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Kalte Asche vernichtet noch mehr "Asche"
Kalte Asche vernichtet noch mehr 'Asche'
07.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Erst die Beerdigung der Mutter. Drei Tage später verbrennt ihr Sohn alte Unterlagen aus Papier im Ofen, "um freien Kopf zu bekommen" - und fackelt sechs Stunden später mit der erkalteten Asche das eigene Haus der Familie ab. "Musste das auch noch sein?", fragte sich nicht nur der gebeutelte Brandstifter am Dienstag im Amtsgericht Gernsbach.

Selbst Amtsrichter Ekkhart Koch zeigte besonderes Mitgefühl mit dem Angeklagten: "Es tut mir leid. Ich muss Sie trotzdem verurteilen." Weil der durch und durch geständige 50-Jährige aber bei dem Wohnhausbrand am 12. Juli 2018 in der Nordendstraße selbst erhebliche Schäden im sechsstelligen Bereich erlitt und eine unglückliche Verkettung von Umständen zu dem Brand führte, mochte Koch nicht mehr als "leichte Fahrlässigkeit" erkennen, für die man allerdings "auch verantwortlich ist".

Der gewitzte Verteidiger, der aus Aachen angereiste Erich Heck, plädierte auf Freispruch. Die Staatsanwältin sah ebenfalls nur einen "geringen Fahrlässigkeitsvorwurf der Brandstiftung" und forderte lediglich eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 70 Euro. Selbst die 3 500 Euro schienen dem Richter zu viel. Er halbierte diese nahezu auf 1 800 Euro (30 Tagessätze zu je 60 Euro, zahlbar in sechs Raten).

Der für einen Zigarettenkonzern arbeitende Kaufmann berichtete, wie er an dem vermaledeiten Donnerstag gegen 10 Uhr einen Stapel Papiere seiner zwei Wochen zuvor verstorbenen Mutter nach und nach in einem Beistellherd verbrannte, um die Vergangenheitsbewältigung voranzutreiben. Danach arbeitete der Gernsbacher weiter im Haus und putzte. "Gegen 16.30 Uhr schaute ich wieder den Ofen an, nahm die Schublade mit der Asche heraus und konnte sie in Händen halten. Für mich war das ein Zeichen, dass die Asche erkaltet ist", ließ der Geständige den Tag Revue passieren. Hernach entsorgte er die Asche auf dem Komposthaufen im Garten, auf dem noch frisch gemähter, feuchter Rasen von ein, zwei Tagen davor gelegen habe. Die Asche bedeckte der 50-Jährige wenig später zudem mit Kartoffelschalen. "Ich ging danach zurück und säuberte den Ofen."

Eine halbe Stunde später machte er wie seine 88-jährige Nachbarin Brandgeruch aus. Beide mutmaßten jedoch erst einen Grill als Ursache, aber kein züngelndes Feuer auf dem Komposthaufen. Bis die Bewohner schalteten, hatten andere Nachbarn schon die Feuerwehr alarmiert. Sie eilte zwar den Erzählungen zufolge binnen fünf Minuten herbei - aber das Flammenmeer hatte bereits den Dachstuhl erobert. Der Schaden überschreitet wohl deutlich die Grenze von einer halben Million Euro. Allein die Eigentümerin der anderen Haushälfte, die Nichte der 88-Jährigen, reklamiert Zerstörungen von 350 000 Euro und will ihren verwüsteten Teil neu bauen lassen. Nicht viel besser sieht es beim Angeklagten aus, der seine Renovierung unterbrach und vorerst in einer Ferienwohnung lebt. Die betroffene 88-Jährige wohnt jetzt zur Miete und muss monatlich 525 Euro berappen, berichtete die betagte Dame, die jedoch ihrem Nachbarn vor Gericht keinerlei Vorwürfe machte.

Bekam der Handelsreisende wenigstens seinen fast brandneuen Audi für 80 000 Euro von der Versicherung ersetzt, raubte ihm Richter Koch jegliche Hoffnung, dass es bei der Brandschutzversicherung ähnlich glimpflich ausgehe. Neben dem Regress von Versicherung und Nachbarin droht dem nicht ganz 2 000 Euro netto verdienenden Mann eine zu niedrige eigene Kompensation: "Die Brandschutzversicherung rechnet den Gebäudewert runter auf den Zeitwert", bedauerte der Richter den 50-Jährigen, dessen Fauxpas auch durch die "emotionale Belastung" nach dem Tod seiner Mutter zu erklären sei.

Der wortgewandte Verteidiger Heck behielt sich offen, ob er Widerspruch gegen das milde Urteil einlegt. Seinen Zweifeln, dass das Feuer an dem Sommertag anderweitig entstand und nicht durch die kalte Asche, die keinen feuchten Rasen entzünden könne, widersprach der Brandschutzexperte der Polizei. Ebenso wie eine Gutachterin befand er, dass der Brandkegel mitten im Komposthaufen eindeutig sei. "Andere Ursachen als die Asche sind graue Theorie", unterstrich Koch und betonte angesichts des starken Windes an dem Tag, der Glut neu entfachen könne, "hier muss man nur zwei und zwei zusammenzählen".

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