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Verantwortungslos oder gut investiertes Geld?
12.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Die Fronten auf dem Pfleiderer-Areal bleiben verhärtet: Während SPD und Freie Bürger die Pläne der Krause-Gruppe gestern Abend einhellig lobten und die städtebauliche Entwicklung für Gernsbach als zukunftsweisend bezeichneten, geißelte die CDU das Verfahren als verantwortungslosen Umgang mit der Natur. Mit ihrer Kritik konnten die Christdemokraten aber nicht verhindern, dass der Gemeinderat den Bebauungsplanentwurf mehrheitlich billigte.

Zunächst ging Lars Petri auf die in der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange eingegangenen Stellungnahmen ein. Der Städteplaner der von der Krause-Gruppe beauftragten Pröll-Miltner GmbH erläuterte die Anregungen und begründete die entsprechenden Abwägungen, die nun zum Teil in den Bebauungsplan "Im Wörthgarten" einfließen, der in einem sogenannten beschleunigten Verfahren zum Satzungsbeschluss geführt werden soll. An Letzterem stören sich Grüne und CDU.

So monierte der anerkannte Natur- und Umweltschützer Stefan Eisenbarth (CDU), dass diese Vorgehensweise eine "verantwortungslose gegenüber der Natur" sei, weil damit keine Eingriffs-Ausgleichsbilanz nötig ist. Folge: Nur die streng geschützten Arten müssen auf der Fläche überprüft werden. Und diese Überprüfung ist laut Eisenbarth sogar noch fehlerhaft: So sei die Untersuchung mit einem Batcorder, einem Gerät zur Luftaufnahme von Fledermäusen, außerhalb der relevanten Zeit erfolgt und das Ergebnis "schlichtweg falsch", so Eisenbarth: "Das vorgelegte Gutachten ist lückenhaft, fachlich fragwürdig und kann daher keinesfalls Grundlage für eine Bewertung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens sein." Eisenbarth klagte zudem darüber, dass ihm bei einem Pressegespräch zum Thema Artenschutz auf dem Pfleiderer-Areal von der Krause-Gruppe der Zutritt auf das Gelände verweigert worden sei. "Dieses Verhalten befremdet doch sehr und ich frage mich, was uns verheimlicht werden soll?"

Weiter kritisierte die CDU die zu erwartende Entwicklung des Verkehrslärms (insbesondere in der Bleichstraße), die ihrer Meinung nach für die zwei geplanten Märkte unzureichend dimensionierten Stellplätze und die ungenügende ÖPNV-Anbindung des Pfleiderer-Areals. Zudem forderte die CDU, "zwingend das Gesamtergebnis der Hochwasserplanung abzuwarten, bevor weitere Fakten geschaffen werden".

Freie Bürger und SPD wiesen die Kritik der CDU teilweise scharf zurück. Volker Arntz (SPD) nannte sie sogar einen "Frontalangriff" auf den Bürgermeister und vermisste den Respekt gegenüber dem Gemeinderat. Es sei schließlich das Gremium gewesen, das dieses Projekt in der jetzigen Form durch seine Beschlüsse auf den Weg gebracht habe - nicht der Bürgermeister alleine. Uwe Meyer (FBVG) meinte, man habe in Gernsbach selten so ein transparentes Bebauungsplanverfahren erlebt. Sämtliche von der CDU in Frage gestellten Gutachten seien in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden erarbeitet worden: "Ich halte das für ein angemessenes Verfahren."

Letztlich fand der Verwaltungsvorschlag, mit dem Bebauungsplanverfahren in die zweite Offenlage zu gehen, eine Mehrheit von 16 zu acht Stimmen. Bürgermeister Julian Christ freute sich darüber, dass nun Licht am Ende des Tunnels sei. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich mit der nun nahen Entwicklung auf dem Pfleiderer-Areal auch die Chance auf einen Neuanfang im Gemeinderat ergebe.

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