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Paddelsportler in Turbulenzen
07.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Murgtal - Die Paddler sind alarmiert, sie sehen eine akute Gefahr für die "Flussperle Murg". Deren Zukunft steht auf der Kippe, heißt es in einem Positionspapier: Die Wasserrichtlinie und die Förderung regenerativer Energien führten aktuell zum Umbau der bestehenden Kleinwasserkraftwerke. Fettweiswerk Forbach, Schwarzenbachtalsperre und das Wehr Kirschbaumwasen sollen ebenfalls umgebaut werden. Energiegewinnung und Fischdurchgängigkeit stünden im Mittelpunkt, die Interessen der Sportler seien nicht im Blickfeld der Planer.



Zu diesem Thema fand in Weisenbach im Gemeindezentrum eine Informationsveranstaltung statt (das BT berichtete). Schwerpunkt war der Umbau der Wehranlage Breitwies. Dabei traten die unterschiedlichen Interessen von Betreibern und Wassersportlern zutage.

Zur Problematik befragte das Badische Tagblatt Dr. Christine Richter vom Kanu-Verband Baden-Württemberg.

Gibt es Reaktionen auf die Info-Veranstaltung vom 13. Februar in Weisenbach?

Das "Gesamtkonzept Murg" wurde über die Geschäftsstelle des Kanuverbands Baden-Württemberg (KVBW) an alle Vereine in Baden-Württemberg versendet. Zahlreiche Vereine haben ihre Unterstützung angekündigt. Der Verband wird am 16. März auf dem Verbandstag über Maßnahmen entscheiden.

Mit welchen baulichen Alternativen kann man die Murg für Wassersportler attraktiv halten?

Künstliche Wehranlagen können grundsätzlich so gebaut werden, dass sie für Wassersportler keine (Lebens)-Gefahr bedeuten. Fischtreppen, die für Fische und Kanuten nutzbar sind, oder "Rutschen" anstelle von Tosbecken, um eine Höhendifferenz zu überwinden, sind möglich. In Frankreich ist man, was derartige Bauwerke angeht, weiter. Für Breitwies oder Wolfsheck wäre ein kombinierter Fisch-Kanu-Pass eine Lösung.

Hintergrund

Was kann das kosten?

Die Umbauten an dem Wehr in Schlechtau werden wesentlich teurer sein als in Breitwies. Das Wehr in Schlechtau ist fertig. Um eine Befahrung zu ermöglichen, müsste über das für die Kanuten gefährliche Tosbecken eine Rutsche gebaut werden. Da sind 100 000 Euro durchaus realistisch.

Das Wehr in Breitwies wird ab Mai umgebaut. Um eine Befahrung zu ermöglichen, müsste lediglich eine kleine Schräge von der künftig 1,95 Meter hohen Wehrkrone auf die bereits bestehende Rutsche betoniert werden. Dies bedeutet keine wesentliche Änderung der Baupläne, die Baustelle ist eingerichtet, es müssten lediglich Materialkosten und Arbeitszeit finanziert werden. Hier ist mit 20 000 Euro zu rechnen.

Wer soll die Kosten tragen? Die Finanzierung kann nicht vom Wehrbetreiber gefordert werden. Stattdessen müssen Kanuvereine und Kanuverband in Baden-Württemberg aktiv werden. Denn es gilt, eine Sportstätte, die Wildwasserstrecke Murg, nicht zur Gefahr werden zu lassen. Denkbar wäre eine Beteiligung der Gemeinden, Städte und Landkreise, um den touristischen Wert zu erhalten.

Was ist mit Aussteigen und das Boot um das Hindernis herumtragen?

Aussteigen und Tragen ist, sofern das Hindernis eine Gefahr darstellt oder schlichtweg unfahrbar ist, die einzige Möglichkeit, um einen Abschnitt auf einem Fluss komplett zu befahren. Aber es muss gefahrlos möglich sein. Steile Ufer, künstliche Betonhindernisse oder gefährliche Sog-Strömungen können unnötig hohe Risiken darstellen. An Land: Laut Artikel 22 des Wassergesetzes Baden Württemberg hat ein Anlieger das Umtragen von Hindernissen zu dulden. Umzäunungen oder Verbote erschweren dies und bedeuten für Anlieger und Paddler unnötigen Ärger.

Wie viele Kanufahrer sind auf der Murg unterwegs?

An einem Wochenende mit geeignetem Wasserstand und entsprechenden Temperaturen mit etwas Sonne können es pro Tag an die 50 Kanuten sein, am Wochenende also 100 Paddler. Das Einzugsgebiet reicht von Frankfurt, Groß-Gerau über Mannheim, die Pfalz bis nach Saarbrücken. Sämtliche Vereine aus der Region von Karlsruhe bis Freiburg, aber auch Kanuten aus Stuttgart, Bietigheim, Tübingen und dem südlichen Schwarzwald, kommen zum Paddeln an die Murg.

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