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Theater aus Freude, mit Herzblut und Mut
Theater aus Freude, mit Herzblut und Mut
15.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Gaggenau - " Der Lenz ist da", singt der eine, "Sie nerven, ich will lesen" erwidert eine andere, "Sie geh'n mir auf den Sack!" Ob das so im Drehbuch stand, sei einmal dahingestellt. Schon die Eingangsszene charakterisiert die Theatergruppe Grünschnabel treffend. Hier wird Theater aus Freude, mit Herzblut und Mut gemacht. So glänzte auch die klag-Premiere des neuen Grünschnabel-Stücks mit Improvisationskomik und herzerfrischender Kreativität: "Alice, Salice, der Lenz und die Reise" nach Motiven von "Alice im Wunderland".





15 Laienschauspieler, allesamt Menschen mit Handicap zwischen 23 und 84 Jahren, sind unter der Regie von Theaterpädagoge Klaus Kastner zusammengewachsen. Über ein Jahr haben sie einmal pro Woche geprobt und das Stück gemeinsam entwickelt. "Man muss immer schauen, was sie leisten können und ihre Rollen darauf abstimmen", so Kastner. Nicht überfordern, immer wieder aufs Neue motivieren, da brauche man mitunter schon eine Eselsgeduld.

"Wenn sie dann auf der Bühne mutig ins ungewohnte Rampenlicht treten, bin ich stolz auf sie und ein bisschen auch auf mich." Als Souffleur und Erzähler ist er für seine Truppe auch während der Vorstellung die Bezugsperson schlechthin. Bei der Entstehung des Theaterstücks kann sich jeder im Team einbringen, seien es Ideen für Text oder Gestaltung, sei es die Wahl der Kostüme. Entsprechend bunt fällt das Ganze aus, entsprechend groß ist der Interpretationsspielraum für die Zuschauer. Die staunen ob dieser erfrischenden Kreativität auf der Bühne und freuen sich über die oft unfreiwillige Komik von Dialogen und szenischen Sprenkeln. Auch die Geschichte von "Alice, Salice, der Lenz und die Reise" ist stimmig auf die Darstellerinnen und Darsteller zugeschnitten. Jeder hat seinen Part, manchmal gar in einer Doppelrolle wie Imelda Klumpp als Haupterzählerin und grantige, herzlose Königin oder Andreas Ackermann als alter Mann und Polizist.

Auf einer Parkbank fängt alles an. Als Herr Lenz gab Steffen Guthier seinen Einstand. Ein aufdringlicher Playboy, der alles daran setzt, die Schwestern Alice und Salice alias Anne-Julie Donde und Neuzugang Jessica Kottler kennenzulernen. Genervt flüchten diese ins Wunderland, wo sie auf allerlei sonderbare Wesen treffen. Zunächst begegnen Alice und Salice auf einer Teegesellschaft ziemlich durchgeknallten Gästen. Dort warten der komponierende Hutmacher (Vanessa Thomas), das dauermüde Spitznasen-Murmeltier (Marc Hägele), der sonnenbebrillte Faselhase (Wolfgang Merkel), Frau Schneider mit der Krokodilsattrappe und ein ungelöstes Rätsel auf sie.

Playboy Lenz ergeht es auf der Suche nach den Schwestern und bei den sprechenden Blumen kaum besser im Wunderland. Die Schlüsselblume (Brunhilde Chander), das Maßliebchen (Dorina Schauppel) und eine Tigerlilie mit Krallen (Sabrina Schorpp) machen mit ihrem Gesang nicht nur ihn verrückt. Die beiden Gärtner (Ingo Kirpal und Vorhang-Spezialist Gerhard Moosler) verlieren darüber sogar die Kontrolle über das Gießwasser.

Während in dieser Szene so bedeutungsvolle Sätze fallen wie "die Zeit gehört niemand", haben sich die beiden Schwestern verlaufen. Salice landet in einem Schloss bei dem gutmütigen König (Sybilla Roll) und der eifersüchtigen Königin (Imelda Klumpp), die kurzen Prozess macht mit allen, die anderer Meinung sind als sie: "Kopf ab, Punkt!" Die nachfolgende Gerichtsverhandlung geht mit einem tollen Käsekuchen-Rap, einem neuen Rätsel und Denkzettel für den Playboy einher.

Am Ende gab es langen Applaus für das Grünschnabel-Ensemble und eine engagierte Helfermannschaft. Ehrenamtlich waren Saskia Hörth, Rudi und Andrea Jacobsen sowie Yvonne Hegmann im Einsatz. Nicht zu vergessen das Engagement der "Hauptamtlichen" Klaus Doll, Katrin Leicht und Alexandra Kühne. Martin Bleier, Geschäftsführer der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal, verband seinen Dank für eine "tolle Leistung" aller mit dem Lebenshilfe-Motto "Wir sind alle gleich verschieden!" Wie wahr. Wie schön, wenn diese Verschiedenheit allen so viel Freude und Lachen schenkt!

Tipp: Am 10. Mai um 20 Uhr und am 11. Mai um 16 Uhr gastiert die Theatergruppe Grünschnabel mit ihrem neuen Stück im Kellertheater Rastatt. Hingehen!

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