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"Schwebende"
07.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Weisenbach - Es ist kalt am Mittwochvormittag auf dem Kirchenvorplatz und beim Spritzenhaus. Und doch haben sich rund 50 Weisenbacher dort versammelt, um bei einem besonderen Anlass dabei zu sein: Die Glocken werden vom Turm von Sankt Wendelin geholt. Einer war auch dabei, als sie vor 70 Jahren hinaufgezogen wurden: Otmar Großmann.

"Es ist schon ein besonderes Gefühl", erinnert sich der 80-Jährige. Als zehnjähriger Bub war er 1949 bei der Glockenweihe und stand auf der großen "Christusglocke" - was er gestern wiederholte. Allerdings nicht in kurzen Hosen, denn die Weihe fand am 10. Juli statt, im Hochsommer. Damals wurden vier Glocken per Handwinde auf dem Glockenturm gehievt, erinnert er sich. Und mit einem großen Seil, versehen mit einem "Zimmermannsschlupf", sicherten Helfer die Glocken seitlich ab, damit die nicht an dem Kirchturm stießen, blickt er zurück. Gestern funktionierte das alles weitaus unbeschwerlicher - der Autokran hatte keinerlei Last mit der Last.

Vier Glocken wurden 1942 während des Zweiten Weltkriegs abgenommen und eingeschmolzen. Die kleinste, die Schutzengelglocke mit 375 Kilogramm Gewicht und 83 Zentimetern Durchmesser, war im Glockenturm verblieben. Sie entstand bereits 1922 und war jetzt die erste, die aus rund 40 Metern Höhe vom Kirchturm am Kranhaken in Richtung Vorplatz "schwebte", gefolgt von den vier weiteren. Diese waren zunächst aus dem Glockenturm auf das Gerüst geschoben worden.

Das Weisenbacher Geläut besteht aus fünf Bronzeglocken. Die vier Glocken aus der Gießerei Kuntz aus Stuttgart sind von besonderer gusstechnischer und musikalischer Qualität, heißt es im Bericht des erzbischöflichen Glockensachverständigen Johannes Wittekind. Es gilt als eines der wohlklingendsten im Erzbistum Freiburg. Die fünfte und kleinste, die Schutzengel-Glocke, wurde 1942 nicht eingeschmolzen und blieb der Gemeinde erhalten, - als "Signalgeber" oder "Alarmzeichen".

Alle fünf Glocken werden zwischengelagert und Aufhängungen und Klöppel überprüft, bevor sie wieder in die Glockenstube gehievt werden. "Wenn alles gut läuft, dann soll das in der Woche vor Fastnacht passieren", erzählt Adi Marxer vom Kirchenbauverein.

In der Zwischenzeit wird der Stahlglockenstuhl vollständig demontiert, Ausbesserungsarbeiten im Mauerwerk stehen an und Elektroinstallationsarbeiten sowie der Einbau des neuen Holz-Glockenstuhls.

Dreigeschossiger



Holz-Glockenstuhl

Da der Stahlglockenstuhl der Pfarrkirche St. Wendelin zu viele Schwingungen auf das Mauerwerk überträgt, was zu statischen Problemen führen kann, muss er durch einen Eichenholzglockenstuhl ersetzt werden. Der Aufbau des neuen Glockenstuhls wird von zwei- auf dreigeschossig geändert.

Rund 200 000 Euro waren im Haushalt 2017 der Seelsorgeeinheit Forbach-Weisenbach kalkuliert. Wegen neuer technischer Vorgaben muss im Verbund mit dem Eichenholz ein besonderer Stahl verwendet werden, die aktuellste Kostenschätzung liegt mittlerweile bei 240 000 Euro.

Ein Drittel der Summe kommt als Zuschuss und ein weiteres Drittel als Kredit vom Erzbistum, ein Drittel steuert die Kirchengemeinde bei. Darin eingeschlossen sind die Spenden des Fördervereins.

"Die Aktion hat perfekt geklappt", resümiert Adi Marxer vom Kirchenbauverein. Dieser hatte gestern für die Zuschauer eine Verköstigung organisiert, "alle Würste sind verkauft", freut sich Marxer, denn: Der Erlös kommt ebenfalls der Sanierung zugute.

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