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Kein Platz für Trübsal
Kein Platz für Trübsal
14.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gaggenau - Mit dem Klaviertrio Van Baerle kam am Sonntagabend auf Einladung des Kulturrings ein herausragendes junges Ensemble aus den Niederlanden in die Jahnhalle. Im Gepäck hatten Hannes Minnaar (Klavier), Maria Milstein (Geige) und Gideon den Herder (Cello) Perlen der Trio-Literatur von Haydn, Brahms und Schubert.

Eröffnet wurde das Kammerkonzert mit einem Spätwerk von Joseph Haydn, dem Klaviertrio Es-Dur (Hob. XV:30) aus dem Jahr 1796. Es ist eine ausgereifte, von feinen thematischen und harmonischen Verknüpfungen lebende Komposition, die Minnaar, Milstein und den Herder wohltuend frisch wiedergaben.

Geige und Cello gefielen im Kopfsatz mit einem sehr runden und gleichzeitig wunderbar leichten, unbeschwert wirkenden Klang, dem das Klavier in der perlenden Klarheit seiner Tongebung in nichts nachstand. Auch das Andante con moto im leichtfüßigen Dreiachteltakt kam ungeachtet einiger kräftiger Akzentsetzungen nicht zuletzt der Streicher schlank und transparent daher. Attaca ging es in den Finalsatz über, dessen Tempovorgabe Presto das Trio mit Verve und Lust ausgesprochen temperamentvoll umsetzte.

Dem Klaviertrio Nr. 3 c-Moll von Johannes Brahms wird meist eine "düstere Stim mung" attestiert, so auch im Programmzettel an diesem Abend. Beim Trio Van Baerle war davon kaum etwas zu spüren. Stattdessen überzeugten die Musiker mit einer ungemein farbigen, ebenso affekt- wie effektvollen Interpretation, die erstaunlich wenig Platz für Trübsal ließ.

Der Anweisung "Allegro energico" folgend ging es im Kopfsatz mit viel Leidenschaft und Kraft und auch Lautstärke zur Sache, so dass das Trio in seiner Klangfülle zuweilen fast orchestral anmutete. Dass die Musik bei aller Gewalt stets durchhörbar blieb, lag an ihrer klaren Phrasierung, welche auch beim nächsten, wiederum schnellen Satz (dem nur so dahin huschenden "Presto assai") besonders auffiel. Nach dem liedhaften, unschuldig-heiter gestalteten Andante grazioso kontrastierte das rhythmisch sehr pointiert wiedergegebene Finale im ungarischen Gewand umso stärker.

Langer Beifall

und Bravorufe

Den eigentlichen Höhepunkt des Konzerts hatten sich die Musiker für die Zeit nach der Pause aufgehoben: Franz Schuberts großartiges Klaviertrio Nr. 2 Es-Dur. Die Gäste aus den Niederlanden blieben auch hier ihrer Linie treu und gaben dieser hoch romantischen Sehnsuchtsmusik einen frischen, immer wieder erstaunlich modern anmutenden Klang. Der Kopfsatz geriet sehr prägnant mit ansatzlosen Beschleunigungen und Verzögerungen und eben solchen nahtlosen Übergängen zwischen kraftvollem Spiel und zartem Innehalten.

Mehrfach klingt in dem Ende 1817 komponierten Werk die zeitliche Nähe zur "Winterreise" an, so im bewegenden Mollthema des zweiten Satzes, das vom Cello ebenso sanglich wie klar intoniert wurde.

Nach dem beschwingten Scherzando gelang der lange Finalsatz geradezu mitreißend. Das Trio setzte die Satzanweisung "Allegro moderato" recht frei um und schlug fast durchweg ein sehr hohes Tempo an, was dem musikalischen Erleben aber keinesfalls schadete: Der damit einhergehende Schwung ließ die sanften Momente wie das wiederkehrende Mollmotiv aus dem zweiten Satz umso deutlicher hervortreten.

Das Publikum reagierte mit langem, lebhaftem Beifall und einzelnen Bravorufen auf diese spannende und geglückte Werkinterpretation. Bei der fälligen Zugabe zeigte sich das Van Baerle Trio dann von einer ganz anderen Seite: Das für Klaviertrio bearbeitete Stück aus den kanonischen Studien von Robert Schumann war Romantik pur.

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