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17 Gigabyte des Grauens
17 Gigabyte des Grauens
15.05.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj) - Die Anklageschrift war eine Litanei des Grauens: Detailliert schilderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, was auf den zahlreichen Datenträgern zu sehen war, die im Zuge einer Hausdurchsuchung bei einem 44-jährigen Murgtäler gefunden wurden. Dabei handelte es sich um insgesamt 17 Gigabyte verbotenes Material - 7 500 Bilddateien und 400 Videos, auf denen sexuelle Handlungen an Kindern vorgenommen wurden, zudem weitere circa 1 000 Bilder und 50 Videos jugendpornografischen Inhalts.

"Die Anklage stimmt", räumte der Vater eines Sohnes gleich zu Beginn der Verhandlung ein. Er war von seiner Ehefrau angezeigt worden, die eher zufällig auf die erschütternden Bilder und Videos gestoßen war und die Polizei verständigte. Für die Frau, die in einer Kindertagesstätte arbeitet, sei eine Welt zusammengebrochen, zumal sie sich Sorgen um den gemeinsamen Sohn gemacht habe; sie dachte an Scheidung, wie der 44-Jährige vor Gericht erzählte. Umgehend habe er sich nach Einleitung des Ermittlungsverfahrens bei der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) Karlsruhe in Behandlung begeben, um etwas gegen seine Neigung zu unternehmen.

Diese hatte ihn schon einmal vor Gericht geführt. 2009 wurde der heute in einer Murgtal-Gemeinde wohnhafte Mann vom Amtsgericht Ettlingen wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften zu einer Geldstrafe in Höhe von 14 400 Euro verurteilt. Damals hatte ihn seine frühere Verlobte angezeigt, die die Kinderpornos zufällig auf dem Rechner gefunden hatte.

"Trotz der hohen Geldstrafe hat sich nichts geändert", stellte der Gernsbacher Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch gestern fest. Er sprach von einer neigungsbedingten Straftat, bei der eine hohe Wiederholungsgefahr bestehe. Deshalb sei es unabdingbar, dass sich der 44-Jährige weiter einer sogenannten deliktorientierten Therapie unterziehe. Diesbezüglich sei er bei BIOS an der richtigen Adresse, dort wird die Behandlung und Nachsorge von Gewalt- und Sexualstraftätern angeboten.

Bilder zeigen Sex

mit Kleinkindern

Die Staatsanwaltschaft wertete das Geständnis ebenso zugunsten des Angeklagten wie die Bereitschaft, sich weiter einer Therapie zu unterziehen. Auf der anderen Seite sprachen die Vorstrafe, die Masse an kinderpornografischen Dateien und die Grausamkeit der Bilder, auf denen unter anderem der Missbrauch von Kleinkindern zu sehen ist, gegen den Familienvater. Die Anklage forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung und eine Geldstrafe von 2 000 Euro, die an eine gemeinnützige Einrichtung fließen sollte; zudem habe der Mann zweimal monatlich eine Therapie wahrzunehmen.

Der Verteidiger wollte an den Taten seines Mandanten nichts beschönigen oder relativieren und gab zu, dass "eine Geldstrafe hier nicht ausreichend ist". Allerdings verwies der Rechtsanwalt darauf, dass sich sein Mandant selbst professionelle Hilfe gesucht und auch eine Paartherapie mit seiner Frau absolviert habe, um die Ehe zu retten. Aktuell sei man diesbezüglich auf einem guten Weg, weshalb die Sozialprognose insgesamt positiv ausfalle. Auch sei der Angeklagte das komplette Ermittlungsverfahren über "sehr kooperativ" gewesen, obwohl der Ausgang stets wie ein Damoklesschwert auf ihm lastete.

Schließlich würde eine Inhaftierung wohl das Aus für seine Familie, seine Arbeit und sein bürgerliches Leben insgesamt bedeuten, wie auch Richter Koch feststellte. Der Amtsgerichtsdirektor verurteilte den 44-Jährigen letztlich zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung; die Datenträger werden eingezogen. Zudem hat der Angeklagte die Verfahrenskosten zu tragen und muss sich so lange einer eigenfinanzierten Therapie unterziehen, bis das Ende seiner Neigung bestätigt werden sollte.

Koch nannte die Chance, die der Murgtäler bei der Forensischen Ambulanz Baden von BIOS-BW in Karlsruhe bekomme, einmalig: "Wenn Sie die verbaseln, landen sie auf der Straße", appellierte der Richter. "Es tut mir sehr leid, was ich gemacht habe und ich werde es nie wieder tun", hatte der Verurteilte bei seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung versprochen.

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