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Die Kühe mit dem treuen Blick
20.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Zoller

Loffenau - Dass zu Ostern nicht immer Hühner und Hasen im Fokus stehen, beweist die Loffenauer Künstlerin Krimhilde Greul. Zum wiederhalten Mal präsentierte die Hobbymalerin im Frühling ein gänzlich neues Sortiment ihrer beliebten Holzmalereien und zeigte auf dem Dobler Ostermarkt erstmals Kuhmotive. "Im vergangenen Sommer war ich mit meinem Mann im Allgäu. Dort hat uns das Braunvieh mit seinen Hörnern und treuen Augen so fasziniert, dass ich es als Kunstobjekt verewigt habe."

Noch während Greul über das Grundmaterial, die Buchen-, Tannen- und Birkenhölzer berichtet, hat sich eine Gruppe von Männern um den Stand geschart, die die Malereien der Künstlerin auf teils über 100 Jahre alten Eichenbalken bestaunen.

Fasziniert sind Dietmar Siegmann aus Heilbronn und Manfred Burkhardt aus Iffezheim, die mehr oder weniger per Zufall die ungewöhnlichen Motive entdeckten. "Da fällt einem die Wahl schwer", sagt der eine entzückt, während der andere schon das Objekt seiner Begierde in Händen hält. Kein Wunder, dass nach zwei Tagen Ostermarkt gänzlich alle Motive verkauft und im Loffenauer Heim wieder Platz ist, um neuen Ideen Raum zu geben.

Krimhilde Greul lacht. "Ich bin ein echter Holzwurm." Seit vielen Jahren beschäftigt sich die gebürtige Loffenauerin mit dem Thema Holz als Werkstoff. Waren es in den 70er Jahren zunächst kleine Holzdosen, um diese in traditioneller Bauernmalerei zu verzieren, folgten schon bald ganze Schränke. Für den traditionellen Loffenauer "Klemmerlesmarkt" schuf die vielseitige Autodidaktin Krippenfiguren aus Ton, begleitet von Schafen mit modelliertem Gesicht und echter Wolle, die auch zu Ostern bunten Eiern Gesellschaft leisten konnten. "Das war noch zu einer Zeit, als wir in Loffenau ein Fremdenverkehrsbüro hatten", erklärt die Rentnerin, die heute auf das kraftraubende Modellieren verzichtet und lieber zu Acrylfarben greift.

Inspirationen holt sie sich gerne im Burda Museum in Baden-Baden. "Dort gibt es im Tiefparterre einen so wunderbaren Shop mit herrlichen Kunstkarten", schwärmt Greul, die neben Picasso und Ernst-Ludwig Kirchner auch von Engelmotiven berichtet, die sie als Anregungen für ihren eigenen Malstil verwendet. "Ich nehme eine Karte, kneife die Augen zu und versuche dann das Wenige, das ich erkenne, auf Papier zu bringen", sagt Greul und fügt mit strahlenden Augen hinzu: "Und dabei kommen tolle Sachen heraus."

Ihren Enkeln zu Liebe hat sie angefangen, Buchfiguren auf Holz lebendig werden zu lassen. "Anfangs waren das nur kleine Quader und rechteckige Teilchen aus Buchenholz, die alleine stehen und von Kindern zum Spielen verwendet werden können." Doch dann entdeckte sie vor acht Jahren ihre Liebe zu den schmalen Tannenbrettern aus heimischem Nadelholz. "Ich bin mit meinem Mann ins Holzbachtal gefahren und habe im Sägewerk Heinrich Jäck die ersten Bretter gekauft." Weil die rustikalen Schwarten mit 2,50 Meter Länge nicht ins Auto passten, wurden sie kurzerhand halbiert. "Das ist fürs Kunsthandwerk angenehmer zu bearbeiten und kommt bei den Kunden besser an", so Greul, die hierbei gerne die aktive Unterstützung ihres Mannes betont. "Er entfernt an den Brettern zunächst die Rinde. Dann wird das Holz erst einmal ein Jahr lang gelagert, damit es richtig trocknen kann." Um eine malfähige Oberfläche zu erhalten, wird das Holz abgeschliffen, so dass die Künstlerin ihre auf Papier skizzierten Ideen mit weichem Bleistift auf das Naturmaterial übertragen kann. So entstehen die ersten Umrisse des Motivs, das sich zudem den natürlichen Gegebenheiten der Holzmaserung anpasst.

Da das Holz naturbelassen bleibt, also mit keinem Lack grundiert ist, heißt es vorsichtig zu agieren. Wenn Farbe auf das Holz kommt, ist nichts mehr zu korrigieren, denn der Farbstoff wird vom Naturmaterial geradezu aufgesaugt. Zunächst werden die hellen Töne aufgetragen. Dann entsteht Schritt für Schritt die gesamte Figur - und das auf einer maximal 20 Zentimeter breiten Fläche! Kein Wunder, dass das Allgäuer Braunvieh, das sonst in voluminöser Masse auf der Weide steht, sich plötzlich liebenswert rank und schlank auf Tannenholz präsentiert. Bemerkenswert ist dabei der Blick, den die Kühe direkt an den Betrachter wenden. "Das sind die Augen! Ich lege besonderen Wert darauf, dass die immer ausdrucksstark wiedergegeben sind", betont Krimhilde Greul.

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