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Von einem Facharzt zum nächsten
Von einem Facharzt zum nächsten
18.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Regina Frammelsberger

Gaggenau - Andrea Hirth aus Gaggenau ist davon betroffen, viele andere auch. Sie fühlen sich oft unverstanden, nicht ernst genommen und mit ihrem Problem allein gelassen. Diffuse Muskelfaserschmerzen, die sich schleichend und unauffällig entwickeln, beschreiben den Krankheitsverlauf der Fibromyalgie. Sie wird umgangssprachlich auch Weichteilrheuma genannt.

Häufig bekomme der Patient diese Diagnose aber erst nach jahrelanger Ungewissheit und werde auch danach nicht adäquat versorgt, berichtet Andrea Hirth.

Schmerzhafte Druckpunkte, die sich über den ganzen Körper verteilen, gehören zu den typischen Symptomen der Fibromyalgie - zusammen mit einem Sammelsurium an Begleiterkrankungen wie Abgeschlagenheit, Migräne, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden. Oft ist die Schmerzverarbeitung im Zentralen Nervensystem gestört, sodass das Gehirn Schmerzen wahrnimmt, ohne dass ein schädigender Reiz vorliegt. Eine definitive Ursache für die Schmerzen lässt sich dann nicht immer feststellen - dieser Umstand macht es den Ärzten so schwer, das Krankheitsbild zu erkennen und etwas dagegen tun zu können. Die Patienten werden von einem Facharzt zum nächsten geschickt.

Die 38-jährige Andrea Hirth kennt dieses Gefühl, letztendlich mit Sätzen wie "Das ist der Stress - entspannen Sie sich" als psychisch krank abgestempelt zu werden und hauptsächlich mit Antidepressiva-Medikamenten versorgt zu werden. Die gelernte Krankenschwester und pharmazeutisch-technische Assistentin will sich "aber nicht mit Chemie vollpumpen, die an der Ursache nichts ändert".

Ihr medizinisches Know-how half ihr als Patientin, sich gegenü ber den Ärzten durchzusetzen und einigen Schmerzen eine knöcherne Ursache bescheinigen zu können. Dennoch könne die Schulmedizin die Schmerzen nur stillen - eine Heilung der Fibromyalgie ist nicht möglich. Gute Erfahrung hat Hirth mit Krankengymnastik und einer osteopathischen Behandlung gemacht.

Schübe oft nach

Stresssituationen

Eine deutliche Verbesserung spürt die Patientin auch, seitdem sie ihre Ernährung umstellte, auf Industriezucker verzichtet und das entzündungshemmende Kurkuma-Gewürz ihrem Essen beimischt. Dennoch gibt es immer wieder Rückschläge durch die krankheitstypischen Schübe, die oft nach Stresssituationen oder einer Erkältung, teilweise aber auch ohne erkennbaren Grund auftreten. Dann sind die Schmerzen so stark, dass Hirth kaum schlafen und sich tagsüber nur schlecht bewegen kann. "Meine Hände fühlen sich dann wie Klauen an", beschreibt sie das steife Gefühl, das ihre Beweglichkeit am ganzen Körper stark einschränkt. In solchen Phasen hat sie keine andere Möglichkeit, als sich krank zu melden und ist dankbar für die Hilfe ihrer Nachbarn und Freunde.

Im Alltag hat Andrea Hirth gelernt, mit ihrer Krankheit umzugehen: Sie teilt sich die Arbeit im Haushalt ein und kocht "an guten Tagen" ihr Essen vor. Für einen Arbeitgeber ist dieser Zustand allerdings ebenfalls schwierig - oder im schlimmsten Fall nicht mehr tragbar, sodass eine Kündigung drohen kann. Zu den chronischen Schmerzen gesellen sich damit existenzielle Ängste und finanzielle Nöte. Für solche Momente empfiehlt Hirth die Nutzung der modernen Medien. Über Facebook wurde sie auf andere Fibromyalgie-Patienten aufmerksam und ist seitdem regelmäßig mit ihnen in Kontakt. Dort bekam sie schon viele gute Ratschläge, schätzt aber auch den Austausch unter Leidensgenossen, die sich gegenseitig moralisch unterstützen.

In ihrem Lebensumfeld wünscht sich Hirth mehr Aufmerksamkeit für Menschen, die am sozialen Rand der Gesellschaft stehen, und will ihre Mitmenschen dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden. Die Worte eines Facebook-Eintrages machen die Wünsche der Betroffenen deutlich: " ... mehr Austausch statt Belehrung, mehr mitteilen als jammern, mehr Empathie statt Beurteilung, mehr Eigeninitiative statt Stillstand, mehr Team- statt Kampfgeist" - allesamt Einstellungen, die sich sowohl Kranke als auch Gesunde zu Herzen nehmen können.

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