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Die Liebe zur Musik fast so ausgeprägt wie die zu Gott
Die Liebe zur Musik fast so ausgeprägt wie die zu Gott
29.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Loffenau - "Mit der Heilig-Kreuz-Kirche haben wir großes Glück. Diese Kirche ist außerordentlich schön und liebevoll renoviert. Das zeigt, wie engagiert die Gemeinde hier ist", gerät Florian Lampadius ins Schwärmen und überschlägt sich, "Loffenau ist auch landschaftlich schön mit seinen Spazierwegen."

Angesichts des überschwänglichen Redeflusses wird schnell klar: Der neue evangelische Pfarrer hat sich bereits unsterblich in Loffenau verliebt, obwohl seine Investitur erst ansteht. Am Sonntag beginnt der Festgottesdienst um 14.30 Uhr mit Dekan Joachim Botzenhardt, dem evangelischen Kirchenchor, dem Chörle, dem Musikverein und Kindern des evangelischen Kindergartens.

Im Anschluss an den Gottesdienst lädt die Kirchengemeinde um den Vorsitzenden Günther Mungenast zu einem kleinen Festakt im Gemeindehaus ein - schließlich sind die rund 1 100 Protestanten im Ort auch glücklich, dass die Vakanz im Pfarrhaus nur acht Monate währte. "Normal dauert es ungefähr ein Jahr plus, bis heutzutage eine Stelle neu besetzt ist", berichtet Lampadius. Dabei gehe es bei "Stadtgemeinden schneller als bei Landgemeinden, die auch eineinhalb Jahre plus warten müssen".

Doch dass es in Loffenau rasend schnell ging, liegt wohl an der Liebesbeziehung des 52-Jährigen zu der "attraktiven Gemeinde". Im hohenlohischen Ellrichshausen, wo er seit 2012 wirkte, wurde der Priester auf die neue Stelle vor allem wegen der Musik aufmerksam. So begeistert wie Lampadius sein Waldhorn und sein Euphonium im Eingangsbereich des Pfarrhauses präsentiert und dem Gast etwas vorbläst sowie die Klangschalen, die Stimmgabel und einen Gong erklingen lässt, erahnt selbst der musikalisch Unbeleckte: Seine Liebe zur Musik muss fast so ausgeprägt sein wie die zu Gott.

Eine perfekte Symbiose findet der passionierte Musiker in seinem neuen Gotteshaus, die eine Orgel von besonderem Klang beherbergt. Die Akustik "probierte" er gleich nach seiner Ankunft aus. Die "tolle Orgel" und die Konzerte in der Heilig-Kreuz-Kirche verstärkten den Drang des Pfarrersohns, jetzt den beruflichen Wechsel anzustreben. "Die Orgel atmet - wir sind alle atmende Geschöpfe", vergleicht der Vater der 23-jährigen Johanna, die in Helsinki Bratsche studiert, und kündigt daher auch "Aufatmen-Gottesdienste" in naher Zukunft für seine Gemeinde-Schäflein an.

Seinen zweiwöchigen Urlaub vor der Investitur nutzte der Nachfolger von Willi Ratz bereits ausgiebig zum Einleben: "Ich war schon bei allen drei Chören, sogar beim katholischen. Und beim Chörle habe ich mich auch eingesungen", erzählt Lampadius mit leuchtenden Augen, dass er "herzlich aufgenommen worden ist". So weiß er schon, was ihn am Sonntag beim offiziellen Empfang musikalisch erwartet. "Ich habe ja mitgeprobt." Lampadius wird selbst eifrig mitschmettern. "Nur beim Musikverein nicht, weil er auf der Empore spielt" - vom Altar aus kann die Hauptfigur natürlich während der Messe schlecht mit wallendem Talar nach oben stürmen.

In Loffenau erwartet Lampadius eine "höhere Arbeitsintensität" als in seiner alten Gemeinde, die nur 1 100 Einwohner, darunter 700 Protestanten, zählte. Bange ist ihm nicht davor. "Für mich ist nur die Vorbereitung von Gottesdiensten Arbeit. Gottesdienste selbst halte ich sehr gerne." Und Stress mit der kirchlichen Konkurrenz hat der 52-Jährige offensichtlich auch keinen. "Ökumene ist mir wichtig", berichtet er von ersten Kontakten zu den Katholiken und Methodisten sowie Gesprächen mit den Kindergarten-Betreuerinnen. Zudem outet er sich als "großer Freund des Loffenauer Weltladens". Einen treuen Kunden mehr werden sie ab jetzt haben, trägt der Herr Pfarrer doch gerne Kleidungsstücke wie seine Fairtrade-Strickweste und die Mütze-Schal-Kombination aus bolivianischer Alpaka-Wolle.

Im Pfarrhaus dominieren im Eingangsbereich neben den Instrumenten Friedenssymbole aus aller Welt. "Friedensgebete und einen Friedenskreis" möchte Lampadius einführen. Nomen est omen gilt bei ihm: Jakob Lampadius stand während des Dreißigjährigen Krieges als Vizekanzler in Diensten von Herzog Georg von Braunschweig-Kalenberg und vertrat ihn als einer der protestantischen Wortführer 1643 auf dem Westfälischen Friedenskongress in Osnabrück.

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