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Ein bisschen "Rheuma", aber sie rattern wie vor siebzig Jahren
Ein bisschen 'Rheuma', aber sie rattern wie vor siebzig Jahren
25.02.2019 - 06:31 Uhr
Von Hans-Peter Hegmann

Gaggenau - Es zischt und rattert, es dampft und pfeift, wenn im Unimog-Museum traditionell am letzten Februarwochenende die teilweise bis zu 95 Jahre alten Dampfloks auf Blechschienen ihre Kreise ziehen. Bereits zum 13. Mal richtete die "Fahrgemeinschaft Tischeisenbahn" ihre Ausstellung im inzwischen auch bei Modellbahnern bestens bekannten Gaggenauer Museum aus.

Peter Berg, der früher in Staufenberg wohnte und jetzt in Grötzingen, und seinem Mitstreiter Peter Roster aus Gernsbach ist es im Lauf der Jahre gelungen, eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die bei Ausstellern und Besuchern aus ganz Europa ein hohes Ansehen genießt.

Die meisten Aussteller sind inzwischen Stammgäste und kommen außer aus Deutschland aus England, Frankreich und sogar Portugal. Sie zeigten dann an beiden Tagen ihre rollenden Schätze, die mit Uhrwerkfedern, Spiritusbrennern und überwiegend Strom angetrieben werden und sich auf den unterschiedlichsten Gleisen mit Spurweiten von neun bis 32 Millimetern bewegen. Darunter finden sich Herstellernamen, die längst verschwunden sind. Das meistens fachkundige Publikum ist allerdings mit Namen wie Bing, Billerbahn, Buco, Hag, Höss, Kaiser oder Löhmann vertraut. Bei den zahlreichen Besuchern, die einfach mal wieder kurz in ihre Jugendzeit versetzt werden wollen, ist die Marke Märklin dagegen bestens bekannt.

Der Besucherandrang bereits am Samstag ließ vermuten, dass wieder bis zu 2 000 Menschen die ehemaligen Spielzeuge in Aktion sehen wollten. Neben den vielen Eisenbahnen wurden auch wieder Raritäten aus dem Bereich Blechspielzeug gezeigt. An diesen ist die Entwicklung des technischen Fortschritts in Bezug auf Materialien und Fertigungstechniken deutlich erkennbar.

Aber auch der Bereich Ersatzteile und Restaurierung war stark vertreten. Es gibt Spezialisten für Lackierungen, die mit einem feinen Marderhaarpinsel Linien auf die Waggons malen oder rohe Gussteile anbieten, die aus selbsthergestellten winzigen Formen stammen.

Darin sind sie teilweise den Liebhabern des Fahrzeugs, das dem Ausstellungsort seinen Namen gab, nicht unähnlich. Es gab Zinnfiguren wie den "Charakterdarsteller" Kalle zu kaufen, der in vielen Posen für die Gestaltung der Modellbahn erhältlich ist.

Aber auch Menschen, die einfach voller Stolz ihre komplette Sammlung von zehn Bing-Uhrwerk-Sets zeigen - zum Teil noch in Originalkartons.

Daneben saß Claudia aus einem kleinen Ort bei Lübeck. Sie stellte sich als die einzige Frau unter rund vierhundert Männern vor und erzählte, dass sie im Bereich Blecheisenbahnen durch ihre Mutter, die schon einige Jahre tot ist und eine leidenschaftliche Sammlerin gewesen war, erblich "belastet" sei. Sie wolle ihre mitgebrachten französischen Blechlokomotiven von 1950 auch gar nicht verkaufen: "Ich komme nur aus Spaß und um meine vielen Freunde hier zu treffen."

Einen Stand weiter fahren nach einem genauen Fahrplan unterschiedliche Märklin-Züge, die laut Besitzer so gut wie keine Verspätung kennen. Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch die Feststellung eines dabeistehenden Ausstellers, dass alte Loks, die lange nicht mehr gefahren sind, auch Rheuma haben können. "Sie fahren dann zwar noch, aber irgendwie nicht mehr so munter wie vor 70 Jahren."

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