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Wenn Eltern Kinder gefährden
Wenn Eltern Kinder gefährden
19.01.2019 - 00:00 Uhr
Gaggenau - Jasmin Hansen (40) ist seit kurzem neue Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Gaggenauer Schulen und damit Nachfolgerin von Kai Bornemann. Mit der MTA und zweifachen Mutter sprach Thomas Senger über die täglichen Probleme auf den Straßen und Wegen vor den Schulen.

BT: Frau Hansen, warum wird man Vorsitzende eines Gesamtelternbeirats?

Jasmin Hansen: Weil es meist eine Person braucht, die vorangeht, damit andere folgen und als Gemeinschaft etwas Gutes bewegen.

BT: Was ist das, "etwas Gutes" in Bezug auf die Schulen in Gaggenau?

Hansen: "Etwas Gutes" ist zum Beispiel die Sensibilisierung der "Helikopter-Eltern", die ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer fahren würden und dabei andere Kinder gefährden. Hier möchten wir gerne erreichen, dass kein Verkehrschaos vor den Schulen herrscht, sondern der Schulweg ungefährlich und wieder entspannt wird, so dass jedes Kind selbstständig zur Schule gehen kann.

BT: Vor welchen Schulen ist es besonders schlimm?

Hansen: Am Goethe-Gymnasium zum Beispiel ist die komplette Gutenbergstraße morgens und nachmittags durch wartende Eltern blockiert, manche Eltern befahren sogar den Schulhof. An der Hans-Thoma-Schule kommt es auch vor, dass Eltern den Schulhof befahren oder direkt davor halten und dann wieder rückwärts auf den Zebrastreifen rausfahren und dabei Kinder gefährden. Manche halten sogar direkt auf dem Zebrastreifen, um ihre Kinder aussteigen zu lassen, was andere Autofahrer zum Überholen animiert. Dieses Verhalten stellt auch eine große Gefahr für die Schulkinder dar.

BT: Und außerhalb der Kernstadt?

Hansen: An der Merkurschule parken die Eltern die Bushaltestelle zu und blockieren die Straße, so dass die beiden Gelenkbusse, welche die Schüler bringen, nur schwer durchkommen oder es zum kompletten Verkehrserliegen kommt. Oft stehen so viele Pkw an und um die Bushaltestelle, dass die Busse nicht an der dafür vorgesehenen Haltestelle die Schüler aussteigen lassen können. Dieses Parkverhalten der Eltern führt zu vielen brenzligen Situationen, da die Kinder zwischen den parkenden Fahrzeugen durch müssen, um die Straße zu wechseln, so werden sie erst spät von Autofahrern gesehen und können selbst schlecht die Verkehrssituation einschätzen.

BT: Sicher kein böser Wille, sondern Gedankenlosigkeit?

Hansen: Generell haben einige Schulen das Problem, dass viele Eltern im morgendlichen Gehetze nur daran denken, möglichst schnell die eigenen Kinder abzuliefern, um dann pünktlich bei der Arbeit zu sein. Leider machen sie sich keine Gedanken und sind nicht achtsam genug, dass das Fahren bis vor die Türe auch andere Schulkinder in Gefahr bringt.

Interview

BT: Wie ist es beim Schulzentrum Dachgrub mit Eichelbergschule, Förderschule, Realschule und Schule für Körperbehinderte?

Hansen: Auch dort gibt es ähnliche Probleme, wie bei anderen Schulen, obwohl hier ein großer Parkplatz vorhanden ist. Von der Eichelbergschule weiß ich, dass im letzten Schuljahr das Parkverhalten und Missachten der Verkehrsschilder dazu geführt hat, dass das Ordnungsamt helfend eingreifen musste. Momentan scheinen es nur "die üblichen Verdächtigen" zu sein. Sollte es aber wieder überhandnehmen, wird wohl wieder das Ordnungsamt anrücken müssen.

BT: Was wollen Sie gegen die Verkehrsprobleme tun?

Hansen: Sensibilisieren, Alternativen aufzeigen und viele Gespräche führen. Eines der Kernprobleme ist, dass die Eltern sich keine Gedanken um Alternativen machen, da es so am bequemsten ist und, dass viele es ihren Kindern gar nicht zutrauen, eigenständig zu Fuß zur Schule zu laufen. Und hier sehe einen wichtigen Ansatzpunkt: die Kinder selbst. In Kooperation mit den Schulen, würde ich gerne die Schüler bestärken und aufmerksam machen, welche Gefahren durch das Parkverhalten der Eltern entstehen und sie auch motivieren, den Anspruch den Eltern gegenüber geltend zu machen, selbstständig zur Schule zu gehen.

BT: Sie müssen damit rechnen, dass Sie viele Eltern nicht überzeugen werden.

Hansen: Auch die Stadt muss mit ins Boot geholt werden, dass hier nach Möglichkeiten gesucht wird, diese Situation zu entschärfen. Des Weiteren würde ich gerne den Eltern alternative Haltemöglichkeiten aufzeigen, vielleicht in Form von einem Plan, der in Kooperation des Gesamtelternbeirats mit den Schulen für jede Schule spezifisch erstellt wird - auf diese Idee hat mich übrigens mein Mann gebracht.

BT: Der Plan dürfte überschaubar werden: Es gibt nun mal kaum geeignete Halteflächen. Besonders gravierend scheint mir zu sein, dass berufstätige Mütter unter erheblichem Zeitdruck stehen.

Hansen: Es soll auch kein Plan werden, der zeigt, wo man genau vor der Schule halten kann, sondern soll die Eltern motivieren und Anregungen geben, wo man auf dem Weg zur Arbeit die Kinder aussteigen lassen könnte, so dass sie tatsächlich noch fünf bis zehn Minuten Fußweg eigenständig haben. Dies sollte auch berufstätige Mütter in die Lage versetzen, den Zeitdruck zu reduzieren. Denn, sind wir ehrlich, Zeitdruck macht man sich immer selbst, weil man glaubt, dies und das müsse man selbst erledigen, um es nicht aus der Hand geben zu müssen. Glauben Sie mir, auch ich spreche da aus Erfahrung und tue mich schwer, Verantwortung abzugeben. Denn selbst macht man es doch immer am besten (mit einem Augenzwinkern).

Auch Berufsschüler

im Blick

BT: Es sind oft, wie zum Beispiel im Wiesenweg, Eltern von Kindergarten- und Tagesstättenkindern, die für Probleme sorgen. Aber kleine Buben und Mädchen kann man halt nicht so weit alleine laufen lassen.

Hansen: Das mag schon sein, aber auch als Eltern von kleinen Buben und Mädchen kann man sich verantwortungsbewusst verhalten und so parken, dass man andere Kinder nicht gefährdet. Natürlich sind hier nicht nur die Eltern der Schüler gefragt, sondern generell alle Verkehrsteilnehmer sollten mehr Rücksicht aufeinander nehmen. An der Hans-Thoma-Schule zum Beispiel, wäre es dringend nötig, wenn auch die Schüler der benachbarten Carl-Benz-Berufsschule ein rücksichtsvolles Verhalten an den Tag legen würden, anstatt mit laut aufheulenden Motoren und überhöhter Geschwindigkeit an der Schule vorbeizufahren.

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