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Übermäßiges Zocken meist Erziehungsproblem
Übermäßiges Zocken meist Erziehungsproblem
22.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Die Resonanz zeigte die große Bedeutung des Themas: Auf Einladung der Schulsozialarbeiter des evangelischen Mädchenheims kam Bestsellerautor Thomas Feibel am Mittwochabend in die Gernsbacher Stadthalle und gab Tipps, wie Eltern der erzieherischen Mammutaufgabe bezüglich des Umgangs mit Tablets und Smartphones gerecht werden können. Klare Botschaft: "Wenn Kinder extensiv Zocken, ist es meist keine Sucht, sondern ein Erziehungsproblem."

Die Stühle im großen Saal der Stadthalle waren voll besetzt, einige mussten zusätzlich aufgestellt werden. Feibel, führender Journalist in Sachen "Kinder und Neue Medien" in Deutschland, traf auch bei den Eltern im Murgtal auf großes Interesse. Und das, obwohl er sich vorkam "wie in einem großen Funkloch", scherzte der Berliner mit Mannheimer Wurzeln angesichts des teils bescheidenen Handyempfangs im Nordschwarzwald. "Von daher haben Sie ja Glück!"

Seinen ganzen, rund zweieinhalb Stunden dauernden Vortrag spickte Feibel immer wieder mit authentischen Gags, die seine eigene Familie nicht aussparten. Der Vater von vier Kindern hält in seinem neuen Elternratgeber "Jetzt pack doch mal das Handy weg!" der Gesellschaft den Spiegel vor - charmant und ohne erhobenen Zeigefinger. Das kam gut an bei den Murgtälern, die größtenteils als Eltern von Kindern in weiterführenden Schulen in die Stadthalle gekommen waren.

Was den vernünftigen Umgang mit dem Handy anbelangt, haben sicher auch viele von ihnen noch einiges an Nachholbedarf. So klingelte schon während der Begrüßung von Bürgermeister-Stellvertreterin Sabine Katz das erste Telefon in den Zuschauerreihen. Danach kam es aber nicht mehr zu einem solchen Unterbrecher - gebannt lauschten die Gäste den Ausführungen Feibels und erfuhren teilweise Erstaunliches über die sogenannten Neuen Medien.

Längst hat das Smartphone zu einer Veränderung im Verhalten und Denken der Menschen geführt. In fast jeder Lebenssituation sind viele heutzutage mit dem Touchscreen beschäftigt. Nicht selten stört der dauerhafte Blick auf das Handy den Bezug zur Umgebung und zum Alltag nachhaltig - längst nicht nur bei Kindern und Jugendlichen: "Zum ersten Mal in der Geschichte der Medien verlangen wir von unseren Kindern etwas, das wir selber nicht können - widerstehen", sagte Feibel: "Vorbild sein ist ganz, ganz schwierig."

Der Experte klärte auch über Risiken und Gefahren der Nutzung auf. Schließlich sei das Handy mittlerweile der neue Geldbeutel. Und der ist (unter anderem) Ziel vieler Online-Computerspiele, für die insbesondere junge Menschen anfällig seien. Im Gegensatz zu klassischen Brettspielen, die Feibel als Kommunikationsöffner bezeichnet und die er explizit empfiehlt, übten diese Computerspiele Druck auf die Spieler aus, in dem sie zum Beispiel Nachrichten auf Handy oder Tablet schicken wie "Dein Dorf wird angegriffen". Deshalb rät Feibel auch dazu, die Signaltöne solcher Spiele zu deaktivieren und entsprechende Nachrichten auf dem Sperrbildschirm rauszunehmen.

Auch das Thema Whatsapp nahm breiten Raum ein in seinem Vortrag. Dem Dauerchat könne man zum Beispiel handyfreie Zeiten und Zonen (Lernen, Essen, Schlafzimmer) entgegensetzen. Am wichtigsten sei aber die Aufklärung, etwa was mit Fotos erlaubt ist und was nicht. "Whatsapp ist kein Kinderprogramm", betonte Feibel, gleichwohl warnte er davor, heimlich die Handys der Kinder zu kontrollieren. Vielmehr sollte man klare Regeln aufstellen - zum Beispiel für Whatsapp-Gruppen.

Der Applaus am Ende des kurzweiligen Vortrags war groß, im Foyer gingen viele Bücher des Autors über den Tresen. Und das Team der Schulsozialarbeit freute sich, mit Feibel einen gewinnbringenden Gast eingeladen zu haben.

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