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"Früher hat das immer der Opa gemacht"
'Früher hat das immer der Opa gemacht'
18.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Hans-Peter Hegmann

Gernsbach - "Früher hat das immer der Opa gemacht." Das sagten viele Teilnehmer an einem speziellen Kurs für junge Leute am Samstag in der Ebersteinhalle in Obertsrot. Und was hat der Opa gemacht? Die Bäume hinterm Haus oder auf der Streuobstwiese geschnitten. Viele dieser Opas waren auch Mitglied im örtlichen Obst- und Gartenbauverein (OGV), der das notwendige Wissen vermittelte. Allerdings hat in den vergangenen Jahrzehnten das Interesse vieler Enkel und junger Menschen, Mitglied in einem Verein zu werden, in dem meistens ältere Männer das Sagen haben, stark nachgelassen. Gleichzeitig ist das Interesse für die Zusammenhänge in der Umwelt und an der Natur allgemein aber bei vielen sogar gestiegen.

Daher hatte Hannelore Dütsch-Weiß von der Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau beim Landratsamt nach einem Gespräch mit einem Vorsitzenden eines OGV vor zwei Jahren eine Idee. Sie startete den Versuch, über die Beratungsstelle Schnittkurse besonders für junge Menschen anzubieten. Für die Teilnahme sind weder eine Mitgliedschaft in einem OGV noch Kenntnisse notwendig. Die Idee wurde zum Erfolgsmodell, und so fand ein solcher am Wochenende in Obertsrot statt: Nach der "Bühler Ecke" und der Region von Rastatt bis Kuppenheim war nun das Murgtal an der Reihe.

15 Teilnehmer, darunter zwei junge Frauen, hatten sich angemeldet und lernten am Mittwochabend zunächst die theoretischen Grundlagen des Baumschnitts kennen. Am Samstagvormittag ging es bei schönstem Frühlingswetter zunächst auf eine Streuobstwiese. Dort machten sich 14 junge Menschen nach einer Einweisung an zehn Bäumen an die Arbeit. Zunächst etwas zaghaft und dann immer mutiger wurden Äste abgesägt und Zweige herausgeschnitten. Für drei Freunde aus Sandweier war es bereits der zweite Schnittkurs, die Baumpflege wurde inzwischen zum gemeinsamen Hobby. Ein weiterer Teilnehmer erzählte, dass er schon öfter an seinen geerbten Bäumen "herumgeschnitten" habe, aber immer mehr das Gefühl bekommen habe, dass seine Vorgehensweise "irgendwie nicht ganz richtig" sei. Genau das sind die jungen Menschen, die Dütsch-Weiß mit dem Kurs ansprechen möchte.

Madeleine Garke und Jan de Boer haben einen etwas anderen Hintergrund für ihre Teilnahme. Nach dem Abi bewarben sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr und landeten bei der Stadt Rastatt. Von ihrem Dienstherrn wurden sie auf ihren Wunsch hin für den Kurs angemeldet. Dass es Jan, dessen Vorfahren aus Ostfriesland stammen und der in Stuttgart wohnt, dabei ins Murgtal verschlug, betrachtet er durchaus als Gewinn. Beide können sich vorstellen, bei ihrer weiteren Berufswahl den Aspekt Natur und Umwelt nicht ganz aus den Augen zu verlieren.

Wie Dütsch-Weiß weiter erläuterte, habe es den einen oder anderen Teilnehmer auch schon an seinem Heimatort in die Nähe des ortsansässigen OGV geführt, so dass eine Mitgliedschaft nicht mehr generell ausgeschlossen werde.

Damit würde auch ein Wunsch von Walter Schmeiser, dem Vorsitzenden des OGV Obertsrot-Hilpertsau, erfüllt. Genau wie die Beraterin aus dem Landratsamt ist er der Meinung, dass es für die Zukunft unbedingt mehr Menschen geben müsse, die das Wissen haben und das praktische Können des richtigen Baumschnitts beherrschen.

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