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"Immer schwieriger, Feuerwehrleute zu finden"
'Immer schwieriger, Feuerwehrleute zu finden'
06.04.2019 - 00:00 Uhr
For bach - "Die Feuerwehren im Landkreis Rastatt - eine starke Gemeinschaft": Mit dieser Aussage hat sich der Kreisfeuerwehrverband Rastatt im vergangenen Jahr neu aufgestellt und für die Zukunft gut positioniert. In einer kreisweit angelegten Kampagne wirbt er für Nachwuchs für die Feuerwehren im Landkreis Rastatt. Über die Ziele des Verbandes sprach Verbandsvorsitzender Jürgen Segewitz mit BT-Mitarbeiterin Anne-Rose Gangl.

BT: Herr Segewitz, Sie sind seit zwei Jahren Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Rastatt. Was bedeutet für Sie Verbandsarbeit?

Jürgen Segewitz: Der Verband vertritt 23 Gemeindefeuerwehren und zehn Werkfeuerwehren mit insgesamt 4 736 Mitgliedern. All diese Menschen und Feuerwehren bilden eine Einheit, eine starke Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Logo. Feuerwehr bedeutet nicht nur Material; vielmehr stehen die Menschen im Mittelpunkt, und da ist der Verband als Interessensvertreter, als Mittler zu Kommunen und auch zum Arbeitgeber gefragt. Wichtig ist mir dabei die enge Zusammenarbeit mit dem Kreisbrandmeister, wodurch Synergien entstehen, die für die gemeinsame Arbeit von Vorteil sind.

Interview

BT: Wie stark ist diese Gemeinschaft noch in einer Zeit, in der viele Menschen nicht mehr für ein Ehrenamt zur Verfügung stehen wollen?

Segewitz: Noch können wir im Landkreis eine relativ gute Besetzung sicherstellen. Aber es ist richtig, es findet ein Generationenwechsel statt und es wird immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich in diesem besonderen Ehrenamt Feuerwehr einbringen wollen. Die große Hoffnung liegt in der Neubürgerarbeit, die im Landkreis sehr gut läuft, und in der Jugendarbeit. Wir hoffen natürlich, dass alle in den Kinder- und Jugendfeuerwehren Aktiven in die Einsatzabteilungen übernommen werden können, doch auch hier gibt es heutzutage vielerlei Herausforderungen wie Ausbildung, Studium, Beruf, Familie.

BT: Wie kann bei einem Wegzug die Einbindung in eine andere Feuerwehr gelingen?

Segewitz: Wichtig ist, dass bei einem Wegzug der Feuerwehrkommandant die Infos an den Verband weitergibt. Fremd und allein ist ein Feuerwehrmann nirgends auf der Welt, denn die Feuerwehrfamilie ist international. Das Vertrauen, das gemeinsame Miteinander, das Meistern von Situationen, in denen man anderen Menschen helfen kann, das schweißt zusammen, das ist gelebte Teamarbeit. Und dieser Teamgeist ist die Grundlage einer jeden Feuerwehrarbeit.

BT: Ist es richtig, dass die Tagesverfügbarkeit die Feuerwehren zunehmend vor eine Herausforderung stellt?

Segewitz: Ja, das ist richtig. Heute müssen sogar schon benachbarte kommunale Feuerwehren gemeinsam zum Einsatzort ausrücken, weil die Einsatzkräfte nicht immer am Ort ihren Arbeitgeber haben.

Feuerwehrmänner



sind gute Mitarbeiter

BT: Sind Unternehmen heute weniger bereit, ihre Arbeitnehmer für Einsatzdienste freizustellen?

Segewitz: Teilweise ist das nachvollziehbar, denn aus Kostengründen wird am Personal gespart. Einen finanziellen Nachteil hat der Arbeitgeber durch die Freistellung seines Mitarbeiters für einen Einsatz nicht, denn die Kommunen erstatten die Lohnfortzahlung einschließlich der anteiligen Sozialabgaben. Einzig die Produktivität des Mitarbeiters fehlt ihm. Auch hier sieht sich der Verband stark gefordert im Interesse der Feuerwehren. Wir streben an, Gespräche am Runden Tisch mit Vertretern aus dem Handwerk, dem Mittelstand und der Verwaltung zu führen. Es kann nicht sein, dass ein Feuerwehrmann, der anderen Menschen helfen möchte, eher Nachteile im Beruf, ja sogar schon bei einer Bewerbung hat. Dabei sollte jeder Arbeitgeber bedenken, dass er durch diesen Mitarbeiter einen Mehrwert hat, denn dieser hat technisches Verständnis, Teamfähigkeit und die Grundlagen der Führungseigenschaften. Das sind doch eigentlich alles Eigenschaften, die der Arbeitgeber heute sucht.

Einsatznachsorgeteam



eingerichtet

BT: Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer künftigen Arbeit?

Segewitz: Anlässlich eines Seminars im Feuerwehrhotel am Titisee mit allen Kommandanten haben wir zum ersten Mal definiert, wie sich künftig das Feuerwehrwesen im Landkreis Rastatt zwischen Verband und technischer Aufsicht entwickeln soll. Daraus entstand eine künftige Ausrichtung, ein modifiziertes Leitbild, die Überarbeitung der Ehrungsregularien mit Sicht auf besondere Wertschätzung und die kreisweite Kampagne der Mitgliedergewinnung. Zudem haben wir beschlossen, die Feuerwehrfamilien im Landkreis Rastatt bei gemeinsamen Ausflügen und Veranstaltungen zusammenzuführen. Ein erster gemeinsamer Ausflug führte uns 2018 in den Europapark nach Rust. Sehr ernst nehmen wir das Thema Betreuung der Einsatzkräfte nach besonderen Einsätzen, weshalb wir das Fachgebiet Einsatznachsorgeteam eingerichtet haben. Ein besonderes Anliegen ist uns auch das Thema Ausbildung auf Kreisebene vonseiten des Kreisbrandmeisters, mit dem wir sehr gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und wollen gemeinsam für das Feuerwehrlöschwesen im Landkreis Rastatt viel bewegen.

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