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Längst nicht überall sind die Menschen gleich
Längst nicht überall sind die Menschen gleich
11.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Regina Frammelsberger

Gaggenau - Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März richten die kommunalen Beauftragten für Chancengleichheit seit 2007 ein Frauenfrühstück aus. Inzwischen nimmt neben den Städten Gaggenau und Rastatt und seit 2018 Baden-Baden seit einigen Jahren auch die IG Metall teil. In diesem Jahr erhielt die Veranstaltung in der Kulturhalle Bad Rotenfels durch das 100-jährige Wahlrecht für Frauen eine besondere Bedeutung.

Als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gaggenau begrüßte Carmen Merkel am Samstagvormittag rund 180 Frauen unterschiedlichen Alters, die der Einladung gefolgt waren, um sich auf unterhaltsame Art mit diesem Thema auseinanderzusetzen. In Anbetracht der städteübergreifenden Veranstaltung brachte Merkel ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass "die interkommunale Zusammenarbeit bei uns gut funktioniert". Oberbürgermeister Christof Florus fühlte sich als einziger Mann an den Tischreihen "nicht als Störenfried", sondern unterstrich die Bedeutung des Treffens: "Wir leben heute in einem Miteinander; wir besprechen und beschließen gemeinsam." Was für ihn heute selbstverständlich sei, war vor 100 Jahren noch undenkbar - das müsse man sich immer wieder bewusst machen. Laut Florus war in Gaggenau 1948 die erste Frau in einer Fraktion vertreten, von da an sei der Frauenanteil stetig gewachsen.

In Bezug auf die Gleichstellung der Frauen findet der OB die Stadt inzwischen "gut aufgestellt". Von Quoten halte er "nichts", doch seien ihm die Gleichbehandlung und das gerechte Miteinander wichtig. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen, die ebenfalls anwesend war.

In vielen Bereichen "noch Luft nach oben"

Gemeinsam bedienten sich alle Anwesenden am reichhaltigen Frühstücksbuffet, das vom Klinikum Mittelbaden bereitbestellt wurde. Bei ungezwungenen Gesprächen mit den Sitznachbarn wagten ältere Anwesende einen Rückblick auf die früheren Lebens- und Arbeitsverhältnisse, die sich im Laufe der Jahre deutlich gebessert hätten. Trotzdem waren sich die Frauen am Tisch darüber einig, dass in vielen Bereichen "noch Luft nach oben" sei.

Im Anschluss an diesen Erfahrungsaustausch referierte Dr. Gudrun-Christine Schimpf, Historikerin an der Universität Heidelberg, über den "Kampf fürs Frauenwahlrecht", der 1789 in der Französischen Revolution seine Anfänge hatte. Menschenrechte seien bis dahin Männerrechte gewesen, erläuterte sie. Weil es Frauen verboten war, sich zusammenzuschließen, gingen noch Jahre ins Land, bis es 1865 zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins kam.

Im Anschluss an die Stimmrechtsbewegungen aus Skandinavien, Großbritannien und Frankreich setzten 1919 auch die deutschen Frauen ihr Wahlrecht durch. Als europäische Nachzügler gelten die Schweiz und Liechtenstein, die erst 1971 beziehungsweise 1984 das Frauenwahlrecht einführten. Schimpf machte in ihrem Vortrag darauf aufmerksam, dass dieses Thema weltweit immer noch aktuell sei. Als Beispiel nannte sie Saudi-Arabien, wo Frauen erst seit 2015 ein Recht auf Erwerb des Auto-Führerscheins haben, oder die Unterdrückung der Frauen in Afghanistan.

Ihren rückblickenden Vortrag beendete Schimpf mit der Erinnerung an die bevorstehende Kommunalwahl am 26. Mai, bei der jede Frau ihr Stimmrecht wahrnehmen sollte.

Dem ernsten, politischen Thema folgte mit der Kölner Kabarettistin Eva Eiselt die heitere Überlegung "Vielleicht wird alles vielleichter." Augenzwinkernd schlüpfte das Energiebündel in verschiedene Rollen: Als Mutter nahm Eiselt die Vaterfigur aufs Korn, als Ehefrau die des Partners und als Großvater die Gesellschaft an sich. Mit der Frage, ob "weniger viel nicht viel mehr" wäre und echte Lebenszeit bei der Suche nach Freizeit, Auszeit, Arbeitszeit, Elternzeit und Urlaubszeit verloren gehe, verließen die Frauen angeregt und schmunzelnd das diesjährige Frauentreffen.

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