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100 Betten und Personal fehlen
18.03.2019 - 00:00 Uhr
Murgtal - Der Dehoga-Verband Murgtal hat sich vergangene Woche nicht ganz aufgelöst - aber die 78 Mitglieder schlossen sich dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Rastatt an. Bis auf den Vorsitzenden Ludwig Großmann wollte kein Vorstandsmitglied mehr im Amt bleiben (das BT berichtet e). Mit dem 66-Jährigen, der im Weisenbacher Ortsteil Au die "Krone" betreibt, unterhielt sich BT-Redakteur Hartmut Metz über die Konsequenzen für die Hotellerie und Gastronomie zwischen Bad Rotenfels und Forbach.

BT: Herr Großmann, es ist bei der Dehoga Gernsbach einsam um Sie geworden.

Großmann: Ja, die gesamte Vorstandschaft außer mir ist zurückgetreten. Aber immerhin kamen 23 Leute zu unserer Versammlung. Die vielen neuen Gesichter darunter freuten mich, weil in den letzten Jahren kaum einer zu den Sitzungen kam. Seit fünf Jahren luden wir daher auch zu keiner Jahreshauptversammlung mehr ein, seit gar zehn Jahren fanden keine Wahlen mehr statt. Das war demotivierend und macht einem persönlich zu schaffen, wenn keine Resonanz da ist, obwohl wir etwas bewegen wollten und unsere Mitgliederzahl ziemlich konstant blieb. Daher sagten wir 2018: Jetzt ist Feierabend, es muss eine Lösung her.

BT: Die darin bestand, sich der Dehoga in Rastatt anzuschließen?

Großmann: Ja. Für die Rastatter ist das nicht viel mehr Arbeit. Der Vorsitzende Frank Hildenbrand sah daher darin kein Problem und alles war schnell in trockenen Tüchern. Ich hatte auch schon mit seinem Vorgänger Gerd Söllner über einen möglichen Zusammenschluss gesprochen. Wir arbeiteten in der Vergangenheit ja auch häufiger zusammen, etwa bei Veranstaltungen wie Hygieneschulungen. So war garantiert, dass eine ausreichende Zahl an Interessenten teilnahm.

"Die Tür ist nicht zu"



für Dehoga Murgtal

BT: Die Dehoga Murgtal befindet sich nun in der Abwicklung?

Großmann: Die Tür ist noch nicht ganz zu! Ich mache ja als Vorsitzender weiter. Sollten sich neue Interessenten finden für die Ämter, bestünde eine kleine Chance, unsere Dehoga zu reaktivieren.

BT: Wieso machen Sie weiter, obwohl Sie im Rentenalter sind mit 66?

Großmann: Es macht auch Spaß, und man nimmt in den Gesprächen mit den Kollegen immer mal etwas mit, was dem eigenen Betrieb nutzt. Künftig hält sich der Aufwand für mich mit den Beiratssitzungen in Grenzen. Zuvor war es aber häufiger intensiv, ja, manchmal zu viel. Wir stellten früher einiges auf die Beine. Die zwei Lichterfeste in Gernsbach waren zum Beispiel eine Riesensache.

BT: Sie bieten in Au in der "Krone" auch Zimmer an. Hat der Tourismus Ihrem Empfinden nach zugelegt im Murgtal?

Großmann: Ja, das merkt man auf jeden Fall. Dabei begeistern sich viele für das enge Tal. Wir müssen uns vor niemandem verstecken. Wenn ich in Karlsruhe Werbung auf dem Marktplatz machte, wussten selbst Karlsruher oft nicht, wo das Murgtal liegt und dass es so wunderschön und so nah ist! Ich sehe es problematisch, dass der Zweckverband "Im Tal der Murg" von Baiersbronn aus gesteuert wird. Die haben bis heute kein Gespräch mit unserer Dehoga gesucht. Wir können nicht mit Baiersbronn mithalten, schon allein von der Bettenzahl her nicht. Die haben ein Riesenpotenzial.

BT: Vor allem die Sterne-Küche ist natürlich berühmt und ein Zugpferd.

Großmann: Wir bräuchten mehr Angebote. Bei uns fehlen rund 100 Betten in Hotels. Hätte ich das einst geahnt, hätte ich die "Krone" um sechs, sieben Zimmer vergrößert. Schade, dass die "Brückenmühle" in Gernsbach nichts wurde mit Wellness. Derlei fehlt uns. Ich hoffe, dass der "Grüne Baum" nun wieder regelmäßig in Weisenbach aufbleibt. Die haben vielleicht den Vorteil, dass sie direkt an der Straße liegen und so zusätzliche Radfahrer und weitere Gäste anziehen.

BT: Mountainbiker und Wanderer gelten als Zielpublikum.

Großmann: Ohne Zweifel haben wir ein richtig schönes, wildromantisches Tal. Mit dem Fahrrad ist es hier herrlich mit den gebirgsartigen Anstiegen. Allerdings kann der Zulauf trotzdem nicht verhindern, dass viele wegen des Personalmangels erst am Abend aufmachen und im Winter gleich zwei Ruhetage einlegen.

Interview

BT:
Mittags lohnt es sich kaum mehr?

Großmann: Das Problem sind eher die gesetzlichen Vorgaben, die dazu führen, dass wir nicht mehr genügend Personal finden, das alle Stoßzeiten abdecken kann. Wenn du nur zwei Kräfte hast, kannst du nur abends aufmachen. Daher schließen viele mittags gleich. Ohnehin kommen die Radfahrer erst ab 13.30 oder gar 14 Uhr zum Essen.

BT: Der Nachwuchsmangel in der Gastronomie führt ebenso zum Sterben vieler Kneipen und Restaurants. Sie und Ihre Frau Waltraud suchen schon länger Nachfolger für die "Krone".

Großmann: Ich kann es niemand verdenken, wenn er bei den Arbeitszeiten und der herrschenden Bürokratie lieber etwas Anderes macht. Dabei bieten wir im Tourismus nachhaltige Arbeitsplätze, die nicht durch Roboter dereinst wegrationalisiert oder ins Ausland verlagert werden können.

BT: Sie scheinen kein Konkurrenzdenken zu besitzen - selbst wegen zusätzlicher Unterkünfte.

Großmann: Ich fände es super, wenn beim "Grünen Baum" neue Betten gefüllt werden. Wir sind eigentlich gut ausgelastet. Bei der Dehoga-Sitzung betonten wir zudem alle extra, dass wir uns unterstützen wollen. Wir in der "Krone" schaffen zum Beispiel mit allen Betrieben zusammen. Sind wir ausgebucht, schicken wir Interessenten dorthin und umgekehrt genauso.

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