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Angeklagter räumt Unfall ein
30.04.2019 - 00:00 Uhr

Gaggenau (tom) - Der Unfall am 13. Juli 2018 forderte zwei Todesopfer; ein sieben Monate alter Junge und seine 54-jährige Großmutterstarben. Jetzt wird in Rastatt vor dem Schöffengericht verhandelt.

Seit gestern wird der Fall in Rastatt vor dem Schöffengericht unter Leitung von Richterin Angelika Binder verhandelt. Dabei hat der Beschuldigte nach Monaten des Schweigens eingeräumt, den Unfall verursacht zu haben. Mehrere Dutzend Zuhörer verfolgten die Verhandlung. Einzeln wurden sie bei Betreten des Amtsgerichts untersucht. Vor Saal 151 im zweiten Obergeschoss wurden sie erneut kontrolliert; Handys mussten abgegeben werden.

Gegen 8.45 Uhr wurde der Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers Uwe Kirsch in den Saal geführt. Bis zum Sitzungsbeginn hielt er einen beigefarbenen Aktenkarton vor die den Kameras zugewandte Gesichtshälfte. Doch Fotos von seinem Facebook-Account - damals ohne Vollbart - mit vollem Namen waren schon wenige Tage nach dem Unfall in sozialen Medien herumgereicht worden.

Fahrlässige Tötung, vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs, unerlaubtes Entfernens vom Unfallort, Trunkenheit im Verkehr und Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge - so lauten wesentliche Tatvorwürfe.

Frau starb am Unfallort, Enkel in der Klinik

Dr. Axel Isak, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Baden-Baden, trug die Anklage vor: So habe der Beschuldigte in seiner damaligen Wohnung eine Indoor-Marihuana-Anlage betrieben. Am Unfalltag habe er zwischen 16 und 20.30 Uhr in einem Lokal in der Ebersteinstraße in Ottenau mindestens sieben Pils und vier Ouzo getrunken und dann den Heimweg angetreten.

Mit mindestens 1,17 Promille und unter Cannabis-Einfluss habe er um 20.45 Uhr in der Goethestraße mit seinem Renault Mégane die Kontrolle verloren und auf dem Gehweg die Frau erfasst, die ihren Enkel im Kinderwagen schob. Sie wurde 39 Meter weit geschleudert, so der Staatsanwalt. Ihren schwersten Verletzungen erlag sie am Unfallort. Der Enkel starb in der Nacht in einer Klinik in Karlsruhe. Obwohl er gewusst habe, dass er einen Unfall verursacht hatte, sei der Beschuldigte zu seiner damaligen Wohnung in der Theodor-Bergmann-Straße in Gaggenau weitergefahren. Das Auto habe er in unmittelbarer Nähe in der Viktoriastraße abgestellt.

Zu Beginn der Verhandlung erklärte Anwalt Kirsch, dass der Beschuldigte einräume, den Unfall verursacht zu haben. Der heute 48-jährige gelernte Bäcker war damals bei einer Baufirma in einem Gaggenauer Stadtteil beschäftigt. Am Abend des Unglücks habe er mit seinem Chef und einem Kollegen in einer Ottenauer Lokalität mehrere Bier und Ouzo getrunken. Anschließend sei er nach Hause gefahren. An den Unfall könne er sich nicht detailliert erinnern. In der Linkskurve sei er auf den Gehweg geraten: "Ich denke, ich bin eingeschlafen", gab er an. Er habe zwar gemerkt, dass er einen Unfall verursacht hatte, aber nicht, dass sein Auto mit Menschen kollidierte - "es hätten auch Mülltonnen sein können." Er sei weitergefahren, weil er Angst um seinen Führerschein gehabt habe. Es tue ihm leid, was geschehen sei, dies sei nicht gutzumachen. Seit Ende Oktober befinde er sich in einer stationären Alkohol- und Drogen-Therapie. Wegen des Unfalls sei ihm fristlos gekündigt worden, eine Wohnung habe er nicht mehr: "Ich habe alles verloren."

Ab März 2018 habe er bei der Baufirma gearbeitet. In Alkohol und Drogen sei er vor anderthalb Jahren "tiefer reingerutscht" - als ihn seine Frau verlassen habe. Vorher habe er gelegentlich Cannabis konsumiert, "drei, vier mal abends in der Woche eine Tüte", aber sein früheres Alkoholproblem noch im Griff gehabt. Nach der Trennung sei der Cannabis-Konsum auf "locker" 15 bis 20 Gramm im Monat gestiegen. Die Pflanzen habe er für den Eigenbedarf angebaut. Auch bei der Arbeit habe er getrunken, zuletzt habe er täglich eine Kiste Bier konsumiert.

Vom Unfall gibt es keine Zeugen

Er sei an besagtem Freitagmorgen alkoholisiert zur Arbeit gekommen und habe schon "eine Tüte geraucht" wie meistens, erzählte der Beschuldigte. "In der Mittagspause zwei Tannenzäpfle", bei der gemeinsamen Heimfahrt um 14 Uhr von der Großbaustelle in Bühl habe man an einer Tankstelle Dosenbier geholt und getrunken. Anschließend habe man im Lager der Firma "mit Sicherheit vier, fünf Bier" getrunken, dann habe der Chef vorgeschlagen, was trinken zu gehen.

Wie viel er in der Ottenauer Lokalität konsumiert habe? Nach dem zweiten, dritten Schnaps habe er es "nicht mehr gerafft" und wahllos getrunken. Wegen eines "Filmrisses" könne er sich nicht erinnern, auch nicht an die Heimfahrt. Auch, dass er seinen damaligen Chef am selben Abend noch einmal aufgesucht hat, wisse er nur aus den Akten.

Weder Chef noch der Kollege wollten gestern bestätigen, dass es am Unfalltag mittags oder bei der Heimfahrt Bier gegeben habe. Der Kollege berichtete aber, er sei nach dem gemeinsamen Trinken dem Beschuldigten mit dem Auto hinterher gefahren. Warum, das blieb gestern unklar. Als er wenige Sekunden nach der Kollision am Unfallort eintraf, habe er eine Staubwolke gesehen, "wie nach einer Explosion". Er habe den verstörten Unglücksfahrer dann in dessen Wohnung angetroffen. Dieser habe keine verwertbare Auskunft geben können, aber gesagt, dass er Menschen überfahren haben könnte.

Er, der Kollege, sei dann zu Fuß zu seinem Chef gegangen, um ihm den Vorfall zu schildern. Dort traf dann auch der Unfallfahrer ein. Der ehemalige Chef berichtete, dass der Beschuldigte ihm zuvor am Telefon erzählt habe, dass er möglicherweise eine Frau und ein Kind umgefahren habe.

Weitere Zeugen wurden gestern gehört, doch keiner hat direkt den Unfall miterlebt. Genauer Zeitpunkt und Hergang sind weiter unklar - ebenso, ob der Verursacher wusste, dass sein Auto mit Menschen kollidierte. Die Zeugen berichteten von einem grauenvollen Bild. "Wie ein Schlachtfeld", so ein Gaggenauer. Vergebens bemühten sich die Ersthelfer, die Frau wiederzubeleben. Auch das Kind, es war aus dem Kinderwagen geschleudert worden und lag röchelnd auf dem Bauch, konnte nicht gerettet werden, es starb noch in der Nacht zum 14. Juli.

Nächster Verhandlungstermin ist der 13. Mai, 9 Uhr. Ein weiterer Termin ist für den 17. Mai vorgesehen.

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