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Die "Kettenreaktion" vom Lindenplatz
Die 'Kettenreaktion' vom Lindenplatz
26.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - So ein bisschen, also zumindest ein bisschen, können sie es immer noch nicht recht fassen. Aber da sie nun mal Michelbacher sind, sagen sie mit einer Haltung, die man heute wohl "Coolness" nennen würde: "Des moche ma." Die Rede ist vom Ehepaar Achim und Julia Schäfer und von einer Fastnachtsveranstaltung, die sich vom kleinen Dorfereignis zum närrischen Event entwickelt: dem Michelbacher Umzug. In diesem Jahr am Samstag, 9. Februar.

Michelbacher Umzug?

Bad Rotenfels, Hörden, Ottenau - das sind die etablierten Fastnachtsumzüge alleine im Gaggenauer Stadtgebiet und da ist das "übrige" Murgtal noch nicht berücksichtigt - aber Michelbach? Vor Jahrzehnten, ja, da hat es sowas schonmal gegeben, erinnert sich Achim Schäfer. Als Vorsitzender des Michelbacher Fasentvereins kennt er die närrischen Annalen des Fachwerkdorfs. Was sich aber seit 2010 entwickelt hat, das ist ein phönixhafter oder besser ein schägerhafter Aufstieg. Schäger, so heißt der Eichelhäher im Michelbach, und Schäger heißen die Mitglieder des Fastenvereins. 2010 hatten sie eine Tradition wiederbelebt. "Narrenbaumstellen mit Umzug" hieß es , und das Wörtchen "Umzug" wurde ganz klein geschrieben. 14 Grüppchen zogen durchs Dorf.

Und nun, ein Jahrzehnt später, ist es ein "Umzug mit Narrenbaumtaufe" geworden. "Der Wahnsinn", sagt Achim Schäfer, denn fast schon exponentiell scheint das Wachstum, "Kettenreaktion" nennen es die Schäfers: von 14 Gruppen im Jahr 2010 über 29 im Jahr 2018 auf nunmehr rund 50 teilnehmende Gruppen. "Im Moment könnten wir 65 Gruppen laufen lassen, aber wir wollen langsam wachsen. Wir nehmen für dieses Jahr keine Anmeldungen mehr entgegen", sagt Julia Schäfer, die Umzugsmeisterin.

Der Narrenbaum wird am Vortag errichtet, "denn zwischenzeitlich lässt sich ein Narrenbaumstellen angesichts der vielen Teilnehmer am Umzugstag nicht mehr realisieren", verweist Julia Schäfer auf Sicherheitsgründe. Deshalb wird der Narrenbaum bereits einen Tag vorher bei der Wiesentalhalle in die Höhe ragen.

Schon jetzt ist die Veranstaltung eine Riesenherausforderung: Wie viele Zuschauer kommen dieses Mal? Eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Die Umzugsstrecke ist deutlich länger geworden. Was die Organisation anbelangt: Straßensperrungen, Organisation des Sicherheitsdienstes, Bewirtung, das stellt den Verein und seine 350 Mitglieder vor eine besondere Herausforderung. Aber Michelbach wäre nicht Michelbach, wenn man sich nicht helfen würde: Die "Wilderer", die Feuerwehr und der Heimatverein bewirten entlang der Strecke. Und auch an und in der Wiesental- halle wird während des närrischen Treibens niemand Hunger oder Durst haben müssen beim närrischen Programm mit Guggemusik, zum Beispiel von den Feuerschnegge aus Angelbachtal.

Immer friedlich war es in den vergangenen Jahren in Michelbach, so soll es bleiben. "Unser Segen ist wahrscheinlich, dass wir keine S-Bahn-Haltestelle im Ort haben", sagt Achim Schäfer. Junge und nicht mehr ganz junge Chaoten, die schon besoffen aus der Stadtbahn steigen, muss man in Michelbach somit nicht befürchten. "Wir wollen eine friedliche und schöne Fastnacht im Sinne der Fastnachter", betont der Schäger-Vorsitzende. Schließlich soll der Umzug in Michelbach als feste Größe etabliert werden.

Achim Schäfer (38) und seine Ehefrau Julia (33) sind ein Paradebeispiel für eine Entwicklung, die seit mehreren Jahren feststellbar ist: "Fasent" begeistert junge Menschen. Seit neun Jahren zum Beispiel ist Julia im Schäger-Vorstand aktiv. Der Altersdurchschnitt ist seither kontinuierlich nach unten gegangen.

Der Umzug am 9. Februar beginnt um 15.01 am Heimatmuseum. Er führt über den Lindenplatz und die L 613 in die Siedlungsstraße, am Farrenstall vorbei bis zur Wiesentalhalle. Für die närrische Freitagssitzung am 22. Februar gibt es übrigens noch Karten: bei Brigitte Ried, (0 72 25) 743 72.

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