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Schwarzwaldverein: Rausgeschmissenes Geld
15.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Eigentlich liegt es dem Schwarzwaldverein fern, sich in die Gernsbacher Kommunalpolitik einzumischen. Im Falle des noch jungen Waldkindergartens aber sieht sich die Ortsgruppe nun dazu veranlasst darauf hinzuweisen, dass es eine weitaus günstigere Möglichkeit als das Naturfreundehaus gibt, den Kindern des Spielwalds eine dauerhafte Schutzunterkunft zur Verfügung zu stellen: nämlich das Schwarzwaldvereinsheim in der Faltergasse.





Nach der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der die Umnutzung und die Ertüchtigung des Naturfreundehauses als Schutzunterkunft für den Waldkindergarten beschlossen wurden, meldete sich ein Mitglied des Schwarzwaldvereins bei CDU-Stadtrat Stefan Eisenbarth. Dieser hatte sich als einziger überrascht gezeigt, dass die Stadt stolze 275 000 Euro für das Projekt in die Hand nehmen möchte (wir berichteten).

Am Mittwochnachmittag kamen Eisenbarth und seine Fraktionskollegin Frauke Jung mit Vorstandsmitgliedern des Schwarzwaldvereins in der Faltergasse zusammen, um sich über den aktuell laufenden Anbau an das Gebäude und über die Causa Waldkindergarten zu informieren.

Geld würde für 152



Jahre Miete reichen

Für Letzteren besteht seit Ende August eine Vereinbarung zwischen dem Schwarzwaldverein, der Spielwiese gGmbH (Träger des Waldkindergartens Spielwald Gernsbach) und der Stadt, die regelt, dass der Schwarzwaldverein sein Vereinsheim montags bis freitags (7 bis 14.30 Uhr) dem Waldkindergarten zur Nutzung bei extrem schlechtem Wetter überlässt. Die Stadt zahlt dafür 150 Euro monatlich, hinzu kommen in den Wintermonaten (Oktober bis März) 15 Euro Pauschale sowie 40 Cent pro Kilowattstunde für den Stromverbrauch.

Von dieser vertraglichen Vereinbarung haben Jung und Eisenbarth bis Mittwoch nichts gewusst, wie sie im BT-Gespräch versichern. Bei den Gemeinderatssitzungen zum Thema Waldkindergarten sei diese bislang nicht thematisiert worden; auch die Möglichkeit, das Schwarzwaldvereinsheim dauerhaft als Schutzhütte für den Spielwald zu nutzen, war kommunalpolitisch bisher nie im Gespräch.

Genau das aber hätte sich die Vorstandschaft gewünscht, wie Richard Herzig betont: Das Heim verfüge im Innenbereich und im (sicheren) Außenbereich über viel Platz und Spielmöglichkeiten, hinzu kommen Sanitäreinrichtung und Küche - eben "alles, was Nutzer brauchen", so der Vorsitzende der Ortsgruppe. Mitglieder des Vereins haben zudem extra Spielzeug für die Waldkindergartenkinder gespendet. Für den 400-Volt-Stromanschluss, den der Bauwagen benötigt hätte, hat der zweite Vorsitzende Bernd Czinder im Außenbereich extra entsprechende Kabel verlegt. Doch nun stehen die beiden Bauwagen im Gewann "Im Grund" nahe des Kriegerdenkmals.

Für die 275 000 Euro, die das Naturfreundehaus kosten soll, könnte die Stadt das Schwarzwaldvereinsheim für die Belange des Waldkindergartens mehr als 152 Jahre lang mieten. Von daher bezeichnet Herzig die Investition ins frühere Naturfreundehaus, das sich im städtischen Besitz befindet, als "rausgeschmissenes Geld" - wenngleich er natürlich verstehen könne, dass die Stadt ihre Immobilie ertüchtigen wolle. Für die Belange des Waldkindergartens sei die Investition jedenfalls nicht notwendig. Dennoch werde der Schwarzwaldverein die vertragliche Vereinbarung "natürlich erfüllen", versichert Herzig: "Wir sind nur enttäuscht, dass über das Engagement des Schwarzwaldvereins in der öffentlichen Gemeinderatssitzung nicht gesprochen worden ist." Zudem habe sich der Verein erhofft, als Domizil für den Waldkindergarten junge Leute für den Schwarzwaldverein begeistern zu können.

Die Stadt Gernsbach lässt auf BT-Anfrage ausrichten, dass sich das Gebäude des Schwarzwaldvereins nicht im städtischen Besitz befindet und daher auch nicht für eine Umnutzung für den Waldkindergarten in Frage komme. Man sei dem Schwarzwaldverein dankbar, dass er sein Heim für die Kinder und Betreuer des Spielwalds bei besonders schlechter Witterung zur Verfügung stellt. Bislang habe man dieses Angebot aber noch nicht in Anspruch genommen. Lediglich zum Anschauen seien die Kinder mal da gewesen, nicht zum Aufenthalt, bestätigt Florian Kreuzer, Leiter des Waldkindergartens.

Unterdessen hat die Stadt mitgeteilt, dass der Spielwald wächst und gedeiht: Wöchentlich komme im Frühling ein neues Kind zur Gruppe hinzu. Da wird es in einem einzigen Bauwagen, der bisher als Schutzunterkunft diente, zu eng. Am 6. Februar ist deshalb ein zweiter Bauwagen aufgestellt worden, der als "Speisewagen" eingesetzt wird. Zwei Mahlzeiten nehmen die Kinder dort ein und verbringen so täglich bis zu eineinhalb Stunden in diesem Wagen.

Auch die Reflexionsrunden, in denen jedes Kind Gelegenheit hat, seine Befindlichkeit mitzuteilen, sich zu beschweren oder Erfreuliches zu berichten, finden in diesem Bauwagen statt, denn diese Runde gehört zum täglichen Ritual nach der zweiten Mahlzeit, informiert die Stadt.

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