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Herzlicher Empfang für AKK
28.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Rund 400 Besucher, frohe Stimmung, reibungsloser Ablauf und eine Parteivorsitzende, die ihre Parteifreunde überzeugte: Die CDU in der Region Rastatt-Baden-Baden darf sich über einen gelungenen Auftakt in ein Wahlkampfjahr freuen. Annegret Kramp-Karrenbauer erwies sich als ideale Besetzung für den Neujahrsempfang der beiden Kreisverbände in der Jahnhalle.

Stehend applaudierend empfangen die Mitglieder ihre Vorsitzende, während sie durch den Mittelgang zu ihrem Sitzplatz in die erste Reihe schreitet. Ein halbes Dutzend Fotografen hat sich dort schon in Wartestellung gebracht.

"Eine Reise ins Glück" intoniert das Instrumentaltrio mit Gerold Stefan, Walter Bradneck und Simon Jung von der Bühne. Ein Schlager aus dem gleichnamigen Film von 1958. Ein Hauch von Wirtschaftswunder weht in den Saal, ein Lied aus der Zeit, als es für die noch junge Bundesrepublik Deutschland nur den Blick und den Weg nach vorne zu geben schien. "Eine Reise ins Glück wünsche ich mir so sehr" - nun, mehr als sechs Jahrzehnte später, weht ein anderer Wind und die Partei fragt sich: Wird es eine Reise ins Glück mit AKK?

Der Auftakt des Empfangs jedenfalls ist vielversprechend. "Ein besonderer Abend" sei es, heißt Brigitte Schäuble die Gäste willkommen. "Besonders voll" sei dieses Mal die Halle, freut sie sich als Vorsitzende des Kreisverbands Rastatt und als Gastgeberin aus Gaggenau.

"Mit so einem Zugpferd" sei das kein Wunder, begrüßt auch Oberbürgermeister Christof Florus die noch neue Vorsitzende der Bundes-CDU und bittet sie gleich zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

Den Schwung von der Wahl der neuen Vorsitzenden in die Kommunal- und Europawahl mitnehmen, das wünscht sich im Anschluss Brigitte Schäuble und mahnt Bereitschaft zu Kompromiss und Zusammenarbeit an - nicht nur in der CDU, sondern im demokratischen Wettstreit. Mit "O happy Day" und "What a wonderful World" leiten dann die Musiker über zu AKK - welche Steilvorlagen für eine versierte Rednerin, und sie nimmt sie gut gelaunt auf, freut sich über die "wunderschöne Halle", die Jahnhalle, wohlgemerkt, über den OB und über die Anwesenheit des Landrats. Wer so gut aussehe wie Jürgen Bäuerle, könne in der Tat noch nicht in Ruhestand gehen, greift sie augenzwinkernd ein Kompliment auf, das Schäuble eingangs gemacht hat.

"Nationales Interesse in einem starken Europa"

Dann legt AKK los, spannt den Bogen über Weltpolitik hinein in die Republik, mit moderater Rhetorik, aber durchaus spöttisch: Kein anderes Land auf der Welt scheine es zu geben, in dem das neue Jahr nicht mit Freude über ein Silvesterfeuerwerk, sondern mit Feinstaub-Diskussion begonnen werde. Gleichwohl sei Umweltschutz wichtig, aber ausgesöhnt mit einer funktionierenden Wirtschaft. Schließlich müsse man Geld, das man ausgebe, erst verdienen. Es sind Sätze wie diese, die die Herzen der Mitglieder erwärmen, genauso wie die Spitze gegen den Koalitionspartner im Land, man müsse der von den Grünen geforderten "Deindustrialisierung Deutschlands" entgegenwirken. Schließlich sei die Zukunft des Individualverkehrs und damit der Automobilindustrie eines der Kernthemen. Wo, wenn nicht in Gaggenau, sollte man diese Aussage mit Applaus quittieren?

Themen wie Flüchtlingskrise, Migration oder innere Sicherheit lässt die Bundesvorsitzende an diesem Abend aus. "Wieder mit gesundem Menschenverstand" alle anstehenden Herausforderungen angehen, das sei eine der Aufgaben der CDU. Denn die Debatten in Deutschland würden immer unversöhnlicher geführt.

Als einen wichtigen Gegner hat sie die Deutsche Umwelthilfe ausgemacht. Deren Art der Bevormundung, die auch von Teilen der Grünen gestützt werde, das sei "Jakobinismus": Damit verweist sie auf die schlimme Entwicklung, die die Französische Revolution des 18. Jahrhunderts genommen hatte: Aus einer Befreiungsbewegung wurde schlimme Diktatur und Willkürherrschaft.

Wettbewerbsfähigkeit, notwendige Abschaffung des Solidaritätsbeitrags, wovon der Koalitionspartner überzeugt werden müsse, es sind wirtschaftliche Themen, die den Schwerpunkt bilden, ehe Kramp-Karrenbauer den Blick auf die anstehenden Wahlen richtet. Es gebe zunehmend Kräfte, die Europa zerstören wollen, sagt sie mit Blick auch auf die AfD. "Wir wollen ein Europa, das Schengen vollendet", hält sie dem entgegen. Ein großes Glück sei es, dass es innerhalb Europas offene Grenzen gebe. Aber dafür müssten die Außengrenzen verlässlich geschützt werden. Auch deshalb müsse Europa militärisch Verantwortung übernehmen. Deutschland allein sei zu schwach, um seine Grundwerte verteidigen zu können. AKKs Folgerung: "Nationales Interesse verwirklicht sich für uns auch immer in einem starken Europa."

Es gebe keine große und kleine Politik, sondern nur gute und schlechte, schlägt sie den Bogen zu den Kommunalwahlen. "Kommunalpolitik ist mit das härteste Geschäft", dankt sie den ehrenamtlichen Politikern, die sich nominieren lassen, um ein Mandat auch auszuüben. Denn das Leben vor Ort sei entscheidend, ob Menschen zu ihrem Staat und zu seinen Repräsentanten Vertrauen haben. Kommunalwahlen seien keine kleinen Wahlen, sondern "die kleinsten Maschen", die das Gemeinwesen und damit politisches System zusammenhalten. Stehend wiederum der Applaus der Gäste, ehe sie sich mit regionalen Backwaren und Weinen für den nun beginnenden Wahlkampf stärken dürfen.

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