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Die Karchers und Familie Fuchs
04.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Zoller

Loffenau - "Leuchtende Augen, buschiger Schwanz, spitze Ohren - und dann der erste Blickkontakt." Begeistert und mit warmherziger Stimme erzählt Sabine Karcher über ihre erste Begegnung mit dem Fuchs auf ihrer Terrasse: "Eigentlich ist es doch schön, dass wir die wilde Natur nicht völlig aus unserem Leben verdrängt haben."

Mit ihrem Mann Ralf wohnt sie in Loffenau am Rand von Streuobstwiesen, eben dort, wo nur wenige Menschen vorüberziehen. Die Terrassenfenster geben den Blick bis auf den Boden frei. "Vor unserer Haustür ist unberührte Natur", erklärt Ralf Karcher, der das scheue Tier selbst mit eigenen Augen gesehen hat. "Wir waren zunächst überrascht, dass ein Wildtier so nahe ans Haus kommt", sagt seine Frau, die aber eine plausible Erklärung gefunden hat: Es handelt sich um eine Fähe, also eine Füchsin, die sich im Mai um ihren Nachwuchs kümmert.

Der Rotfuchs, dessen sprichwörtliche List und Schläue in vielen Fabeln erzählt wird, ist anpassungsfähig. Mit Vorsicht und Raffinesse hat das Wildtier gelernt, dem Menschen auszuweichen und doch eng mit ihm zusammenzuleben. "Wir haben ein kleines Gerätehäuschen, das wir ohne festes Fundament direkt auf die Wiese gebaut haben", berichtet Ralf Karcher, dass sich der schlaue Rotrock direkt darunter einen Eingang zum Fuchsbau gegraben hat. Nicht nur clever, sondern geradezu ideal, denn damit hat die Fähe ein "Dach über dem Kopf" und wird weder von Wanderern noch Jägern gestört. "Da wir berufstätig sind, bleibt der Garten meistens ungenutzt", erklärt die zum Fuchsfan gewordene Hausherrin, die das liebevolle Familienleben bei der Aufzucht der beiden Welpen auf dem Grundstück beobachten konnte.

Ein Fuchs erfüllt eine wichtige Rolle als Gesundheitspolizist. So ernährt er sich vorwiegend von Mäusen, von Fallobst, Schnecken, Insekten, Aas und von kleineren, kranken und somit nicht überlebensfähigen Tieren. Dass Füchse eine Gefahr für Haustiere sein sollen, können die Karchers nicht bestätigen. "Wir hatten sogar die Gelegenheit, ein kurzes Video zu drehen, als es auf unserer Terrasse zu einer Begegnung mit der Nachbarskatze kam." Lachend zeigt Sabine Karcher das Handy mit der Aufnahme: Während die Fähe mit festem Blick auf die Katze knurrende Töne von sich gibt und die Rute wie ein Ruder waagerecht nach oben manövriert, beharrt der Stubentiger auf seinem Revier und bleibt zunächst seelenruhig sitzen. Erst als der berühmte Katzenbuckel zum Einsatz kommt, wird der Füchsin wohl bewusst, wer hier die älteren Rechte hat, und sie verschwindet. "So etwas zu erleben ist unglaublich", berichtet die unbeteiligte Filmemacherin. "Es gibt also keinen Grund, warum wir mit unserem Freund, dem Fuchs, keine gute Nachbarschaft pflegen sollten. Zudem ist es doch etwas Außergewöhnliches und Wunderbares, wenn Mensch und Wildtier sich den Lebensraum friedlich teilen." Freudestrahlend wird darüber berichtet, wie die zwei flauschigen Jungfüchse beim Spielen und Toben beobachtet wurden - eine Seltenheit, denn Füchse gehen dem Menschen meist aus dem Weg.

Nachdem bislang nur Füchsin und Welpen zu sehen waren, stellt sich die Frage, ob der Fuchsrüde überhaupt noch lebt. Denn gerade in der winterlichen Paarungszeit werde besonders intensiv Jagd auf die Tiere gemacht. Fuchsväter leisten jedoch insbesondere durch die Versorgung mit Nahrung einen wichtigen Beitrag zur Aufzucht. Studien zeigen, dass die Welpen "alleinerziehender" Fähen deutlich geringere Überlebenschancen haben und eine schlechtere körperliche Verfassung aufweisen als andere Jungfüchse.

Loffenau ist übrigens kein Tollwutbezirk, denn durch Impfaktionen gilt es seit Jahren als tollwutfrei.

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