https://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Auf Schadenszauber stand Todesstrafe durch Feuer
Auf Schadenszauber stand Todesstrafe durch Feuer
08.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Cornelia Zorn

Gernsbach - In der Markgrafschaft Baden-Baden kam es zwischen 1625 und 1631 unter Markgraf Wilhelm zu einer massiven Hexenverfolgung mit nachweislich etwa 270 Hinrichtungen. In der Grafschaft Eberstein dagegen sind bislang nur fünf Fälle von Hexerei zwischen 1642 und 1644 bekannt. Die im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrten badischen Hofratsprotokolle enthalten Notizen darüber, besonders über den Fall der Catharina Weinmann. Das BT beleuchtet die Vorgänge in einer Artikelserie.

Die handschriftlich verfassten Protokolle verzeichnen, jeweils mit Datumsanga be, Ereignisse, mit denen der badische Hofrat befasst war. Dieses Gremium aus hohen Beamten kümmerte sich in der Markgrafschaft in erster Linie um Justizangelegenheiten. Unter dem Datum des 20. Juli 1642 lesen wir im Hofratsprotokoll, dass an den badischen Vogt zu Gernsbach der Befehl erging, er solle eine gewisse Catharina Weinmann "auf mitbelieben gräfl. Ebersteinischen theilß nach gehaltenem malefiz (Strafprozess) und vermög Carolinischer halsgerichts Ordnung außgesprochenem Urtheil lassen enthaubten und den Cörper verbrennen". Eine gewisse Eva Kast sollte er "auf mitbelieben Gronßfeldischen theilß in dem spittal lassen enthaubten und den cörper öffentlich verbrennen".

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges war den Ebersteinern ihr Besitz im Murgtal außer Gernsbach, Scheuern und Staufenberg weggenommen und an die Grafen von Gronsfeld und Freiherrn von Wolkenstein gegeben worden. Markgraf Wilhelm von Baden-Baden regierte daher Gernsbach, Scheuern und Staufenberg gemeinsam mit dem Ebersteiner, die Dörfer im Murgtal dagegen mit Gronsfeld und Wolkenstein. Für Todesurteile brauchte der badische Markgraf die Zustimmung der Mitregenten. Da im Fall von Eva Kast die Zustimmung von Gronsfeld nötig war, stammte sie sicher aus einem der Dörfer im Murgtal. Das 1511 erbaute Spital, wo sie enthauptet werden sollte, befand sich auf der rechten Murgseite oberhalb der Gernsbacher Stadtbrücke. Für den Vollzug der Hinrichtungen war der Henker von Baden-Baden zuständig, der für seine Dienste jährlich von der Stadt Gernsbach seinen Lohn als "Nachrichter" erhielt.

Catharina war "vermög Carolinischer halsgerichts Ordnung" verurteilt worden. Die "Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V." (Constitutio Criminalis Carolina, abgekürzt CCC) von 1532 war ein für seine Zeit äußerst fortschrittliches Gesetzeswerk, das im deutschen Reich sehr lange Geltung hatte. Es beschränkte die Folter, sah aber Zauberei ganz im Verständnis der Zeitgenossen als Verbrechenstatbestand vor. Auf die Verletzung oder Tötung von Mensch und Vieh durch Zauberei und magische Praktiken (Schadenszauber) stand die Todesstrafe durch Feuer.

Der Pakt mit dem Teufel war als Straftatbestand dagegen nicht vorgesehen. Teufelspakt und Teilnahme am Hexensabbat sind erst in der badischen Landesgesetzgebung von 1588 zu finden. Die Vorstellung von Hexen, die auf Besen oder Tieren zu den Treffen der Hexensekte flogen, bildete sich im Lauf des 15. und 16. Jahrhunderts heraus. Dabei floss der seit dem Altertum vorhandene Glaube an Zauberei und Magie mit dem Bild der seit dem 13. Jahrhundert verstärkt auftretenden und in geheimen Sekten organisierten Ketzer zu einem erweiterten und neuartigen Hexenbegriff zusammen.

Im Fall der Catharina Weinmann wird ausdrücklich erwähnt, dass sie in einem Strafprozess nach der Peinlichen Halsgerichtsordnung verurteilt worden war. Ein Urteil war aber nur aufgrund eines Geständnisses möglich, das vor Zeugen ohne Zwang bestätigt werden musste. In einer Zeit ohne Fingerabdrücke und DNA-Spuren als Beweise war das Geständnis wichtigste Voraussetzung für die Verurteilung (Fortsetzung folgt).

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Bühl
Über die Bühne gefegt

06.03.2019
Weitenung feiert Kinderfastnacht
Bühl (red) - Die Widdenunger Kinderfastnacht entführte nach Schweden zu "Nils Holgersson wundersame Reise mit den Wildgänsen". Das KiFaKo-Team sorgte in der vollbesetzten Rheintalhalle für ein buntes Programm, in dem auch die Sondbachdeifel-Kids (Foto: Meisner) mitwirkten. »-Mehr
Bühl
Hans-Peter Maisch zum 33. Mal auf Aschermittwoch-Tour

06.03.2019
Narrhalla-Bonbons für Bühler Kitas
Bühl (wv) - Viel Aufhebens hat die Narrhalla 1826 um ihre Aschermittwoch-Gutsel-Aktion nie gemacht, doch heute feiert diese ein närrisches Doppeljubiläum: Zum 55. Mal besucht die Narrenzunft Kindertageseinrichtungen, um noch Bonbon-Vorräte an die Kinder zu verteilen (Foto: wv). »-Mehr
Gaggenau
Farbenfroh und fröhlich im Dauerregen unterwegs

06.03.2019
Farbenfroh im Dauerregen
Gaggenau (vgk) - Der Ottenauer Umzug ist der abschließende Höhepunkt der Fastnacht im Murgtal. 70 Gruppierungen nahmen Aufstellung. Das Narrenspektakel litt sichtbar unter den Regenmassen. Nicht annähernd so viele Zuschauer wie 2018 säumten die Straßen (Foto: Gareus-Kugel). »-Mehr
Bühl
Närrischer Markt erneut vom Winde verweht

05.03.2019
Närrischer Markt abgesagt
Bühl (wv) - Die Narrhalla 1826 sagte den Närrischen Markt ab. "Bei solch einer Unwetterwarnung ist uns gar nichts anderes übrig geblieben", äußerte Sitzungspräsident Michael Vetter. Eine Akutwarnung sagte schwere Sturmböen der "Warnstufe Rot" voraus (Foto: wv). »-Mehr
Gernsbach
Der Dorfladen bietet neben jungem Gemüse auch einige Dessous

05.03.2019
Gelungene Postzustellung
Gernsbach (red) - Die Postzustellung klappt im Murgtal - zumindest während des Rosenmontagsumzugs in Reichental. Der TV Reichental (Foto: Gareus-Kugel) widmete sich gekonnt dem Thema ebenso wie der FC Auerhahn dem Dorfladen. 19 Gruppen nahmen am Umzug teil. »-Mehr
https://www.freizeitmessen-freiburg.de/
Umfrage

Nach einer aktuellen Erhebung wünschen sich 60 Prozent der Deutschen einen besseren Kontakt zu ihren Nachbarn. Sie auch?

Ja.
Ja, zu einigen.
Nein.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz