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"Ich gehe gern mit dem
03.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Barbara Gutmann

Gaggenau - Sein Wirken in Gaggenau ist vielschichtig. Als ehemaliger Lehrer am "Goethe", als langjähriger Kulturring-Vorsitzender, vor allem aber als Heimatforscher hat sich Ulrich Behne einen Namen gemacht, auch durch Vorträge und Publikationen als Historiker der Lokalgeschichte. Mit seinem Forschen zur jüdischen Gemeinde und Geschichte von Gaggenau hat er in seinem kürzlich erschienenen Buch neue Impulse gesetzt. Heute Abend wird sein Wirken bei einem Empfang anlässlich seines 80. Geburtstags in der Stadtbibliothek Gaggenau gewürdigt.

Seit der Übernahme des Kulturring-Vorsitzes durch Claudia Abraham im Jahr 2011 fühlte sich Behne nach acht Jahren erst so richtig im wohlverdienten Ruhestand (offiziell seit 2003) angekommen, um sich nun zielstrebig in seine lange geplanten Buchprojekte hineinzuknien. Fünf Bücher hat der passionierte Historiker geschrieben, drei davon im vergangenen Jahrzehnt.

Erst kürzlich ist sein jüngstes und ihm wohl wichtigstes Werk erschienen, "Verstreute Spuren - Verblasste Erinnerungen" (wir berichteten). Auf berührende und spannende Weise arbeitet es die Geschichte der Juden in Hörden, Gaggenau und Rotenfels auf, mit detaillierten historischen Hintergrund-Recherchen und Zeitzeugen-Gesprächen, die er als Projektarbeit mit den Schülern des "Goethe" führte. Vor allem ist es der Rotenfelser Arzt Dr. Meyerhoff, auf dessen Spuren sich der Autor begeben hat. Wodurch dann - ausgelöst durch das bekannte "Stolperstein"-Projekt - so beglückende Kontakte zur amerikanischen Familie des jüdischen Arztes geknüpft wurden.

Zur Umbenennung der Bruchgrabenstraße in die "Dr. Isidor-Meyerhoff-Straße" im vergangenen April waren 20 Enkel, Ur- und Ururenkel angereist. Diese beschenkte er persönlich mit einem speziell für die Familie aus dem Buch ausgekoppelten englischsprachigen Band der Geschichte ihres Ahnen in einer kleinen Auflage.

Schon immer war es Behne ein besonderes Anliegen, die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger wachzuhalten. Über "das Schicksal der jüdischen Gemeinde zu Vechta" hatte er schon ein akribisch recherchiertes Werk verfasst, das ihn nach 50 Jahren in die Stadt seiner Jugend zurückführte. "Ich liebe es, in den Archiven zu stöbern", sagt er schmunzelnd, was er auch für ein weiteres Buchprojekt tat über die evangelische Kirchengemeinde in Gaggenau, angeregt durch Helga Lamm-Gielnik, der früheren Pfarrerin der Markusgemeinde. Auch "Auf den Spuren der Gaggenauer Industrie-Pioniere" und "Auf den Markgraf-Wilhelm-Wegen" in Bad Rotenfels war er als Stadtführer ebenso viele Jahre mit der ihm eigenen Gründlichkeit unterwegs.

Behne genießt sichtlich diese kreative Lebensphase: "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit und glücklich, wenn etwas dabei herauskommt. Ich fühle mich frei und kann mir meine Zeit selbst einteilen." Wehmut nach seinem beruflichen Wirken? "Ich bin gerne Lehrer gewesen, aber wenn ich die heutige Entwicklung an den Schulen sehe, mit ihren ständigen Reduzierungen der Leistungsanforderungen..." - er beendet den Satz nur mit Kopfschütteln.

Eine große Kraftquelle findet der Jubilar in seinem weiteren Interessengebiet, der geistlichen Chormusik als Sänger im Kirchenchor St. Laurentius. Auch seine umfangreiche Musikaliensammlung ist stets in Betrieb. Dass er mit 80 noch so fit und gesund für all seine Vorhaben ist, sei keine Selbstverständlichkeit: "Dankbarkeit vor allem ist mein Grundgefühl."

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