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Gerne noch mal - wenn es passt
Gerne noch mal - wenn es passt
09.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gaggenau - "Ich hoffe nicht, dass die Stammzellen von seinem Körper abgestoßen werden. Die Hoffnung ist groß, dass es klappt." Anna-Luisa Grimm aus Gaggenau ist zuversichtlich, dass sie einem Menschen helfen und somit das Leben retten kann. Noch ist sie etwas schwach nach ihrer Stammzellenspende.

Rückblende: Vor vier Jahren hat sich die 23-Jährige in Kuppenheim typisieren lassen über die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Vor knapp drei Monaten erhielt sie die Information, dass sie in die engere Auswahl kommt für einen Patienten, um Stammzellen zu spenden - und dessen Blutkrebs zu besiegen. Die Voruntersuchung ergab, dass sie von allen getesteten Spendern, die für diese eine Person in Frage gekommen sind, den bestmöglichen Genpool hat. "Die Identität hat übereingestimmt."

Wie läuft so eine Spende ab? Fünf Tage vor der eigentlichen Stammzellenspende musste Anna-Luisa Grimm anfangen, sich in die Bauchdecke zu spritzen - einen "Botenstoff", der die Stammzellenzahl erhöht. Zweimal täglich, alle zwölf Stunden. "Ich war in dieser Zeit arbeitsunfähig", berichtet die Gaggenauerin. Die Nebenwirkungen waren mit Schmerzen für sie verbunden. "Ich hatte starke Rückenschmerzen. Die Stammzellen werden ja im Knochenmark gebildet. Ich habe es schon ganz schön gemerkt." Kopf- und Gliederschmerzen waren auch Nebenwirkungen, ebenso Trägheit und Schlappgefühl.

Nächster Schritt: "Ich wurde dialyseartig an eine Maschine angeschlossen." Von vornerein waren zwei Tage für die Spende geplant. Man weiß nicht, wie viele Stammzellen man aus einer Person "abzapfen" kann. Am ersten Tag waren es fünf Stunden, am zweiten noch mal drei Stunden, in denen sie an der Maschine gehangen ist. Das Prozedere: Am linken Arm fließt das Blut raus, wird gefiltert, und die Stammzellen werden separiert. Das Blut wird über den rechten Arm wieder dem Körper zugeführt. "In der Summe waren es 18 Liter Blut, die gefiltert wurden", berichtet Grimm. Durchschnittlich hat eine Frau 4,5 bis fünf Liter Blut im Körper.

Wer ist der Empfänger der Stammzellen? Die Spendenaktionen sind anonymisiert. Anna-Luisa Grimm ha t nur erfahren, dass der Empfänger ein Mann aus Großbritannien ist, über 30 Jahre alt. In den ersten zwei Jahren nach der Spende dürfen Spender und Empfänger keinen persönlichen Kontakt aufnehmen. Danach nur, falls es beide Seiten wünschen. Es besteht aber in den ersten zwei Jahren die Möglichkeit, über die DKMS Briefe zu schreiben - es muss alles anonym bleiben. "Ich fand mich bei der DKMS super betreut", unterstreicht die 23-Jährige. Der Arbeitsausfall beim Arbeitgeber wurde ebenso übernommen wie alle anfallenden Kosten.

Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus? "Ich war schon fitter. Habe Schmerzen, meine Arme tun weh - aber es ist auszuhalten", schildert sie die Folgen der Stammzellenspende. Die Nebenwirkungen "sind schon da". Sie würden mit der Zeit weniger. Über Risiken und Nebenwirkungen sei sie im Vorfeld aufgeklärt worden vom Krankenhaus und von der DKMS. "Ich habe es mir schlimmer vorgestellt, als es letztendlich war", berichtet sie rückblickend. "Ich habe halt Angst vor Spritzen", gibt die 23-Jährige zu. "Es war schon eine Herausforderung, mir die erste Spritze selber zu setzen", schildert Grimm ihr "erstes Mal". Sie habe etwa zehn Minuten die Spritze angeschaut und überlegt, wie sie sich das Teil in den Bauch piksen soll. Danach war die erste Hemmschwelle überwunden.

Wie geht es weiter? Anna-Luisa Grimm steht jetzt zwei Jahre für den einen Patienten zur Verfügung, ist quasi für ihn reserviert. Falls er noch mal Bedarf hat, stehe sie wieder zur Spende bereit. Vorstellbar ist für sie, später einem weiteren Patienten Stammzellen zu spenden - "wenn es passt. Da gibt es nichts zu überlegen".

Was wünscht sich Anna-Luisa Grimm für die Zukunft? Sie hofft, dass sich weitere Menschen bei der DKMS melden und registrieren lassen - "um Menschenleben retten zu können". Und fügt hinzu: "Es tut nicht weh, sich typisieren zu lassen." Es habe für sie übrigens keine Rolle gespielt, wer der potenzielle Empfänger der Stammzellenspende ist. Ob er 60 Jahre ist oder noch ein Kind, "das Leben retten und verlängern für die Person" ist ihr wichtig.

www.dkms.de

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