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Das Lachgrauen namens Oropax
Das Lachgrauen namens Oropax
06.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Gaggenau - Drei Vorpremieren an drei aufeinanderfolgenden Tagen, jeweils in Windeseile ausverkauft, das schafft nur das Chaostheater Oropax - und das schon seit Jahren. Einer der Gründe ist sicher der in der klag-Bühne gewährleistete Hautnah-Kontakt zum Testpublikum. Folglich fällt jede der sogenannten Experimental Shows der neuen 2019er-Show von Oropax garantiert anders aus. Damit ist das Phänomen Oropax aber noch lange nicht erklärt. Nur eines steht fest: Das Lachgrauen hat einen Namen, so auch zum Auftakt am Donnerstagabend.

Nachweisbare Belege für die Wirkung der Freiburger Brüder Volker und Thomas Martins liegen auf der Hand: Improvisationschaos, Sprachspielwitz, schier grenzenloser Ideenreichtum und Ekelnummern tanzen gnaden- und hemmungslos Ringelreihen. Der quietschbunte Kindergeburtstag für Erwachsene reißt hin und mit, entsetzt im einen Moment, um im nächsten einen nicht unterdrückbaren Gelächterkitzel zu provozieren. Das Fazit der ersten Experimental Show vorneweg: Viele Nummern sind ausbaufähig, gleichwohl wurde die Bühne mit einem gewaltigen Kicherbeben überzogen. Und: Die beiden Extremkomiker haben immer noch ebenso viel Spaß an ihren Chaosumtrieben, seien es die spontanen als auch die verpatzten, wie das Publikum selbst.

Zeit zum Verschnaufen bleibt kaum. Kaum hat Gräfin Thomas sich in einer ausladend-freizügigen Robe in Knalltürkis durch die Zuschauerreihen gekämpft, tobt oben auf der Bühne sprachwildes Lokalkolorit in Reimform. Ortsnamen werden in einen neuen Zusammenhang gestellt, die zwei haben sich vorher kundig gemacht. Countertenor Volker macht der Lady ehrerbietend die Prinzenrolle, ohne mit Anzüglichkeiten zu sparen. Die Renaissance, pardon 500 Jahre Oropax, wird ungestüm gefeiert.

Die Rollenverteilung ist nach wie vor dieselbe. Man wusste, einer der beiden ist doof, aber nicht, welcher. Heute weiß man laut Volker, dass einer der beiden doof ist und der andere eine Glatze hat - wie Volker. Was die umwerfenden Mimikturbulenzen von Thomas angeht, kann man ihm durchaus Recht geben.

Die Materialschlacht ist so gigantisch wie die Kostümvielfalt schrill, von der zwerchfellschädigenden Situationskomik einmal ganz abgesehen. Als B-Bär und Biberbutzemann kämpfen sie mit ihren überdimensionalen Nagezähnen, als Opfer muss der eine im Ha(a)rem des Starfigaros Andrew Gyn herhalten. Zum Schreien komisch die Nummer, in der Beauty-Retter Thomas den aufgepumpten Ronny S. ("weil ich roh nie ess'") mit Föhn-Strom aus Wasserkraft im Wortsinn vermurgst.

Für keine schlüpfrige Pointe zu schade

Erwartungsgemäß schleicht sich auch der legendäre Mönch wieder hinterrücks ins Geschehen. Diesmal als Mönchin, die gerne in Gaggenau studieren möchte, "weil ich die Uni mog", während der Baywatch-Mönch soeben eine Meerjungfrau gebügelt haben will. So viel sei noch verraten: Harald Pinski tritt neuerdings als Außenhandelsfairtrader auf in Sachen WC-Hygiene. Ansonsten ist das im Entstehen begriffene Programm ohne Namen einmal mehr von gleichermaßen phänomenalen wie wahnwitzigen, oft buchstabengetreuen Sprachspielen geprägt. Beispiele? "Sie hieß Rita und war ein Mann - Senorita." "Lektüre ist, wenn man an der Türe leckt." Spontaneität und Schlagfertigkeit - "Ich habe zu schnell geredet, ich wurde geblitzt" - werden gratis mitgeliefert.

Der Schokoriegelklumpen von einem früheren Oropax-Auftritt mit Thomas in der Wie-viele-Duplos-passen-in-meinen-Mund-Rolle klebt nach wie vor an der Decke der klag-Bühne. Die "Croissant-Therapie-Technik" oder Rollmöpse aus dem Glas taugen dafür nicht, für einen Ekelgag aber allemal. Nichtsdestotrotz haben sich die Chaosbrüder Oropax erneut als Meister der Improvisation gezeigt. Als zwei Komik-Tausendsassas, die sich für keinen Nonsens, keinen fragwürdigen Gag, keine schlüpfrige Pointe zu schade sind. Aber auch das macht Spaß, ihnen wie dem Publikum. Zumal die Witze unter der Gürtellinie gleich bildlich angekündigt werden. Oropax ist einfach der Hammer - so oder so.

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