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Tierisch gut, tierisch spritzig
Tierisch gut, tierisch spritzig
15.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Gernsbach - Die Wiedersehensfreude bei den Fans in der ausverkauften Gernsbacher Stadthalle war groß. Für potenzielle Neueinsteiger gab es gleich zu Beginn einen Rückblick auf die bisherigen Ereignisse. Ihnen allen und der Gernsbacher Puppentheaterwoche 2019 bescherten das Theater auf der Zitadelle und "Vier Millionäre - Die Berliner Stadtmusikanten III" ein lach- und applausumwogtes Finale.

Pfleger Eugen und Schwester Gisela sind wie gehabt auf Abzocke getrimmt und nach wie vor auf den Diamanten "Die blaue Hoffnung" scharf. Jetzt bleiben nur noch vertauschte Geschlechterrollen, um von den vier Alten im Pflegeheim "Zum Sonnenschein" nicht erkannt zu werden. Der hinterhältige Fuchs ist ebenfalls hinter dem Klunker her. Bulldogge Don, ein alter Ganovenfreund, der dem Fuchs noch einen Gefallen schuldet, und dessen Gehilfe Kopischke, ein bösartiger Chihuahua, kommen da wie gerufen. Derweil stimmen die Berliner Stadtmusikanten im Altenheim ein Loblied auf den Segen des Geldes an.

Die Rückgabe des Diamanten an den rechtmäßigen Besitzer hat ihnen immerhin einen Finderlohn von vier Millionen Euro eingebracht. Nun können sie sich ein Koch-Schaf leisten und sich die Zeit auch mal mit einer Senioren-Disco vertreiben. Frau Kuh, im entzückenden Designer-Satinkleid, unter dem mitunter ein Spitzenhöschen hervor blitzt, und an den Rollstuhl gebunden, frönt ihrer Kaufsucht beim Internetshopping: "Dem Wiederkäuer ist nichts zu teuer!"

Frau Katze ist dement, in ihren lichten Momenten aber immer noch scharfzüngig, der struppige Wolf lädiert und ein wenig resigniert, aber grundsätzlich zufrieden. Der Spatz spekuliert an der Börse und nutzt, weil inzwischen fluguntauglich, einen Mini-Helikopter für seine Geschäftsreisen.

Doch dann lässt der Don zwecks Erpressung ein niedliches Katzenbaby bei den Altenheimbewohnern einschleusen, das alle im Sturm erobert. Als es entführt wird, ist der Kummer groß.

Aber wie in fast allen Märchen winkt auch hier ein Happy End: Das räuberische Pflegerduo wird auf der Flucht gefasst und dem Falschspieler-Fuchs geht es an den Kragen. Ganove Don entdeckt sein weiches Herz - und zieht kurzerhand im Altenheim ein.

Auch den dritten Teil der Abenteuer um die "Berliner Stadtmusikanten" (Regie: Pierre Wagner) inszenieren Regina und Daniel Wagner mit mitreißender Spielfreude und Situationskomik. Schauspiel und Figurenspiel verschmelzen zu einer Einheit. Die pointiert geführten, herrlich markanten Klappmaulfiguren von Mechthild Nienhaber (Kostüme: Katrin Scheeser, Evelyne Höpfner) und eine fantastische Stimmgebung machen aus den Tieren kleine Persönlichkeiten.

Es menschelt gehörig auf der Bühne, deren minimalistische Ausstattung von Ralf Wagner (auch Technik) Behäbigkeit atmet. Nicht nur in den Lebensgeschichten von Wolf, Katze, Spatz und Bär. Selbstironisch reflektieren die Figurenprotagonisten mitunter gar ihre Bühnenrolle. Wenn etwa die Ganovendogge Don den alten Wolf darauf hinweist, dass sie ja offenbar dieselbe Synchronstimme haben. Oder die Katze empört aufschreit: "Sag mal, liest du den Text vom Blatt ab? Sag mal, geht's noch!". Der Wortwitz schlägt Purzelbäume, mit Lust wird überzeichnet, ohne Berührungsängste vor Kalauern oder derben (Blondinen-)Witzen.

Auch grotesker Humor bricht sich nicht selten Bahn in dieser Grimm-Adaption zum Küssen -einer fulminanten Inszenierung, zwischen Märchen, Parodie und Krimi angesiedelt, spannend und anrührend zugleich, mit Filmzitaten gespickt, getragen von einer stimmigen Dramaturgie. Eine Tier-Sitcom mit Suchtcharakter, stürmisch gefeiert und deshalb sogar mit einer im Figurentheater eher seltenen Zugabe bedacht.

Für alle alten und neuen Fans der "Berliner Stadtmusikanten: Der vierte Teil fällt aus, doch schon im Januar 2020 beginnen die Proben für den fünften Teil. So viel sei verraten: Im "Grand Hotel Grimm" spielt eine pubertierende Jungkatze eine nicht unerhebliche Rolle!

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