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Friedensengel auf Rathaus-Treppe
01.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - "Schlüssel her, Schlüssel her, Schlüssel her ...", rief Zunftmeister Armin Wild gestern pünktlich um 11.11 Uhr das Rathaus hinauf. Hunderte Fastnachter und viele Schaulustige verfolgten das Spektakel bei guter Stimmung und bestem Wetter. Bürgermeister Julian Christ ließ sich angesichts des drohenden Narrensturms seiner Machtzentrale nicht lange bitten, ließ den symbolischen Türöffner aus dem Fenster herab, wo ihn gierige Bleichhexen in Empfang nahmen.

Die Machtübernahme war geglückt. Und das demonstrierten die Waldschädder, das Prinzenpaar Kim I. und Jan I., Ortsbüttel Rolf Netzer, der Kindergarten Fliegenpilz, die Damen von Drei-Wetter-Taft, die Friedensengel und natürlich die Hexen von der Bleich mit einem entsprechenden Programm, das für viele Lacher und Schenkelklopfer sorgte. Dabei spielte die Kommunalpolitik immer wieder eine große Rolle. So forderte schon das Prinzenpaar, die Stadträte sollten sich ein Beispiel nehmen an der Gernsbacher Narretei - "endlich z'samme schaffe und nimmi jeder für sich allei". Auch Rolf Netzer nahm das politische Geschehen aufs Korn - im Großen wie im Kleinen. Vom Hitzesommer über Donald Trump, vom Diesel-Skandal über die anstehenden Wahlen kam er auf den Ort des Geschehens zu sprechen: "Ich hoffe, dass es ein paar Junge endlich kapieren, der Salmenplatz ist zum Treffen, nicht zum Randalieren."

Waldschädder Armin Wild leitete dann zum Narrengericht über und erinnerte den entmachteten Schultes an eine Strafe vom vergangenen Jahr: "Das mit der Sprach', bei aller Lieb', das wer'mer noch a Weile übe'." Dann wurden Julian Christ die Fesseln angelegt, ehe er sich den Anklagen der Bleichhexen zu stellen hatte. Wortgewandt, wie man ihn kennt, wusste er sich phrasenhaft zu verteidigen und hatte stets eine passende Erklärung parat.

Den mitunter ungehorsamen Gemeinderat nahm er dabei sogar in Schutz. Es sei schließlich ganz einfach, warum es mit der Einigkeit nach wie vor nicht klappt: "Sich in diverse Überlegungen zu verstricken, ist doch besser, als nur mit dem Kopf zu nicken!" Ähnlich schlagkräftig antwortete er auf "neidische Bleichhexen-Blicke" in Richtung seiner Gattin und deren Garderoben-Wahl. Und dass er kein "Grüß-Gott-August" sei, begründete Christ damit, beim Gang durch die Straßen oft in Gedanken versunken daran zu feilen, was für die Stadt wohl das Beste mag sein.

Ganz ohne Strafe kam der Wortakrobat aber nicht davon. Zum Feuerwerk beim 800-Jahr-Jubiläum muss er das Gernsbacher Prinzenpaar als Ehrengäste auf seinem Rathaus-Balkon bewirten - Strafe sieht anders aus! Aber sie kam. Nach der Posse vom Vorjahr, als aufgrund Personalmangels plötzlich an zwei Tagen alle vier Gernsbacher Freibäder gleichzeitig geschlossen waren, muss der Schultes in der kommenden Saison mindestens einmal in die Badeaufsicht - damit so etwas nicht noch einmal vorkommt!

Es folgten die "Drei-Wetter-Tafts", die "Obschd und Gmies" (natürlich alles Bio) mit dem Pfleiderer-Areal in Verbindung brachten. Um die kommunalpolitischen Scharmützel zu diesem und anderen Brennpunkten der Stadt zu entschärfen, schwebten hernach sogar einige Friedensengel auf die Rathaustreppe. Der Kindergarten Fliegenpils tanzte zum Körperteil-Blues und zum Zipfelmützensong - der gefesselte, machtlose Bürgermeister versuchte derweil, sich ebenfalls im Takt zu bewegen.

Zum großen Finale kamen die zahlreichen Hexen von der Bleich aus allen Richtungen des Rathausplatzes zusammen und forderten in Persona von Petra Rheinschmidt-Bender dazu auf, zum Bleichhexen-Casting für den Umzug bei der 800-Jahr-Feier zu kommen. Und wer gar nichts kann, der soll sich bitte einfach an die Straße stellen, wenn es soweit ist - "die brauchen wir ja schließlich auch!"

Mit dem umgedichteten Badnerlied zum anstehenden Jubelfest in der Papiermacherstadt verabschiedeten sich die Beteiligten vom närrischen Publikum. Sie hatten mit einem spaßigen Vormittag den Weg bereitet für die vielen weiteren Feiern, die am "Schmudo" in Gernsbach und im ganzen Murgtal noch auf die Fastnachter warteten.

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