moll op. 49. Das war durchweg spannend zu verfolgen, auch wenn das Scherzo etwas hart herüberkam, ehe die Pizzicati doch noch ein verschmitztes Ende herbeiführten.

Für weitere Glanzlichter sorgten die Sätze zwei und drei der Cellosonate op. 38 von Johannes Brahms, das Virtuosenstück "Der Erlkönig" von Heinrich Wilhelm Ernst, das Papadopoulos in seiner ganzen Dramatik virtuos wiedergab, und das mit hintergründigem Humor aufwartende Duetto D-Dur für Cello und Kontrabass von Gioachino Rossini, bei dem sich neben Vay erstmals Jochen Steinmetz in Gaggenau präsentierte.

Der Schluss gehörte wieder Schubert und mit den beiden letzten Sätzen aus dem "Forellenquintett" auch einem seiner schönsten Werke. Das eigentliche "Forellenlied" glückte wunderbar liedhaft mit ansteckenden Rhythmen und fein ziselierter Violinstimme (Papadopoulos) und der anschließende Finalsatz ebenso quirlig wie fröhlich mit lustvoll angesetzten Trugschlüssen.

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