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Felix Braun: E-Sport-Knappe auf Schalke
15.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gaggenau - Mancher Fan aus dem Revier würde sein Leben dafür geben, einmal das königsblaue Leibchen der Knappen überzustreifen. Felix Braun sitzt dagegen gelassen im Schalke-Trikot vor seinem PC in Oberweier und meint lapidar: "Ich bin kein Fußball-Fan und damit auch kein Anhänger von Schalke 04 gewesen - aber ich finde es gut, dass Schalke sich im E-Sport engagiert." Die für ihre Nachwuchsarbeit im Fußball berühmte "Knappenschmiede" angelte sich den 19-Jährigen, der als eines der größten Talente gilt.

Im populären "League of Legends" (LoL), das jeden Monat angeblich mehr als 100 Millionen Mal gespielt wird, hat sich Braun schon mit 17 einen Namen gemacht. Zweimal gewann er mit den "Mysterious Monkeys" auf der Kölner Messe Gamescom den deutschen Titel und wurde anschließend zum wertvollsten Spieler der Saison gekürt. Auf "Abbedagge", der seinen Kampfnamen vom Strategiespiel "Age of Empires" behielt, wurden internationale Topclubs aufmerksam. Galatasaray Istanbul verpflichtete ihn 2017 - Fußball-Ikone Lukas Podolski posierte dort mit ihm und seinem Trikot mit "Abbedagge"-Schriftzug (das BT berichtete).

Der Junge aus der Gaggenauer Bäcker-Dynastie wurde im vergangenen Jahr stets heiß gehandelt auf dem Transfermarkt. In der Frühlingssaison ging er für das französische Team Vitality an den Start. Im Sommer war "Abbedagge" Erster in der höchsten türkischen Liga. Nach 18:5 Siegen reichte es jedoch seinem Team in den Play-offs "nur" zur Vizemeisterschaft. Dafür räumte er mit einer türkischen Auswahl einen internationalen Titel in Vietnam ab vor den Gastgebern und russischen Kontrahenten.

Nach seinem Türkei-Gastspiel wollte sich der 19-Jährige in der "Solo-Rangliste zeigen". Dabei tun sich fünf Spieler zufällig zusammen, ihre Leistungen werden aber einzeln bewertet. Auf dem Europa-Server spielte sich der 19-Jährige in die Top Ten, um "am Ende sogar Erster zu sein", platzt dieses exzellente Resultat nicht gerade heraus aus dem bescheidenen LoL-Ass. Dennoch weiß Braun: "Das war wichtig, um sich für Top-Teams zu empfehlen." Schlug er noch sehr gute Angebote aus den USA und England aus, entschied er sich für Schalke 04, um dort die Herausforderung in der neuen League of Legends European Championship (LEC) anzunehmen.

Prall gefüllte Arena

mit 14 000 Zuschauern

Das Finale in Ho-Chi-Minh-Stadt (ehemals Saigon) ging in einer prall gefüllten 14 000-Zuschauer-Arena über die Bühne. Machte das Braun nicht nervös? "Nein, bei den Play-offs in Studios ohne Publikum im Nacken fühlte ich mich nervöser als vor großem Publikum. Man hört dann natürlich schon viel, und der Boden wackelt", erinnert sich Braun. Doch von diesen Impressionen ließ er sich auf dem Bildschirm "nicht ablenken, auch wenn die Asiaten begeisterungsfähiger sind als die Fans in Europa".

Im Vorjahr belegten die Gelsenkirchener Platz zwei in der Zehner-Topliga. Nun wollen sie mit einem jungen Team auf den Gipfel. Nur der als "Ausnahmetalent" gefeierte Elias "Upset" Lipp blieb. Mit Blick auf ihn und Braun sagt Manager Nicolas Farnir: "Ich habe hohe Erwartungen an das deutsche Duo." Zudem verpflichtete Schalke drei Ausländer: Andrei Pascu, dessen Nickname "Odoamne" auf Rumänisch "O, mein Gott" bedeutet, den Südkoreaner Donggeun "Ignar" Lee und den Schweden Jonas "Memento" Elmarghichi.

Vor dem Jahreswechsel beschnupperte sich das Quintett erstmals in Berlin. "Im Vortraining lief es ganz gut. Ich bin zufrieden", klingt Braun zuversichtlich, schränkt jedoch auch gleich vor dem Saisonstart Mitte Januar gewohnt zurückhaltend ein, "die anderen Teams sind aber ebenfalls stark. Bei uns bedarf es noch der Feinabstimmung. Man kann natürlich immer davon reden, Erster zu werden - ich sehe aber keinen Wert darin, großspurige Ankündigungen zu verbreiten."

Die Schalker, die sich ebenso bei eFootball.Pro und in der Fußballsimulation "FIFA" engagieren, finanzieren ihre Teams laut Braun über "viele Trikotsponsoren", zudem spülen Mousepad und Tastatur Mittel in die Kasse. Die Spieler erhalten neben ihrem Vereinssalär auch den Löwenanteil der Preisgelder.

Inzwischen leben die fünf LoL-Könner in einer großen WG in Berlin und haben in ihren Apartments alle Hightech-Computer stehen. Gespielt wird aber nicht dort, sondern im "Office", das fünf Fußminuten entfernt liegt. Dort reihen sich die PCs der Schalker aneinander, um sich optimal abstimmen zu können. Ein Fitnessraum ermöglicht Abwechslung wie körperliches Training.

Daneben ist das Büro des Managers und ein Fernsehgerät, um auf dem riesigen Bildschirm alle Duelle analysieren und die Leistungen verbessern zu können.

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