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"Trallala, so ist das Leben"
'Trallala, so ist das Leben'
11.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Gleich dreimal Premiere hat das Theater in der alten Turnh alle Hilpertsau am Samstag gefeiert: Zum einen traten die Schauspielerin Eva-Maria Orthaus und Marek Wysocki am Klavier erstmals gemeinsam auf, zweitens war es eine Premiere für das Musical "Heute Abend: Lola Blau". Und ganz zum Schluss, aber für Theateraufführungen nicht unbedeutend: eine Nebelmaschine, wie Thomas Höhne augenzwinkernd verriet.

Der Schauspieler, Sprecher, Dozent und Regisseur installierte 2016 das kleine Theater in Hilpertsau und bereichert seither mit diversen Inszenierungen die Kulturszene im Murgtal auf erfreuliche Weise. Am Samstag hob sich der Vorhang für das Erfolgsmusical von Georg Kreisler "Heute Abend: Lola Blau". Der legendäre österreichische Kabarettist und Liedermacher Kreisler knüpft mit seinem Stück an die großen Berliner und Münchner Kabarett- und Kleinkunsttraditionen der Weimarer Republik sowie die Wiener Szene an. Genau wie er musste seine jüdische Theaterfigur Lola Wien verlassen und in die USA emigrieren.

Doch von vorn: Die junge Schauspielerin Lola Blau, voller Tatendrang und musischer Begabung, erhofft sich in ihrer Heimatstadt vergeblich Engagements. Ihr Pech besteht nur darin, dass sie Jüdin ist und die 30er Jahre alles andere als menschenfreundlich sind. So kommt es, dass während der Aufführung des Musicals die Zuschauer die Geschichte einer Ohnmacht erlebten. Lola, die eigentlich "nichts als ein bisschen tanzen und singen und ihrem Publikum Freude machen" möchte, ist ohnmächtig gegenüber dem Antisemitismus der 30er Jahre, der sich ihr in den Weg stellt. Sie muss aus ebendiesem Grund Österreich verlassen, ist ohnmächtig, als auch die Schweiz sie aus ebendiesem Grund zum schnellsten Verlassen zwingt.

Lola muss einsehen, dass es nichts nützt, nur einen kleinen bescheidenen Platz an der Sonne erhaschen zu wollen. In den USA findet sie den erhofften Ruhm. Doch die Sehnsucht nach Österreich und ihrer Jugendliebe Leo bleibt stärker. Nach Kriegsende angefragt, ob sie wieder nach Europa zurückkehren wolle, folgte ihrem "Nein, niemals" ihr Vorsatz "Gras drüber, vergeben, vergessen". Und zum Schluss ist sie wieder ohnmächtig gegen die österreichischen Ewig-Gestrigen.

"Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt"

Mit "Trallala, so ist das Leben", wunderbar einfühlsam gesanglich interpretiert, ihren vielseitigen Kostümierungen, Liedern und Chansons, skizzierte Eva-Maria Orthaus den Zeitgeschmack und verdeutlicht auch die Örtlichkeiten ihrer Engagements. Angefangen mit Joseph Schmidts "Heut ist der schönste Tag in meinem Leben", Marlene Dietrichs "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", folgen Ella Fitzgeralds "Bei mir bist du scheen", auch ein französischer Titel, und anknüpfend an Hildegard Knef: "Ich hab die Liebe in meinem Koffer, und der steht in Berlin". Dabei singt und spielt sich Orthaus in die Seele der Chanson-Sängerin "Lola Blau" und in die der Zuschauer. Dazwischen gibt's für die Schauspielerin ein wenig Text, um ihre Biografie und Gefühlslagen durch vorgelesene Briefe auszuleuchten.

Theaterchef Höhne inszenierte das Musical abwechslungsreich und mit vielen Ideen: Ob das sparsame Bühnenbild, der als Umkleide dienende Paravent mit Weltkarte, die wechselnde Kostümierung, besagter Bühnennebel und Lichteffekte, mehr war nicht vonnöten. Mit Wysockis Musikalität und Orthaus' schauspielerischem Einsatz war eine sehr gute Wahl getroffen. Beiden gelang es, das Publikum in alle Stimmungslagen mit hineinzunehmen. Hinein in die ganze Traurigkeit, Wehmut, Kokettheit, Zerbrechlichkeit, Dreistigkeit und Lebenslust der jungen Frau. Wysocki rundete die Aufführung zum gelungenen Ganzen ab, indem er am Klavier für die federleichte bis melancholische Stimmung sorgte. Kein Wunder, dass der Beifall nach jedem musikalischen Vortrag weit über Achtungsapplaus hinausging.

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