http://www.spk-bbg.de
Nur positive Erinnerungen statt "Schmach von Cordoba"
14.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gaggenau/Cordoba - Deutsche Fußball-Fans haben nur horrarartige Erinnerungen an Cordoba - das Aus des Traums von der WM-Titelverteidigung 1978 ist mehr als vier Jahrzehnte noch immer im kollektiven Fußballgedächtnis verankert als die "Schmach von Cordoba". Der Österreicher Hans Krankl kickte damals die DFB-Elf mit dem 3:2 aus dem Turnier. Die Gnade der späten Geburt: Lisa-Maria Streeb ist erst 18 und verbindet nur Positives mit der zweitgrößten argentinischen Stadt.

Die Gaggenauerin weilte die letzten drei Monate des vergangenen Jahres in Südamerika. Von ihrem Freiwilligendienst schwärmt sie auch noch Wochen später: "Die Natur ist beeindruckend. Die Argentinier sind alle aufgeschlossen und herzlich. Als blauäugige Blondine wurde ich selbst beim Bäcker oder auf der Straße von einer Frau angesprochen", berichtet Streeb vom Interesse der "Gauchos" an allem Deutschen, sind doch "los alemanes" nicht nur wegen des Fußballs omnipräsent, sondern vor allem wegen vieler Auswanderer in Cordoba. "Auch in Buenos Aires gibt es viele mit deutschen Wurzeln, die einen Opa oder eine Tante in Deutschland haben."

Die 18-Jährige wollte vor dem Studium in Freiburg oder Heidelberg ihr Spanisch weiter verbessern. Weil ihre Lehrerin am Goethe-Gymnasium stets beim Thema Lateinamerika ins Schwelgen geriet, entschied sich Streeb dafür, dort ein Engagement über die Firma Praktikawelten zu suchen. Diese vermittelte sie in die 1,3 Millionen Einwohner zählende Metropole im Herzen Argentiniens. "Cordoba ist eine coole Studentenstadt", befindet die Murgtälerin. Nach einem zweiwöchigen Sprachkurs, der sie mit der "speziellen Aussprache und den leichten grammatikalischen Unterschieden sowie Sprichwörtern" vertraut machte, nahm Streeb ihre Arbeit am Instituto Nuevo Milenio auf. An der privaten Grundschule, die in Argentinien vom ersten bis zum sechsten Schuljahr geht, waren alle Klassen neugierig auf die Deutsche.

Die Unterschiede machte sie auch abseits des verschobenen Unterrichts von 13.30 bis 18.30 Uhr schnell aus. "Tragen einer Schuluniform ist Pflicht. Morgens und abends werden die Fahne gehisst und eine Hymne gesungen. Jeder war stolz und klatschte. Das Abschlussfest am Schuljahresende war ein voller Erfolg", sagt Streeb und ergänzt, "das alles hat mir imponiert und sorgte für Zusammengehörigkeitsgefühl. Das hätte ich mir in Deutschland auch gewünscht." Die Lehrer seien alle "super nett" gewesen. Vor allem "wurde jeden Tag etwas für die Schüler geboten von Theater bis Feste mit traditioneller Kleidung", schwärmt sie von der engagierten Privatschule in der Provinz Cordoba. Die 18-Jährige betreute mit einer Lehrerin eine zweite Klasse, kam vor allem in Englisch zum Einsatz und "konnte sogar im Mathe-Unterricht helfen - das hätte ich gar nicht gedacht!", blickt die Goethe-Abiturientin augenzwinkernd auf ihre eigene Schulzeit zurück.

Wie am Instituto Nuevo Milenio verschob sich der Rhythmus nach hinten. "Bei den Argentiniern wird das Nachtleben großgeschrieben. Sie feiern bis nachts um 2 oder 3 Uhr", passte sich die 18-Jährige den Gepflogenheiten in der "jungen" Studentenstadt an. Sie lebte das Vierteljahr, das inklusive Flug rund 3 000 Euro kostete, in einer Studentenresidenz mit Deutschen und Argentiniern. Für Ausflüge blieb immer mal Zeit, etwa ins 650 Kilometer entfernte Buenos Aires oder an die argentinische Nordgrenze: "Die Wasserfälle von Iguazu sind atemberaubend", zeigt sich Streeb davon ebenso begeistert wie vom "Berg der sieben Farben" und der Salzwüste in der Region Salta/Jujuy als "Highlight zum Abschluss des Vierteljahres".

Für Streeb steht daher fest: "Ich will auf jeden Fall noch einmal zurück. Mit meinem Spanisch-Studium kann ich an allen deutschen Gymnasien weltweit unterrichten."

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Bühl
54 000 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt

14.02.2019
54 000 Kilometer auf dem Fahrrad
Bühl (ub) - Klaus Zimmermann ist der am weitest gereiste Pädagoge der Bachschloss-Schule, und dies mit dem Rad, mit dem er geradezu verwachsen scheint. Seit 2017 ist er nun im Ruhestand und legte nun nun 65 000 Kilometer auf Extremstrecken in Lateinamerika zurück (Foto: Barth). »-Mehr
Bühl
Ernsthafte Vertragsgespräche gibt es nicht

29.01.2019
Sorgen um die Zukunft
Bühl (red) - Wohin geht die Reise des Volleyball Bundesligisten Bühl? Und vor allem: unter welchem Trainer? Schon lange vor Saisonbeginn kreisten in Bühl die ersten Gerüchte, dass es Ruben Wolochins letzte Saison bei den Bisons sei - jetzt verdichten sich diese Vermutungen (Foto: toto). »-Mehr
Bühlertal
Deutschland gibt ein Gefühl von Freiheit

25.01.2019
Schneepremiere für Mexikanerin
Bühlertal (marv) - Ariadna Valdés Saucedo lebt als "Tochter auf Zeit" bei Familie König in Bühlertal. Die mexikanische Austauschschülerin hat bei ihrem Aufenthalt zum ersten Mal Schnee gesehen. Die 16-Jährige geht in die Kursstufe eins des Bühler Windeck-Gymnasiums (Foto: Lauser). »-Mehr
Baden-Baden
Kleine Lehrstunde in Populismus

11.01.2019
Schwungvolle "Evita"
Baden-Baden (red) - So frisch wie eh und je: Das "Eviat"-Musical läuft noch bis 13. Januar im Festspielhaus Baden-Baden temporeich und schwungvoll gesungen, getanzt und gespielt. Collageartige Ausschnitte aus dem Leben und Sterben Eva Perons werden gezeigt (Foto: Viering). »-Mehr
Berlin
Die Ruhe vor dem Sturm

08.01.2019
Ein Tag Ruhe vor dem Sturm
Berlin (dpa) - Ein Tag Erholung stand für die deutschen Handball-Nationalspieler noch auf dem Plan. Von heute an geht der Blick endgültig Richtung WM-Eröffnungsspiel. Dass die DHB-Auswahl mit einem positiven Gefühl starten wird, hat viel mit Trainer Christian Prokop (Foto: dpa) zu tun. »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Jeder Dritte leidet laut einer Umfrage nach der Zeitumstellung an gesundheitlichen Problemen. Sie auch?

Ja.
Nein.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz