http://www.spk-bbg.de
Wenn die Hausärztin ihre Praxis in der Klinik hat
21.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - Ein niedergelassener Arzt in den Räumen eines Krankenhauses? Nicht immer alltäglich, aber im Fall der Hausärztin Dr. Daniela Lerch-Kazakis im Krankenhaus in Forbach für beide Seiten, Ärztin und Klinikum Mittelbaden, eine Kombination mit vielen Vorteilen - und das seit zehn Jahren.

"Nach der Generalsanierung des Krankenhauses Forbach 2005 hatten wir freie Raumkapazitäten", erinnert sich die kaufmännische Leiterin des Klinikums Forbach, Manuela Sambale.

"Es lag also die Überlegung nahe, Einrichtungen zu integrieren, die zum Haus passen: Ärzte, Physiotherapeuten oder ein Sanitätshaus." Eine Art Gesundheitszentrum könnte so entstehen, war die Idee.

Von allen in der Region angesprochenen Ärzten zeigte aber nur Dr. Daniela Lerch-Kazakis Interesse. Sie hatte nach dem Medizinstudium in Heidelberg, der Promotion über kleinzellige Bronchialkarzinome und nach sechsjähriger Facharzt-Ausbildung in Allgemeinmedizin in Forbach 1992 die Hausarzt-Praxis von Dr. Ernst Reuschl übernommen. Die Pläne für die ehemalige Röntgenabteilung wurden schnell konkret und am 1. Januar 2009 wurde die Praxis im Krankenhaus eröffnet. "Wir bereuen diesen Schritt nicht. Mit Dr. Lerch-Kazakis im Haus und den anderen niedergelassenen Ärzten hier in Forbach, Volker Spiegelberg und Hermann Zink, und auch den Hausärztinnen in Weisenbach haben wir ein sehr gutes Verhältnis und arbeiten hervorragend im Team zusammen", betont Manuela Sambale.

Eine Zusammenarbeit, die das Klinikum vor allem für die Kurzzeitpflege nutzt, denn Krankenhaus und Kurzzeitpflege befinden sich zwar im selben Haus, aber rechtlich streng getrennt.

Die Pflegegäste brauchen eine eigene ärztliche Versorgung, die üblicherweise der Hausarzt übernimmt. Bei Bewohnern aus der weiteren Region springen Ärzte in der Umgebung vertretungsweise ein: "Da sind wir sehr froh, dass die Zusammenarbeit mit den örtlichen Ärzten so gut klappt", wird Sambale nicht müde zu betonen.

Dass Lerch-Kazakis eine Zusatzausbildung als Palliativmedizinerin hat, sei "ganz befruchtend". Ein Palliativmediziner ist darauf spezialisiert, Patienten mit sehr starken Schmerzen und Menschen in der letzten Lebensphase zu begleiten und zu helfen.

Auch Lerch-Kazakis genießt die räumliche Nähe zum Krankenhaus. Sie betont aber, dass ihre Räume gemietet sind und die Praxis mit den fünf Mitarbeiterinnen als eigenständiges Unternehmen geführt wird: "Wir sind eine Hausarztpraxis mit den Zusatzbezeichnungen ,Akupunktur, Naturheilverfahren und Palliativmedizin, aber kein medizinisches Versorgungszentrum." Daher können Patienten auch nicht "mal eben" zum Röntgen ein paar Türen weiter über die unsichtbare Grenze ins Krankenhaus geschickt werden, sondern müssen an niedergelassene Fachärzte überwiesen werden.

Daran, dass die Hausärztin Lerch-Kazakis während der Sprechstunde in dringenden Notfällen auch zu ihren Patienten der Kurzzeitpflege gerufen wird, haben sich die Besucher der Sprechstunde längst gewöhnt - schließlich profitieren sie vielleicht selbst irgendwann von den zusätzlichen Qualifikationen der engagierten Ärztin, sei es die Akupunktur oder auch die SAPV (spezialisierte, ambulante palliative Versorgung) für die Dr. Lerch-Kazakis einen "Regionalbereich 24/7" abdeckt.

Sieben Tage in der Woche, 24 Stunden lang, kümmert sie sich in einem sechsköpfigen Ärzteteam mit speziell ausgebildeten Krankenschwestern um schwerstkranke und sterbende Menschen, die ambulant versorgt werden (Palliativ Care Team von Pallium Bühl).

Mit der neuen Praxis richtete sie eine besondere Regelung ein: Die Patienten betreten einzeln die Anmeldung und brauchen so ihre Anliegen, persönlichen Daten und Beschwerden nicht vor den Ohren anderer Praxisbesucher auszubreiten.

Geregelt wird der Zugang über eine Ampel: Das rote Männchen zeigt "besetzt", das grüne "bitte Eintreten" - ungewohnt für manche Wartende.

Zum Thema

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Rastatt
OB muss sich von Wintersdorfern harsche Kritik anhören

22.11.2018
Harsche Kritik aus Wintersdorf
Rastatt (dm) - Rund 40 Wintersdorfer haben beim OB-Bürgergespräch ihrem Ärger Luft gemacht. "Wir haben den Eindruck, der OB handelt nach dem Motto ,Rastatt zuerst′", hieß es. Während in der Kernstadt auf Teufel komm raus gebaut werde, passiere in Wintersdorf nichts (Foto: hr). »-Mehr
Umfrage

Laut einer Studie sollte in Deutschland jedes zweite Krankenhaus geschlossen werden, um nur noch größere Kliniken mit genügend Erfahrungen zu haben. Würden Sie längere Wege akzeptieren, wenn das der Qualität der Versorgung dient?

Ja.
Nein.
Weiß nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz