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Ein 5 000 Jahre altes Kulturgut, das die Stadt prägt
Ein 5 000 Jahre altes Kulturgut, das die Stadt prägt
11.04.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj ) - Sonnenuhren ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Stadt. Darauf wies Bürgermeister Julian Christ gestern Vormittag hin, als im Garten der Liebfrauenkirche die Exemplare Nummer 24 und 25 präsentiert wurden. Wie die meisten ihrer Vorgängerinnen sind sie von Gerhard Schäuble geschaffen worden. Der ehemalige Stadtbaumeister pflegt ein Kulturgut, das Gernsbach prägt - nicht umsonst nennt man die Papiermacherstadt auch die Stadt der Sonnenuhren.

Dass Schäuble diesbezüglich ein echter Experte ist, stellte er gestern einmal mehr unter Beweis. Vor rund 30 Gästen erklärte er die Funktionsweise der beiden neuen Sonnenuhren und stellte sie in Bezug zu ihrer ältesten Vorgängerin, der vorkopernikanischen Sonnenuhr, die als erste ihrer Art in Gernsbach vor rund 600 Jahren am Pfeiler rechts neben dem südlichen Seiteneingang der katholischen Kirche entstanden war. Vor rund 400 Jahren folgte die zweite am Erker des alten Rathauses, 1833 wurde ein weiteres Exemplar am südöstlichen Teil der Liebfrauenkirche installiert. Das Objekt im Rathaushof steht seit 1978. Schäuble hat seit 2006 insgesamt 20 Sonnenuhren für Gernsbach mit unterschiedlichen Systemen angefertigt, die sowohl mit technischer Präzision als auch in kunsthandwerklicher Hinsicht bestechen.

"Ein außergewöhnlicher Einsatz für unsere Stadt", lobte Christ das Engagement Schäubles. Dessen zwei jüngsten Schöpfungen stammen aus einem zweigeteilten Findling aus dem Stadtwald beim Merkur. Die Zifferblatt-Ebenen verhalten sich spiegelbildlich, erklärte Schäuble gestern bei der Präsentation: Entstanden sind die "Sonnenspinne" - ein horizontales Ziffernblatt mit halbkreisförmiger Darstellung der einzelnen Monate - und eine kugelförmige Sonnenuhr, durch deren Form ein bogenförmiger Vollschatten entsteht. Zusammen mit der 2012 installierten Sonnenuhr ergibt sich ein Dreier-Ensemble auf der Kirchenwiese mit unterschiedlichen Konstruktions- und Ablesesystemen.

Für diese Attraktion bedankte sich auch Pfarrer Josef Rösch. Der Dekan ging in seiner Ansprache auf die historische Bedeutung der Sonnenuhren ein, die seit Jahrhunderten auch eine Rolle in der Kirche spielten. Schon im Alten Testament finde sich ein vager Hinweis auf einen solchen Zeitmesser. Uhren in und an Kirchen weisen auch immer hin auf das unaufhaltsame Verrinnen der Zeit und damit die Vergänglichkeit alles Irdischen, erklärte Rösch.

Sonnenuhren gehören zu den ältesten wissenschaftlichen Instrumenten und sind Zeugnisse früher menschlicher Beobachtungs- und Erfindungsgabe. Der Mensch hatte es bald gelernt, den Schattenwurf der Sonne zu kennzeichnen und damit eine Beziehung zur Tages- und Jahreszeit herzustellen. Schäuble erläuterte das komplexe und komplizierte Thema auch gestern leidenschaftlich - und bedankte sich für die Unterstützung bei der Steinmetz-Werkstatt Jüngert und dem Baugeschäft Wieland sowie seinen fleißigen Helfern Norbert Möhrmann, Franz Chemelli und Manfred Holl.

Wer sich für das Thema Sonnenuhren interessiert und mehr darüber erfahren möchte, der kann am Samstag, 27. April, zur Führung mit Gerhard Schäuble kommen. Er stellt im Hinblick auf das 800-jährige Stadtjubiläum die fünf ältesten und die zwei jüngsten Solar-Zeitmesser in Gernsbach vor. Treffpunkt ist um 9.45 Uhr an der Südseite der katholischen Kirche. Die Tour, zu der die Tourist-Info einlädt, dauert circa 90 Minuten und endet gegen 11.15 Uhr im Rathaushof. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.

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