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Naturschutzverbände sehen Vorhaben kritisch
Naturschutzverbände sehen Vorhaben kritisch
30.01.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj) - Es gibt vielfältige Möglichkeiten für ehrenamtliche und hauptamtliche Naturschützer, sich an Verfahren der öffentlichen Verwaltung zu beteiligen, die Auswirkungen auf die Umwelt haben. Im Rahmen der allgemeinen Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplanverfahren "Im Wörtgarten" (Pfleiderer-Areal) haben jetzt der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (Arbeitskreis Rastatt/Baden-Baden) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU-Kreisverband Rastatt) Stellungnahmen abgegeben.

Beide sehen die aktuellen Planungen der Stadt Gernsbach kritisch, auch wenn sie die Neunutzung einer Industriebrache grundsätzlich begrüßen. "Aus Sicht der Verbände ist die Sanierung der Altlasten unabdingbare Voraussetzung für die Neunutzung der Industriebrache", heißt es in der von Martin Klatt unterzeichneten Stellungnahme an das städtische Bauamt. Das derzeitige Nutzungskonzept sieht die Beseitigung wesentlicher Teile des belasteten Bodens sowie eine umfassende Reaktivierung des brachliegenden Areals vor.

Der Sprecher des hiesigen Landesnaturschutzverbands bezeichnet folgende Auskünfte für die abschließende Beurteilung des Vorhabens als unabdingbar: "Was bedeutet wesentliche Teile? Wie wird sichergestellt, dass künftig keine Austritte toxischer Substanzen in das Grundwasser und in Folge in die angrenzenden Oberflächengewässer erfolgen?" Klatt verweist auf die EU-Wasserrahmenrichtlinie und das Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet "Unteres Murgtal und Seitentäler". Für beides sei sicherzustellen, dass von den Altlasten keine Gefährdung oder Beeinträchtigung dieser Ziele ausgehen wird.

Ökologische



Baubegleitung

Auch was die artenschutzrechtlichen Herausforderungen anbelangt, sehen die Verbände im aktuellen Planvorhaben auf dem Pfleiderer-Areal Verbesserungsbedarf - insbesondere was den Schutz gefährdeter Fledermausarten und Mauereidechsen anbelangt:

Die Integration von Fledermausquartieren in die neuen Gebäude sollte in deutlich größerem Umfang als vom Gutachten vorgeschlagen realisiert werden. Statt der als Sommerquartier genannten Anbringung von drei Fledermausquartieren sollten vielmehr auf der gesamten Front der neuen Gebäude Quartierräume in das Mauerwerk integriert werden.

Zur Überbrückung des Quartiermangels bis zur Verfügbarkeit der neuen Gebäude- quartiere schlägt das Gutachten das Anbringen von sechs Quartierkästen unterschiedlicher Bauart vor. Angesichts des nicht klar zu definierenden Ausmaßes der "Übersehenswahrscheinlichkeit" von Quartieren im Gebäudebestand wird eine Verzehnfachung der Ersatzquartierzahl gefordert.

Die im artenschutzrechtlichen Beitrag für die Vermeidung des Tötungsverbots beziehungsweise für die Sicherung des Mauereidechsenbestands vorgeschlagenen Maß-nahmen seien nachvollziehbar. Unter dem Vorbehalt einer detaillierten Planung wird seitens der Verbände aber eine Umsiedlung der Tiere in ein neu zu schaffendes Habitat als der erfolgsträchtigere Weg gesehen, da eine Vergrämung das Angebot eines geeigneten Habitats in unmittelbarer Eingriffsnähe bedingt. Für die Fläche des Bebauungsplans scheint ein solches Angebot nicht realisierbar.

Im künftigen Baugebiet wird schon aufgrund der Einkaufsmärkte und dem damit gekoppelten erheblichen Publikumsverkehr eine umfangreiche Beleuchtung zu installieren sein. Das wird Auswirkungen auf die Tierwelt haben, etwa für nachtaktive Insekten und Fledermäuse. Um diese zu minimieren, sollten die Beleuchtungskörper das Licht vornehmlich nach unten, nicht in den sonstigen Luftraum tragen. Zudem sollte das Anstrahlen der Fassaden vermieden werden. Schließlich sollten Lichtquellen gewählt werden, deren Störwirkung auf die Tiere möglichst gering ist.

Zur Vermeidung artenschutzrechtlicher Verbotstatbestände wird eine ökologische Baubegleitung während der gesamten Bauphase gefordert.

Die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Vermeidungs-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen muss nachgewiesen werden, um sicherzustellen, dass durch das Vorhaben keine andauernde Beeinträchtigung der Schutzgüter Boden, Wasser, Tiere und Pflanzen gegeben ist. Es wird um Darlegung des geplanten Monitoring-Programms zur Überwachung der dauerhaften Sicherung der Schutzgüter gebeten.

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