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"Im Murgtal alles im roten Bereich"
'Im Murgtal alles im roten Bereich'
29.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Loffenau/Gernsbach - Der Sekundenzeiger tickt unbarmherzig: Zehn Sekunden, 20 Sekunden, ... eine Minute. Der Notarztwagenfahrer trommelt mit den Fingern nervös auf sein Lenkrad ein. Sein Martinshorn heult vergeblich auf. Sein Blinklicht kann das Hindernis vor ihm auch nicht verscheuchen. Nach einer Minute und 35 Sekunden hebt sich die Bahnschranke, der Ausgebremste kann endlich die Loffenauer Straße den Berg hinauf rasen. Wertvolle Zeit ist in Gernsbach verronnen.

Das Thema Notfallversorgung treibt Reiner Singer seit Weihnachten um. Glücklicherweise nicht, weil die Familie des Loffenauer Gemeinderats akut betroffen war. Den Fraktionssprecher der Freien Wähler beschäftigte es, "seit ich an einem Bahnübergang bei Huzenbach stand und die Schranken sich unerwartet rasch wieder hoben". Zum kurzen Halt hinter Forbach gesellte sich überdies ein Bericht des SWR, der zum Schluss kam: Hunderte von Gemeinden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind nicht ausreichend mit Rettungsdiensten versorgt.

Nachdem Singer dies in der Gemeinderats-Sitzung vor einer Woche anschnitt, alarmierte ihn nun eine weitere Einordnung, auch wenn sich die Notfallversorgung für Loffenau etwas verbesserte im Vergleich zu 2017: Die Situation wird nur noch mit Rot statt Dunkelrot bewertet. Das bedeutet, dass die "Verfügbarkeit von unter 80 Prozent" auf "unter 90 Prozent" stieg - theoretisch trifft aber weiterhin bei bis zu jedem fünften Verletzten die Hilfe spät ein. In Gernsbach und Weisenbach blieb der Wert im roten Bereich. In Forbach hingegen hat sich dieser von rot auf dunkelrot verschlechtert. " Im Murgtal ist also insgesamt keine Verbesserung der Notfallversorgung zu verzeichnen: alles im roten Bereich", stellt Singer konsterniert fest.

Im Vorjahr hatte der Gernsbacher Notarzt Dr. Marcel Plonz die Schließzeiten der Bahnschranke an der Loffenauer Straße als einen möglichen Verbesserungspunkt beschrieben. Daher platzierte sich Singer in der Nähe der Haltestelle Gernsbach Mitte, von wo aus er die Schranken am Kurpark, Loffenauer Straße, Scheffel- und Hebelstraße im Blick hatte. Bei den zwei Eilzügen und den zwei S-Bahnen in der Zeit von 12.44 bis 13.15 Uhr "schlossen und öffneten sich die vier beobachteten Schranken gleichzeitig. Bei den S-Bahnen blieben die Schranken in Fahrtrichtung geschlossen, bis nach dem Halt in Gernsbach Mitte auch diese Schranken durchfahren wurden" - es gab in der Zeit also kein Durchkommen für Rettungskräfte.

"Hier könnte mögliches Verbesserungspotenzial für die Notfallversorgung in Loffenau und Gernsbach liegen", hofft Singer auf eine günstigere Taktung, "wenn die Haltestelle Gernsbach Mitte für die S-Bahnen als Pflichthaltestelle definiert wird, könnte die Schrankensteuerung so erfolgen, dass die Schranken in Fahrtrichtung nach der Haltestelle Gernsbach Mitte erst schließen, wenn die S-Bahn nach der Einfahrt in Gernsbach Mitte zum Stehen kommt. Dadurch würden sich die Schließzeiten deutlich verringern und der Notfallversorgung zu Gute kommen."

Bei den Karlsruher Verkehrsbetrieben (KVV) ist das Problem bekannt - kürzere Schließzeiten sind indes kaum mehr möglich. "Wir orientieren uns an gesetzlichen Vorgaben. Die lassen uns weitestgehend keinen Spielraum", betonte Pressesprecher Nicolas Lutterbach gestern, zumal der KVV schon in der Vergangenheit die Schranken-Schließzeiten "optimiert hat im Sinne der Autofahrer - obwohl dies zu längeren Reisezeiten der Bahn führte. Das Thema ist ausgereizt".

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