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Von der äußeren zur inneren Ordnung und zurück
Von der äußeren zur inneren Ordnung und zurück
02.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Der Besuch an der Hans-Thoma-Schule beginnt mit einem Handschlag vor der großen Schultür. "Die Eltern sehen mich häufig auf der Treppe vor der Schule, um die Kinder zu begrüßen oder zu verabschieden", erklärt Rudolf Retzler später. Vor gut einem halben Jahr ist er als neuer Konrektor gekommen. De facto leitet der 51-Jährige seither die Einrichtung stellvertretend für Schulleiterin Andrea Widmann. Wann mit ihrer Rückkehr nach krankheitsbedingter Abwesenheit zu rechnen sein werde, weiß Retzler nicht. "Ich sehe meine Rolle ganz klar im Dienste der Hans-Thoma-Schule", betont Retzler - ob als deren Leiter oder irgendwann als zweiter Mann, mache da derzeit für ihn keinen Unterschied. "Ich bin gerne hier."

Wie ist der Schulalltag an der größten Grundschule im Stadtgebiet? "Man ist auf dem Präsentierteller, das spüre ich ganz deutlich." Bis zum Sommer war er Lehrer an der Karlschule in Rastatt. Diese ist eine Gemeinschaftsschule. Zuvor war der Pädagoge unter anderem von 2000 bis 2007 an einer deutschen Schule in den Vereinigten Staaten, dann ab 2007 Konrektor an der damaligen Werkrealschule Niederbühl. 2014 und 2015 arbeitete Rudolf Retzler als Grundschulleiter an der Deutschen Schule auf Teneriffa.

"Einen wertschätzenden Umgang mit Kollegium, Ganztagsbereich und Elternvertretung" nennt er als elementar. Wie sieht er das Niveau der Schule? "Wir schneiden in den VERA-Verfahren nicht schlechter ab als andere Schulen, aber auch nicht besser", bilanziert Retzler die VergleichsArbeiten und fügt hinzu: "Ich will keine ,Eliteschule', aber Durchschnitt reicht nicht."

Hintergrund

Die Verbesserung der Unterrichtsqualität werde in den nächsten Jahren wichtiges Thema bleiben - auch, aber nicht nur an der HTS. Und was zeichnet seine Schule aus? "Es hat viel Herz hier, aber ein bisschen mehr Disziplin wäre wünschenswert."

Eine Klage auf relativ hohem Niveau, wie er einräumt: "Die Kinder rennen im Flur und sie schreien zu laut", gibt er zu bedenken. Die HTS sei aber keine Brennpunktschule, trotz des hohen Anteils von Migrantenkindern. Dieser bringe gleichwohl besondere Herausforderungen, nicht nur beim Erwerb von Sprachkompetenzen.

Wer sich an seine eigene Schulzeit erinnert, der wird feststellen: Viel, viel lauter ist es heutzutage an den Schulen. "Dabei muss eine Schule auch Ruhe haben", gibt Retzler zu bedenken, "Ruhe und Struktur. Und Höflichkeit." Herumliegende Jacken und Ranzen sind für ihn "Zeichen einer Strukturlosigkeit", gegen die man angehen müsse: "Über die äußere Ordnung zur inneren Ordnung - und von der inneren Ordnung zur äußeren Ordnung."

Über die Ursachen, warum Kinder heute einen "gestärkten Bewegungsdrang" an den Tag legen, kann man lange diskutieren. An der HTS hat man reagiert: Nach den Weihnachtsferien wird es nicht mehr nur eine, sondern zwei Bewegungspausen geben.

Englisch als Zusatzangebot am Freitagnachmittag ist ebenfalls eine Neuerung. Fremdsprachen, Digitalisierung - bleibt da nicht die Vermittlung von Grundfähigkeiten auf der Strecke? Retzler betont: "Schönschriftunterricht ist wichtiger als das Tippen am Computer." Eine Computer-AG sei nicht sinnvoll, wenn gleichzeitig die Hälfte der Schüler Probleme mit dem flüssigen Lesen habe. Anstatt vor Computerspielen oder am Handy zu hocken, wünscht sich Retzler vor allem eines für seine Schützlinge: "Bücher lesen, Bücher lesen, Bücher lesen."

"Ich persönlich bin am besten mit einem Stück Kreide", plaudert Rudolf Retzler aus seinen eigenen Schulstunden. Dennoch sei die Digitalisierung des Unterrichts "ein ganz dickes Brett", das es mit höherer Drehzahl zu bohren gelte. Es gehe ihm hier nicht um Rumdaddeln im Klassenzimmer, sondern um W-Lan, Netzwerk, Visualisierer, Beamer, Monitore: "Konzept ist vorhanden, Kompetenz ist vorhanden, Geld ist vorhanden, aber die baulichen Voraussetzungen in Bezug auf Netzwerk sind noch nicht gegeben." Gleichwohl: Die Stadt unterstütze die Schule sehr stark, betont Retzler.

Er will gerne an der Hans-Thoma-Schule bleiben, dies wird im Lauf des Gesprächs immer wieder deutlich. Er zeigt ein Kärtchen, das die Kollegen ihm persönlich überreicht haben. "Danke, dass Sie bei uns sind" haben sie ihm geschrieben. Anlass war das 25-jährige Dienstjubiläum, das der Pädagoge hier Mitte Dezember gefeiert hat. Er freue sich sehr über diese Wertschätzung. Das zeige ihm auch, dass das Kollegium bereit sei, den von ihm eingeschlagenen Weg der Schulentwicklung mitzugehen.

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