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Weisenbacher Werkrealschule droht "auszulaufen"
Weisenbacher Werkrealschule droht 'auszulaufen'
30.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Weisenbach - Die Schulsozialarbeit an der Johann-Belzer-Schule trägt Früchte. Peter Marx erhielt am Donnerstagabend nach der Präsentation seiner Aktivitäten viel Lob und Applaus vom Gemeinderat gespendet. Das Gremium genehmigte daher gerne einstimmig 15 800 Euro, um seine halbe Stelle auch im Schuljahr 2019/2020 über den Caritasverband zu finanzieren.

Am Rande des Kurzberichts sickerte jedoch mehr als ein Wermutstropfen durch: Konrektorin Elke Fanselau, die für den erkrankten Rektor Oliver Hintzen die Arbeit von Marx pries, überbrachte eine Hiobsbotschaft. Nach dem Vortrag erzählte sie, dass bis dato nur acht Anmeldungen für die fünfte Klasse vorliegen. Um den Fortbestand der Werkrealschule zu sichern, müsste die Zahl doppelt so hoch sein.

Das Staatliche Schulamt ist zwar froh um jeden Schulstandort, wie Schulamtsdirektor Wolfgang Held einst gegenüber dem Badischen Tagblatt betonte - aber ein Auslaufen der Werkrealschule wird sich kaum mehr vermeiden lassen, wenn die Sollzahlen nicht erreicht werden und die jetzige fünfte Klasse ihren Abschluss nach der zehnten Klasse gemacht hat. Das Schulamt in Rastatt war gestern nicht für eine aktuelle Stellungnahme zu erreichen. Das wäre ein Rückschlag für den Schulstandort ausgerechnet im Jubiläumsjahr, wurde doch die 1969 fertiggestellte Johann-Belzer-Schule vor exakt 50 Jahren bezogen. Der Bestand der Grundschule ist in diesem Zusammenhang nicht gefährdet. Aber die Zahl der zuletzt rund 150 Schüler wird ohne Ältere weiter sinken. Fast die Hälfte bringt die Werkrealschule derzeit ein.

Dass ihr Ende ohne die 16 Neuanmeldungen wohl unvermeidlich ist, lässt sich auch aus einer abschließenden Bitte von Marx an den Gemeinderat implizieren: Der Schulsozialarbeiter wünscht sich ein zeitiges Signal, sollte seine Stundenzahl reduziert werden müssen, um sich beruflich "neu orientieren zu können" - auch wenn Konrektorin Fanselau der Ansicht ist, dass für ihn auch an einer reinen Grundschule genügend zu tun sei, denn: "Die Themen werden immer jünger", berichtete Marx von der zunehmenden früheren Entwicklung der Kinder. "Die Medienprävention würde ich gerne an der Grundschule erweitern. Wenn es die Eltern nicht machen, mache ich es halt", nannte er ein konkretes Beispiel.

Vom hohen Bedarf an einem Schulsozialarbeiter zeugen Projekt- und Präventionsarbeiten sowie 192 Beratungsgespräche, die Marx von Mitte April 2018 bis Mitte März 2019 führte. Während die Berufsorientierung kaum ein Thema sei, weil Volker Harbrecht bei den Ältesten nach Meinung von Marx "als Klassenlehrer eine super Arbeit macht", drehte sich knapp ein Fünftel der Gespräche um die Familie. "Plötzlich geht es in Beratungsgesprächen nicht mehr um den Schüler", erzählte Marx schmunzelnd, dass er derlei auch nutze, um mehr Hintergrundwissen über die Familie seiner Eleven zu sammeln.

"Kuhhandel" und



"kaputte Klassen"

In etwa jedem vierten Fall geht es um Verhalten, bei 30 Prozent stehen Konflikte an der Schule im Mittelpunkt. Die gemeinsame "fünfte und sechste Klasse ist groß und unruhig". Aber die Gewaltprävention sei "nicht nur ein Thema in Weisenbach". Zusammen mit einem externen Kollegen ging Marx einen besonders schweren "Mobbingfall eines naiven Mädchens" an, der mit ihrer "Klasse super gelöst wurde".

Am aufsehenerregendsten war jedoch ein Schulausschluss wegen Drogen in der neunten Klasse. "Für uns sind Drogen noch etwas Besonderes - an anderen Schulen kommt derlei wöchentlich vor", wollte Marx dies aber nicht überdramatisieren. Fast noch paradiesische Verhältnisse herrschen allerdings in Weisenbach, schimmerte bei seiner Klage durch, dass andere Schulen - explizit nannte Marx die Ottenauer Merkurschule und die Karlschule in Rastatt - Problemschüler nach Weisenbach verwiesen, weil sie an den "großen Schulen" nicht zurechtkämen. "Ein, zwei Kinder sind noch zu integrieren. Ab drei, vier wird es problematisch. Die machen die Klassengemeinschaft kaputt", betonte er. Viele Schüler wandelten sich durchaus im beschaulichen kleinen Weisenbach. "Aber das dauert eben länger." Dass die Problemschüler, die "keiner will", nicht einfach abzuweisen sind, weil dann andere angenommen werden müssten, machten Marx und Fanselau deutlich, dass sie zu manchem "Kuhhandel" genötigt würden.

Nach dem Applaus für Marx betonte Marius Eisele (CDU) zusammen mit anderen Ratskollegen: "Ihre Arbeit ist dringender denn je. Machen Sie diese weiter. Der Schule tut es gut, dass Sie jetzt kontinuierlich dabei sind."

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