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Von der Mode zur Plane für den Unimog
Von der Mode zur Plane für den Unimog
02.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Michael Wessel

Gaggenau/Leutenheim - Reduzierung auf Kernbereiche ist bei Daimler keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Arbeitsplatzabbau hier kann Chancen woanders bedeuten. Jean Marie Jung ist ein Beispiel dafür.

Mitte der 90er Jahre stand im Mercedes-Benz Werk der Unimog-Bereich unter enormem Kostendruck. Eine von mehreren Maßnahmen war die Reduzierung der Fertigungstiefe. Vieles, das wie selbstverständlich selbst gefertigt oder montiert wurde, stand auf dem Prüfstand. Dies betraf auch die Sattlerei, in der in erster Linie Planen und Verdecke für den Unimog und Lastwagen genäht wurden. In diesem Zusammenhang wurde Mitarbeiter Jean Marie Jung im September 1995 gefragt, ob ihm im Elsass Firmen bekannt seien, die Planen fertigen könnten.

Besorgt um seinen Arbeitsplatz erzählte er dies seiner Frau Marie Ange, die spontan fragte: "Warum machst du das nicht selbst?" Damit ging alles ganz schnell: Daimler stellte die kostenlose Übergabe aller Nähmaschinen in Aussicht. Die elsässische Gemeinde Leutenheim erteilte sofort die Baugenehmigung, und nach fünf Wochen Planung erfolgte noch im Oktober der erste Spatenstich. Schon zwei Monate später, am 12. Januar 1996, verließ ein Lkw mit der ersten Lieferung von Unimog-Planen und Radabdeckungen für Lastwagen an das Zentralersatzteillager von Daimler in Germersheim den Hof.

In den letzten Wochen des Jahres 1995 hatte Sohn Emmanuel noch Gelegenheit, sich in Gaggenau in das Nähen von Unimog-Planen einarbeiten zu lassen, bevor die Maschinen nach Leutenheim transportiert wurden.

Im ers ten Jahr konnte das überschaubare Programm mit Frau Marie Ange, Tochter Barbara sowie zwei Näherinnen bewältigt werden. Eine dieser Näherinnen, Denise Hindenlang, ist heute noch im Betrieb tätig.

Anfangs führte die Familie gemeinsam den Betrieb. Dabei hatten sie in dem sehr früh verstorbenen Buchhalter Jean-Marc Schneider eine wertvolle Stütze. Seit 2007 haben die Kinder Barbara Wüst und Emmanuel Jung die Verantwortung allein übernommen. Der Name Jung & Fils wurde beibehalten.

Das Produktionsprogramm wurde erweitert - hin zu Abdeckungen und Schutzvorrichtungen - primär für Daimler und Porsche. Im Extremfall müssen Schutzvorrichtungen auch kurzzeitig Hitze mit bis zu 1 600 Grad widerstehen.

Einen Großteil der Fertigung, die von 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewältigt wird, machen Mehrwegbehälter für empfindliche Produkte zwischen verschiedenen Montagestandorten aus. Viele "Erlkönige" kamen mit Planen von Jung & Fils "unter die Haube".

Planen, Verdecke, Hebelabdichtungen und Sitzpolster für Unimog oder Lastkraftwagen machen heute nur noch etwa zehn Prozent des Umsatzes aus. Derzeit sind eine räumliche Erweiterung der rund 1 000 Quadratmeter Produktionsfläche ebenso geplant wie die Belieferung weiterer Großkunden.

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