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Hightech aus Gaggenau
16.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gaggenau - Die Firma ist praktisch die letzte Bastion der Vorgängerfirmen Roth Technik, Mayflower und KWH. Alle drei sind Geschichte, die Betriebsgebäude abgerissen. An ihrer Stelle wurden vom US-Investor Hillwood Hallen errichtet und an die beiden großen Logistik-Unternehmen Duvenbeck und Seifert vermietet. Die Firma AVL Emission Test Systems GmbH ist quasi der letzte Fels in der Brandung. Hinten auf dem Gelände, unterhalb der B 462 und entlang der Murg befinden sich die Gebäude der Firma.

"Die Ausschilderung muss verbessert werden", räumt Geschäftsführer Konrad Hinterhofer ein. Auch bedingt durch die Neubauten auf dem Areal ist AVL für den Fremden nur schwer zu finden, insbesondere der Haupteingang. In den Gebäuden befindet sich hochmoderne Technik. "Wir entwickeln Abgasmessanlagen für Prüfstände in der Automobilindustrie", berichtet Hinterhofer. Mit den Anlagen von AVL überprüft zum Beispiel die EPA (Environmental Protection Agency) in den USA die Einhaltung der Abgasgrenzwerte. "Stichwort Dieselskandal", bemerkt dazu der Geschäftsführer.

Graz, Neuss und Gaggenau - das sind die Standorte von AVL. Rückblende: 1989 gründet Hinterhofer zusammen mit Helmut Roppelt die Firma Peus Systems in Bruchsal. Das Unternehmen entwickelt verschiedene Abgasmesssysteme und weitere Systeme. Unter anderem wird von Peus 1992 das weltweit erste Rollenautomatisierungssystem, basierend auf Microsoft Windows, eingeführt. 1999 wird Gaggenau neuer Hauptsitz von Peus. Von der Firma Mayflower wird das Prüfstandzentrum gekauft. 2004 übernimmt die AVL Holding Graz die Mehrheit an Peus. Ein Jahr später, 2005, wird eine gemeinsame Gesellschaft, die AVL Emission Test Systems GmbH, gegründet. "Dadurch entstand wesentlich mehr als nur ein neuer gemeinsamer Name: Durch intensive Forschung und Entwicklung entstand eine komplett neue, einheitliche und hoch innovative Produktlinie, die iGeneration", ist der Homepage von AVL zu entnehmen.

Das Unternehmen boomt. Im Jahr 2017 wurde beim Umsatz erstmals die 100 Millionen Euro-Grenze überschritten. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz laut Hinterhofer 115 Millionen Euro. In Gaggenau sind etwa 125 Mitarbeiter beschäftigt, in Neuss 275.

Aktuell hat AVL Großaufträge (mehr als zehn Millionen Euro) für die Ausstattung neuester Abgas-Prüflabore beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) und beim California Air Resources Board (CARB) erhalten. Das KBA verfüge damit erstmals über eigene Testmöglichkeiten, beim CARB, das seit den frühen 70er Jahren als Vorreiter in der Abgasgesetzgebung gilt, werde das alte Testzentrum aufgelöst und in ein neues umziehen.

Auf dem Firmengelände in Gaggenau gibt es unter anderem eine Kammer, die von außen recht unscheinbar ist. Im Inneren kann zum Beispiel simuliert werden, welche Bedingungen es für Fahrzeuge in Kalifornien gibt, zum Beispiel Temperaturen und weitere Dinge. Mehrere Tage kann dort ein Auto auf "Herz und Nieren" und auf die Abgaswerte hin überprüft werden. Hinterhofer gibt zu, dass dies ein "Wahnsinnsaufwand" sei.

Sein Unternehmen entwickelt auch Motoren für die Automobilindustrie mit Blick auf die Abgaswerte. Der Geschäftsführer betont, dass man nur entwickle, nicht produziere. Auch mit Blick auf Elektromotoren ist das Unternehmen aktiv. So wird unter anderem für Elektrofahrzeuge untersucht, wie die Temperaturverteilung in Batterien ist.

Und was kosten die verschiedenen Messsysteme? Ein Messgerät für die Abgasuntersuchung, das vom TÜV und von Werkstätten genutzt wird, schlägt mit etwa 10 000 Euro zu Buche. AVL bietet aber auch Messgeräte an, für die locker zwischen 800 000 und eine Million Euro auf den Tisch gelegt werden müssen - je nach Anforderungen. Geld, das gut investiert ist, wenn man zum Beispiel sieht, welche Auswirkungen der Dieselskandal weltweit hat.

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