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Gesünder und umweltfreundlicher zur Arbeit
20.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Murgtal - Fahrradfahren ist gesünder, umweltfreundlicher und günstiger als Autofahren. Zudem sparen sich Radfahrer die oft nervige Suche nach einem Parkplatz. Diese Erkenntnis hat in den vergangenen Jahren viele Unternehmen dazu gebracht, ihren Mitarbeitern sogenannte Job-Bikes anzubieten, seit die Bundesregierung 2012 beschlossen hat, Fahrräder den Dienstwagen steuerlich gleichzustellen. Die Beliebtheit von Diensträdern bei Angestellten und Firmen ist zuletzt kontinuierlich gestiegen - auch im Murgtal.

Beispiel Glatfelter: Der Spezialpapierhersteller in Gernsbach bietet seinen Leuten seit August 2017 die Möglichkeit des Fahrradleasings an; inzwischen haben von den aktuell rund 650 Beschäftigten 115 ein Dienstfahrrad. "Schon im ersten Monat gab es 30 Anfragen", blickt Wolfgang Wetzel vom Personalmanagement des größten Arbeitgebers in der Papiermacherstadt auf den Start des Projekts zurück. "Die gute Quote hat uns auch überrascht", ergänzt Personalleiter Frank Oertel .

Die Initiative sei damals von beiden Seiten - Arbeitgeber und Arbeitnehmer - ausgegangen. Um das Unternehmen insgesamt als attraktiven Arbeitgeber darzustellen und von anderen Wettbewerbern im Arbeitsmarkt positiv abzuheben, "schauen wir immer, was kann man über den Tellerrand hinaus machen", erklärt Oertel.

Genauso argumentiert man bei der Koehler Paper Group, zu der auch der Weisenbacher Bierdeckelproduzent Katz gehört. Der Papierhersteller mit Stammsitz in Oberkirch bietet seinen Mitarbeitern seit vergangenem Oktober an, mit einem sogenannten Business-Bike zur Arbeit zu kommen. "Bereits jetzt machen mehr als 100 Kollegen von dem Angebot Gebrauch. Es gilt für Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs ab einem Wert von 699 Euro", teilt Pressesprecher Christoph Müller-Stoffels auf BT-Anfrage mit.

Die Bezahlung erfolgt über die Leasingrate mit einer Laufzeit von 36 Monaten. Die Höhe der monatlichen Gehaltsumwandlung richtet sich nach dem Verkaufspreis und der daraus resultierenden Leasingrate inklusive Vollkaskoversicherung, erläutert Müller-Stoffels. Leasing-Nehmer ist der Arbeitgeber. Die Unterhaltskosten, die ihm für das Dienstrad entstehen, werden vom Arbeitnehmer durch die monatliche Gehaltsumwandlung aus dem Bruttogehalt an den Arbeitgeber bezahlt. Dadurch spart der Arbeitnehmer Steuer- und Sozialversicherungsabgaben ein.

Das System der sogenannten Entgeltumwandlung wird auch bei Glatfelter angewandt. Dank spezialisierter Dienstleister ist die kompliziert wirkende Abwicklung eines Dienstrad-Leasings recht einfach. Koehler arbeitet mit der Firma Business Bike (Neustadt an der Aisch) zusammen, Glatfelter nimmt die Dienstleistung von Job Rad (Freiburg) in Anspruch. Allein Letztere kooperiert eigenen Angaben zufolge bereits mit circa 7 500 Arbeitgebern, die schon über einer Millionen Menschen den Zugang zu Diensträdern ermöglichen. "Bei vielen Unternehmen gehören Diensträder fast selbstverständlich dazu, viele weitere haben das in Planung", sagt Job-Rad-Gründer und Geschäftsführer Ulrich Prediger.

Bei der Wahl des Fahrrads (es muss nicht unbedingt ein E-Bike sein) sind die Mitarbeiter jeweils völlig frei (bei Glatfelter sind die Anschaffungskosten bei 5 000 Euro gedeckelt). Die Arbeitnehmer dürfen ihre Diensträder auch unbegrenzt privat nutzen. Das lohne sich für alle Seiten: Arbeitgeber zeigen sich offen für moderne Mobilitätslösungen und stärken die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, Arbeitnehmer können - gerade bei hochwertigen Rädern - bis zu 40 Prozent gegenüber dem privaten Kauf sparen. Nicht zuletzt erhöht sich dadurch in den Kommunen die Lebensqualität, wenn mehr Menschen mit dem Rad zur Arbeit fahren - und natürlich auch privat das Auto öfter mal stehen lassen.

Koehler und Glatfelter verstehen das Dienstrad-Projekt in Kombination mit weiteren Maßnahmen der betrieblichen Radverkehrsförderung als Beitrag zur notwendigen Energie- und Verkehrswende. So gibt es beim Betriebssportclub Glatfelter schon seit langem eine

Fahrradgruppe; und mit der Aktion "Koehler radelt" wird Jahr für Jahr ein sozialer Zweck finanziell unterstützt.

Derlei Aktivitäten seien für den Arbeitgeber überdies interessant, weil sich die Mitarbeiter zusätzlich bewegen und damit ihre Gesundheit fördern, sagt Müller-

Stoffels. Von daher sei der Schritt naheliegend gewesen, den Mitarbeitern die Anschaffung von Diensträdern zu ermöglichen. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass zur Arbeit radelnde Arbeitnehmer im Schnitt einen Tag pro Jahrseltener wegen Krankheit fehlen, als solche, die mit anderen Verkehrsmitteln kommen.

Mobilitätsforscher der Universität in Frankfurt haben zudem nachgewiesen, dass Fahrradfahrer einen niedrigeren Body-Mass-Index und ein höheres Wohlbefinden haben als ihre nichtradelnden Kollegen - das steigere die Zufriedenheit und damit vermutlich ebenso die Produktivität der Beschäftigten.

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