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Daimler hält nichts vom eWay-Projekt
Daimler hält nichts vom eWay-Projekt
17.04.2019 - 00:00 Uhr
Gaggenau (ham) - Der E-Truck soll dazu beitragen, dass Lkw weniger die Umwelt verschmutzen. Auf der B 462 ist ein Feldversuch mit Oberleitungen geplant - ausgerechnet der größte Arbeitgeber in der Region, Daimler, hält nichts von der Idee. Das ist besonders pikant, weil der Konzern aus Stuttgart schließlich auch einer der weltweit größten Hersteller von Lkw ist.

Die Zeitung "Die Welt" berichtete am Montag über den sogenannten eWayBW, wie er in Baden-Württemberg heißt. Die Bundesregierung unterstützt drei Teststrecken in der Republik: außer auf der Bundesstraße im Murgtal noch zwischen dem Autobahnkreuz Lübeck und der Anschlussstelle Reinfeld sowie in Hessen auf der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt. Bisher wurden rund 70 Millionen Euro investiert für die Pilotprojekte unter dem Namen "Elisa" (Elektrifizierter innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen).

Dank der Oberleitungen, die im Murgtal auf zwei Teilstücken über insgesamt rund sechs Kilometern zwischen Kuppenheim und Ottenau laufen sollen (das BT berichtete), könnten die Fahrzeuge bei einem "grünen" Strommix emissionsfrei fahren. Die Lkw, die auch Trolley-Trucks genannt werden, zapfen wie Züge Strom oben ab und könnten auch das Teilstück ohne Oberleitungen auf Höhe Gaggenau mühelos überwinden mit vollen Batterien, indem sie sich von der Trasse abkoppeln und später wieder ankoppeln. Wirtschaftsvertreter finden das Konzept interessant, das Öko-Institut befindet, die Elektrofahrzeuge würden rund ein Viertel weniger CO 2 ausstoßen als die gängigen Diesellaster. Kritiker monieren nicht nur die optische Verschandelung. Sie monieren, der Bau solcher Strecken sei zu viel Aufwand, zudem wollen sie auch den Abbau nach den Tests bereits geregelt wissen.

Während Siemens das Projekt tatkräftig unterstützt und sich auf der A5 in Hessen mit seiner Technologie einbringt, teilt Daimler die Bedenken der Kritiker bezüglich der eHighways. Der Konzern hat Zweifel, dass das extrem planungs- und kostenintensive Konzept wettbewerbsfähig ist und sich für ihn lohnt. Zum einen dauern die Versuche Jahre. Und selbst wenn sie erfolgreich verliefen, würde es noch sehr lange dauern, bis die Infrastruktur bundesweit aufgebaut wäre.

Dass es sich beim eWay tatsächlich um eine Schnapsidee handeln könnte, suggerieren die von der "Welt" genannten Zahlen. Laut denen taxieren Experten die Kosten eines Leitungskilometers auf etwa drei Millionen Euro. Das deckt sich ungefähr mit den Schätzungen von Daimler, das drei bis vier Millionen Euro je Infrastruktur-Kilometer erwartet. Um jedoch klimawirksame Effekte zu erzielen, müssten Oberleitungen von einer Länge von mindestens 2 000 Kilometern - manche Fachleute gehen sogar von 4 000 Kilometern aus - entstehen. Das kostet folglich alleine zwischen sechs und maximal 16 Milliarden Euro, schenkt man den genannten Daten Glauben.

Zum anderen verweist ein Daimler-Sprecher gegenüber der "Welt" darauf, dass der Lkw-Bauer bereits "mit Elektro-Lkw ein flexibles und jetzt schon verfügbares Konzept hat - ohne teure, aufwendige und langwierige Planungsmaßnahmen. Der elektrische Actros fährt jetzt als Prototyp und ab 2021 in Serie".

"System funktioniert sehr gut - bei der Bahn"

Die Hersteller sind alle bestrebt, die Batterietechnik voranzutreiben, um die Klimaschutzvorgaben der EU erfüllen zu können. Wenn ein Actros dann 200 Kilometer mit Strom fährt, was Daimler laut dem Zeitungsbericht für bald möglich hält und auch 300 Kilometer langfristig in Aussicht stellt, vermeidet das Strafzahlungen. Zehn Jahre bis zum Ausbau der eWay-Infrastruktur zu warten, ist die teurere Option für Daimler.

Die sonst ziemlich humorfreie Pressestelle des Konzerns macht sich laut der "Welt" auch mit einem kräftigen Schuss Ironie lustig über das eWay-Projekt: "Es gibt bereits ein ähnliches System zum Gütertransport mit Oberleitungen, das sehr gut funktioniert: Es heißt Deutsche Bahn."

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